Montag, 30. Juni 2014

Jammern auf hohem Niveau

Nein, es folgt nicht die allseits bekannte Schelte über unser aller Jammern.

Was 'Jammern auf hohem Niveau' wirklich ist, das habe ich heute erst gelernt. Und da das Fußballspiel sich wohl noch hinzieht, will ich davon erzählen:

Jemand sprach mit einem Bänker, der unseren Jemand zur Veräußerung einiger Immobilien bewegen wollte, um so diverse Konten auszugleichen und auch diverse Schuldner, groß und klein, zu bezahlen.

Das wollte Jemand aber nicht. Und erzählte zur Erklärung von seinem Schwiegervater:

Der Mann habe, als er sich zur Ruhe setzte, seine Firma mitsamt 'Grund und Boden' verkauft, und zwar für richtig 'gutes Geld'. Und dieses Geld habe er dann auf Anraten der Bank so angelegt, dass er von den Zinsen leben konnte.

Aufpasst: Er lebte von den Zinsen - nicht vom eigentlichen Verkaufserlös.

Dies ging lange Zeit, eigentlich sogar über mehrere Jahrzehnte, sehr gut. Der Schwiegervater und seine Frau lebten ein sorgenfreies Leben, finanziert aus den Zinsen (wogegen, nebenbei erwähnt, nichts einzuwenden ist).

Doch dann begann der Zinsverfall. Nach und nach musste Jemands Schwiegervater erleben, wie die monatlichen Zinszahlungen weniger und weniger wurden, bis er letztendlich nicht nur nicht mehr sorgenfrei, sondern gar nicht mehr davon leben konnte.

Und seit einer Reihe von Jahren muss Jemands Schwiegervater also nun... ja, was eigentlich?

...seine Frau Putzen schicken?
...sich bei der lokalen Tafel anstellen?
...auf dem Sozialamt Wohngeld beantragen?

Nun ja, nicht wirklich. Aber er muss nun tatsächlich von seinem Geld leben - und nicht mehr von dessen Zinsen. Und das ist nun wirklich ein großes Elend, und die Schuld der damaligen falschen Beratung durch die Banken (die ihrem Kunden immerhin über Jahrzehnte ein sorgenfreies Leben ermöglicht hat, aber lassen wir das).

DAS nenne ich nun wirklich Jammern auf hohem Niveau.

Ich gestehe: In diesen Chor des Jammers würde ich gerne mal einstimmen können.

Sie sind tot.

Die drei in Israel entführten Jungen wurden heute gefunden - tot.

Eyal Yifrach (19), Gilad Shaar (16) und Naftali Fraenkel (16), die am 12. Juni entführt worden waren, sind heute tot aufgefunden worden; wie es scheint, wurden sie schon kurz nach ihrem Verschwinden ermordet. Noch gestern Abend hatte in Israel eine weitere Veranstaltung stattgefunden, um den verzweifelten Eltern Mut zu machen und ihnen Unterstützung zuzusichern.

Die Meldung

Und nun das. Drei junge Menschenleben zerstört. Warum? Weil sie in den Augen einiger der falschen Religion, der falschen Nationalität angehörten.

Natürlich finden sich auch in den deutschen Medien Artikel, z.B. hier und hier und hier. Mitleidige Worte über die Eltern, wie man sie sonst wohl nach Entführungsfällen mit tödlichem Ausgang fände, bleiben allerdings fast vollständig aus. Es ist, als gäbe es ein stillschweigendes Übereinkommen, unter Ausblendung menschlicher Hintergründe (auch über die Vita der Jungen erfährt man wenig bis nichts) möglichst wenig Gefühl für die Opfer, ihre Familien und deren Unterstützer aufkommen zu lassen.

Stattdessen erfährt der Leser sehr schnell, und mit einem anklagenden Beigeschmack, von den Massenverhaftungen, die im Zuge der Suche nach den Jungen von israelischer Seite durchgeführt wurden, da man die Hamas verdächtigte, an der Entführung beteiligt zu sein und auch gezielt nach zwei Verdächtigen suchte. Und schon sind wir beim "Schusswechsel mit Palästinensern", einem abgeriegelten Hebron, einer von Palästinenserchef Abbas als 'unverhältnismäßig' kritisierter Militäraktion, eskalierender Gewalt... 

So ein bisschen höre ich da einen Unterton von "selbst Schuld, Israel!" heraus. Sorry, ich wollte nicht polemisch werden - aber lassen wir es trotzdem mal stehen.

Aber man schaue sich doch bitte einmal die folgenden Abschnitte aus einem der oben verlinkten Artikel an:
Die israelische Luftwaffe hatte am Sonntag ein Mitglied der militanten Kassam-Brigaden getötet, der Miliz der Hamas. Nach Angaben der Armee war der Mann dabei, Raketen auf Israel abzufeuern. Hamas veröffentlichte anschließend eine Stellungnahme, nach der sie um das Mitglied der Kassam-Brigaden trauerte. In Israel wurde dies als Beweis gewertet, dass Hamas sich erstmals seit fast zwei Jahren wieder an Raketenangriffen beteiligt.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte Israel zu einer Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit den Palästinensern auf. Bei einem Besuch des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman am Montag in Berlin bezeichnete Steinmeier die Lage im Nahen und Mittleren Osten als "Besorgnis erregend". "Ich hoffe, dass der Nahost-Friedensprozess nicht zu Ende ist", sagte Steinmeier. "Am Ende gibt es keine Alternative als eine Lösung am Verhandlungstisch."
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen:

Der erste Abschnitt weist in logischer Folgerung nach, dass ein Mitglied der ach so friedliebenden Hamas Raketen auf Israel abgeschossen hat. (Man sollte übrigens nicht etwa denken, das sei etwas besonderes: Raketen werden aus den Palästinensergebieten nämlich täglich auf Israel abgefeuert.)

Drei israelische Jungen werden entführt und, wie man jetzt weiß, ermordet. Wahrscheinlich tatsächlich von der Hamas, oder zumindest von deren Sympatisanten.

Und zeitgleich fordert unser aller Außenminister Israel zur Wiederaufnahme der Friedensgespräche auf!

Das darf er. Klar darf er das. Aber: Wo bleibt die gleichzeitige Aufforderung an Abbas, die Raketenbeschüsse einzustellen? Wo bleibt die Aufforderung an Abbas, zur Klärung der Entführung und Ermordung der Jungen beizutragen? Und: wo bleibt die Aufforderung an Abbas, das generelle Existenzrecht Israels anzuerkennen, um dadurch überhaupt erst eine Basis für die eingeforderten Friedensgespräche zu schaffen?

Ich für meinen bescheidenen Teil finde es jedenfalls ein wenig gewagt, von einem Staat die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen mit einer Organisation zu verlangen, in deren Charta (siehe hierzu http://www.n-tv.de/politik/dossier/Hamas-Charta-neu-uebersetzt-article172953.html ) nicht nur das Existenzrecht dieses Staates geleugnet, sondern auch dessen völlige Vernichtung als erstrebenswerte "Endlösung" propagiert wird.

Ganz klar noch zum Schluss: Ich sage nicht "Die eine Seite ist an allem Schuld, und auf der anderen Seite gibt es nur Unschuldslämmer". Natürlich ist das zu kurz gedacht. Aber warum sollte ich nicht einmal ein wenig zugunsten der einen Seite gewichten, um so die Waage der deutschen Medienlandschaft um ein paar Gramm einem fairen Ausgleich näherzubringen?

Freitag, 27. Juni 2014

Mapapus

sind keine afrikanischen Fetische. Wobei... "Fetisch"....

Naja, jedenfalls lese ich heute in einer Zeitschrift, dass sich hinter "Mapapu" eine Mama-Papa-Puppe verbirgt. Diese Puppen werden aus Mamas und/oder Papas Lieblings-T-Shirt genäht. Als Seelentröster. Weil die Mama oder der Papa die Familie verlassen hat und jetzt mit der neuen Familie am anderen Ende von Deutschland lebt, und das Kind jetzt zeitgleich mit diesem Verlust und mit der eigenen, neuen Patchworkfamilie klarkommen muss.

Die Familiensituation der Erfinderin war da ausschlaggebend:

In Tostedt lebend, der Vater ihres Sohnes lebt in Hamburg. Die Mutter der Tochter des neuen Ehemannes lebt mit Mama in Berlin. Beide Kinder pendeln ständig zwischen den Eltern hin und her. Ach ja, zwei eigene, neue Kinder hat man in Tostedt inzwischen auch.
"Da wurde es für die älteren noch komplizerter."
sagt die Mama. Also hat sie - zum Glück sei der Ex-Partner einverstanden gewesen - flugs aus je einem Lieblings-T-Shirt von Mama und Papa eine Mapapu genäht . Für ihren Sohn. Das habe sie Überwindung gekostet - also, das Anfassen vom T-Shirt des Ex. Aber
"...es galt, ganz bei den Bedürfnissen des Kindes zu sein und dafür eigene Widerstände zurückzunehmen."
Ach. Das hätt' ich jetzt nicht gedacht. Also, dass man sowas kann, so als Mutter, mit Kind und so.

Das Töchterchen der Ex-Frau ihres Jetzt-Ehemanns wollte natürlich sofort auch eine Mapapu.

Die Mapapu sollte übrigens aus getragenen und bekannten Kleidungsstücken genäht werden. Weil
"...durch den Geruch ist Leben drin."
Die beiden Erfinder - also die Frau vom Ex-Mann in Hamburg, wo ihr Sohn hinpendelt, und der Mann von der Ex-Frau in Berlin, zu dem deren Tochter pendelt - haben übrigens inzwischen ein Unternehmen gegründet und stellen kommerziell Mapapus her.

Schöne Neue Welt.

PS: Ich will nicht unterschlagen, dass Mapapus inzwischen auch zur Trauerbewältigung eingesetzt werden, bei Kindern, die einen Elternteil durch den Tod verloren haben. Aber das ist eine andere Geschichte, und die war nicht ausschlaggebend für die Erfindung der Mapapus.

Donnerstag, 26. Juni 2014

Besserwiss + Vorherwiss = (Vor)Urteil

Ein paar Gedanken über meine Mitmenschen, ausgelöst von den öffentlichen (Online-) Reaktionen zur erneuten Verhaftung Meriam Ishags im Sudan.

Ich hatte ja heute hier über die schlechten Nachrichten aus dem Sudan geschrieben. Montags ihre Freilassung, doch Dienstag, weniger als 24 Stunden später, die ersten Kurzmeldungen, Meriam und ihre Familie seien am Flughafen verhaftet worden. Nachrichten und Weblinks wurden (auch von mir) online gestellt.

Klar, der Großteil der Reaktionen spiegelte meine eigenen Gefühle: Entsetzen, Hilflosigkeit, Wut, Enttäuschung, und anfangs auch Ungläubigkeit (= Vielleicht ist es ja doch nur eine 'Ente'?).

Aber es gab auch andere.

Da waren jene, die 'es' vorher gewusst hatten. Die Abgeklärten, die mir mit Bemerkungen wie "war zu erwarten" und "das war klar" und "hab ich vorausgesehen" meine ganze naive Gutgläubigkeit um die Ohren hauten. Während wir anderen uns seit dem Vortag über die Entlassung Meriams aus der Todeszelle gefreut hatten, hatten diese Leute genau gewusst, dass man sie am nächsten Tag wieder ins Gefängnis werfen würde, und ihre Familie gleich mit. Da schwingt die Anklage mit: "meine Güte, was seid ihr weltfremd!"

Ich fühle mich von so viel Abgeklärtheit überrumpelt. Ist die echt? Oder wollen diese Leute nur nicht zugeben, dass sie sich ebenso hilflos und enttäuscht fühlen wie ich? Und wenn sie echt ist: Ist sie beneidens- oder bedauernswert?

Und da waren die anderen, die sogleich genau die Fehler benennen konnten, die Meriam, ihre Familie, ihre Anwälte im Sudan begangen hatten:

Warum waren sie nicht sogleich in die US-Botschaft geflohen? (Dies, obwohl niemand wusste, WO sich die Familie nach Meriams Entlassung aufgehalten hatte - es war nur von einem "sicheren Haus" die Rede, was durchaus auch die US-Botschaft hätte sein können.)

Warum hatte sie versucht, das Land zu verlassen? Sie hätte doch wissen müssen...

Ihre Anwälte hätten sicherstellen müssen, dass sie korrekte Papiere hatte...

Warum hat sie nicht... warum hat sie... hätte sie doch... Fast schon ist es mystisch, welche Einblicke Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel hatten, die Meriam selbst (ebenso wie ihrer Familie und den Anwälten) völlig verborgen waren.

Oh ja, natürlich, nicht zu vergessen: Das Hammerargument. Der Totschläger schlechthin. Das ließ auch nicht lange auf sich warten:

Alle Religion ist schlecht, und erst mit ihrer generellen und vollständigen Abschaffung wird der Mensch frei und glücklich.

Ja, nee, schon klar.

Meriam - schlechte Neuigkeiten

Wie hatten wir uns Montag (23. Juni) alle gefreut: Meriam war frei!
Aus dem Gefängnis abgeholt von ihrem Ehemann und ihrem Anwalt, und, wie es hieß, zu einem "sicheren Haus" gebracht. Wir alle hofften, es wäre nun ausgestanden und die Familie würde baldmöglichst den Sudan Richtung USA verlassen können.

Und dann, weniger als 24 Stunden später, das:
Meriam wird am Flughafen von 40 "Sicherheitsbeamten" verhaftet, mitsamt Ehemann und Kindern.

Die Informationen waren manchmal spärlich, dann wieder sich überschlagend und einander widersprechend. Mittlerweile entnehme ich verschiedenen britischen Medien ( BBC, Daily Mail, um nur zwei von ihnen zu nennen), folgende Fakten:

Die Familie war in einem Wagen der US-Botschaft zum Flughafen gefahren, in Begleitung des US-Vizekonsuls.

Nun wirft man ihr vor, sie habe mit gefälschten Reiseunterlagen das Land verlassen wollen: Einem "Emergency Travel Document" ausgestellt vom Südsudan, versehen mit einem Visum der USA.

Das ist so klar an den Haaren herbeigezogen - darüber muss man nicht streiten.

Anm.:
Ihr Ehemann besitzt neben der US-Staatsbürgerschaft auch die Staatsbürgerschaft des Südsudan, die damit eigentlich mit der Heirat auch seine Frau erhalten hat. Aber praktischerweise beruft sich das sudanesische (Un)Rechtssystem auf die Tatsache, dass ihre Heirat nicht anerkannt werden kann, da ihr als Muslimin (ein Stempel, den man ihr vor Gericht immer wieder aufdrücken wollte, und den sie immer wieder - auch unter Androhung der Todesstrafe - abgelehnt hat) eine solche Heirat nicht erlaubt ist .

Aber: Auf die Fälschung solcher Unterlagen steht im Sudan eine bis zu 7jährige Gefängnisstrafe.

Nun kann man trefflich spekulieren:

War die gesamte Freilassung ein einziger Coup, um die Eheleute (der Mann wird ja ebenfalls festgehalten) anschließend unter eine Anklage zu stellen, die nichts mehr mit der Christin Meriam zu tun hat (denn dies hatte ja den öffentlichen Aufschrei erst hervorgerufen), und um diese gleich noch der Öffentlichkeit als gewöhnliche Kriminelle vorführen zu können? Im eigenen Land dürfte das wohl sogar funktionieren?

Oder gibt es rivalisierende... ups... beinahe hätte ich gesagt "Banden im Sudan", aber ich meine natürlich die politischen Fraktionen, deren eine durch die Aufhebung des Todesurteils das Thema "Meriam" endlich abschließen wollte, während eine andere ihr politisches Kalkül eher darauf verlegt, vor ihrem Volk (= den Wählern) als strenge Verfechter des "islamischen Rechts" aufzutreten.

Leider ist jedoch der - augenblickliche - Ausgang in beiden Fällen gleich:
Eine Gefängniszelle.

Ein wahrer "Schlag ins Gesicht" (wie es jemand treffend formulierte), ist ein Statement, das auf der Homepage der sudanesischen Botschaft in Deutschland zu finden ist:
Statement
Lest es mal (es ist auf Deutsch geschrieben). Da sind die Märchen aus 1001 Nacht ein Dreck gegen! Mein absoluter Favorit ist dieser Satz:

Die o.g. Person (= Meriam, Anm. von mir) wurde vor ein unabhängiges, unparteiisches, öffentliches Gericht gebracht; alle Voraussetzungen für ein faires Verfahren sind gegeben.

Wobei man natürlich argumentieren kann:
Ja, die VORAUSSETZUNGEN für ein faires Verfahren waren vielleicht gegeben - es hat nur keines stattgefunden.

Man kann der Botschaft übrigens eine Mail schicken:
poststelle@botschaft-sudan.de

Damit hier erst mal nur die trockenen Fakten. Einige Links zum Nachlesen:
Daily Mail
BBC
The Guardian
Facebookseite zum Thema

Montag, 23. Juni 2014

Meriam ist FREI!

Heute Nachmittag überschlugen sich plötzlich die Nachrichten in den Online-Medien:

Eine britische Zeitung meldete, das Gericht im Sudan habe die sofortige Freilassung Meriams angeordnet, sowie auch die Aufhebung des Urteils.

Konnte man das glauben? Hatte es nicht vor wenigen Wochen eine ähnliche Ente gegeben?

Dann hieß es, Ehemann und Anwalt seien auf dem Weg zum Gefängnis.

Und nun von allen Seiten die Bestätigung:

Ja, Meriam ist frei.

Hier ein paar Quellen zum Nachlesen:

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/4954046/zum-tode-verurteilte-christin-ist-frei.html

http://www.rp-online.de/politik/ausland/zum-tode-verurteilte-christin-im-sudan-kommt-frei-aid-1.4333507

http://www.amnesty.org/en/news/sudan-releases-woman-condemned-death-after-international-pressure-2014-06-23

Außer Gefahr ist die Familie noch nicht: Es hat offensichtlich bereits Morddrohungen gegeben. Jetzt sind endgültig die USA gefragt: Der Ehemann besitzt die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Nun gilt es, für seine Familie ein beschleunigtes Asylverfahren durchzudrücken, um Frau und Kinder schnellstmöglich eine sichere Ausreise zu ermöglichen!

Und wie eine Freundin heute anderswo schrieb:
"Es sind immer nur einige, die von Diktaturen freigelassen werden, um der Weltöffentlichkeit zu zeigen, daß doch in Wahrheit alles mit rechten Dingen zugeht - und viele, bei denen es keiner merkt, daß sie zu Tode gebracht werden. Trotzdem freu ich mich über jeden, der aus unrechter Gefangenschaft befreit wird."

Aber lasst uns über die - berechtigte - Freude nicht die vielen anderen vergessen, die weltweit immer noch unschuldig in Gefängnissen sitzen. 

Meriams "Schwester"

darf nicht vergessen werden:

In Pakistan sitzt die 5fache Mutter und Christin Asia Bibi seit 5 (fünf!!!) Jahren in einer Todeszelle, weil sie nach dem dortigen Gummiparagraphen des "Blasphemiegesetzes" verurteilt wurde. Dieser Paragraph wird seit seiner Einführung immer wieder gerne herangezogen, wenn es Streitigkeiten zwischen Christen und Muslimen gibt - meist bis immer mit dem Ende einer Verurteilung der christlichen Angeklagten.

Der neueste Artikel dazu hier in der Bistumspresse.

In der Schweiz schrieb man zum Blasphemiegesetz: 

Dieser Artikel ist in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Instrument geworden, um unliebsame Personen aus dem Weg zu räumen. Die Anklagen sind oft willkürlich und haltlos. Manchmal geht es bloss um Nachbarschaftsstreitigkeiten. Der Auslöser an sich kann eine Kleinigkeit sein: Asia Bibi hatte während der Feldarbeit aus einem Becher getrunken und wollte ihn ihren muslimischen Kolleginnen weiterreichen. Eine von ihnen hielt ihn jetzt jedoch für unrein; da eine Christin daraus getrunken habe, dürften sie das nicht mehr tun. In dem Wortwechsel stellte Asia Bibi die verhängnisvolle Frage, die zu ihrer Verurteilung führte: «Was hat denn euer Prophet Mohammed getan, um die Menschen zu retten?» 

Wer sich gegen die Blasphemie-Gesetze äussert oder sich öffentlich auf die Seite von Asia Bibi und anderen Opfern dieses Gesetzes stellt, steht nicht nur auf verlorenem Posten – er macht sich selbst zur Zielscheibe. Davon sind auch hochrangige Politiker nicht ausgenommen: Salman Taseer, muslimischer Gouverneur der bevölkerungsreichsten Provinz Punjab, wurde am 4. Januar 2011 von seinem Leibwächter Malik Qadri erschossen. 

Zwei Monate später wurde Shahbaz Bhatti, Minister für Minderheiten und selbst Christ, ermordet. Er hatte Asia Bibi gleich nach der Verkündigung des Todesurteils besucht, ihr Unterstützung zugesagt und ihrer Familie geholfen. 

Auf Facebook gibt es hier eine Seite.

Meriam. Dranbleiben. Mitmachen!

Zuerst einmal eine Aufforderung:
Hier findet sich ein Artikel zur Sache von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. Darin wird u.a. auch darauf hingewiesen, dass man (= wir) unter folgender Adresse Briefe oder Karten direkt an Meriam schicken kann:

Meriam Yahia Ibrahim
Omdurman Prison for Women
P.O. Box 65
Omdurman
Sudan

Gut, nun werden einige (alle?) unter euch aufstöhnen und sagen "die kommen doch nie bei ihr an!" oder "was nützt denn das?". Und zumindest mit der ersten Behauptung habt ihr sogar recht: Die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Karten/Briefe an Meriam ausgehändigt werden, stehen (positiv gedacht) 50:50. Also scheint die Frage zurecht gestellt: "was nützt denn das?".

Falsch. Weil: zu kurz gedacht.

Denkt einmal kurz darüber nach - welche Möglichkeiten gibt es?

1. Die Karten erreichen das Gefängnis und werden von dort nie an Meriam ausgehändigt. Sie erfährt nicht einmal davon.
2. Die Karten erreichen das Gefängnis und werden von dort nie an Meriam ausgehändigt. Meriam erfährt aber wenigstens auf Umwegen davon.
3. Meriam erhält unsere Karten.

Das ist eine "Win-Win"-Situation:

In JEDEM der drei Fälle erfahren zumidest die Gefängnisleitung, das Gefängnispersonal, und vielleicht sogar das Unrechtsregime im Sudan, wie viel internationale Aufmerksamkeit ihrer Gefangenen zuteil wird! Denn bitte denkt daran: Der Sudan ist nicht Deutschland - wir können nicht davon ausgehen, dass ein Gefängnisleiter oder -wärter dort über das internationale Internet von den weltweiten Kampagnen zur Rettung Meriams erfährt. Und die lokale Berichterstattung ist... nun... sagen wir mal.... recht einseitig...

Und FALLS Meriam noch zusätzlich von unseren Karten erfahren (oder sie vielleicht sogar erhalten) sollte, so wird ihr dies zeigen, dass man weiter an sie denkt, und sie nicht langsam in Vergessenheit gerät.

Also, kommt schon Leute - eine kleine Karte im Umschlag, ein simples "Thinking of you", eine Briefmarke drauf - mehr braucht es nicht! Und anschließend beim Latte Macchiato in der Sonne sitzend darüber nachgedacht, WIE gut es uns geht!

Wer sich auf dem Laufenden halten möchte, kann auf Facebook die Seite Save Meriam Yehya Ibrahim Ishag
"liken" und wird von dort anschließend ständig über neue Info unterrichtet. Dort wurde gerade erst eine Wiederholung relevanter Adressen und Internetseiten aufgelistet, die ich hier übernehmen möchte:


UPDATED AND WORKING Email Addresses

The Ministry of Justice in Sudan is moj@moj.gov.sd

The Sudan Embassy in London is info@sudan-embassy.co.uk

Addresses for the Sudanese Embassies and Consulates

http://www.embassypages.com/sudan

http://www.sudanembassy.org/index.php

Petitions/campaigns

http://www.thepetitionsite.com/takeaction/278/113/666/

http://www.italianblogsfordarfur.it/petizione/

http://amnistia.org.mx/nuevo/2014/05/16/mas-de-25000-personas-en-mexico-exigen-se-impida-la-ejecucion-de-mujer-sudanesa/

https://www.amnesty.org.uk/actions/sudan-execution-apostasy-pregnant-woman-mother-meriam-yahya-ibrahim-christian?thankyou=1

https://secure.avaaz.org/en/petition/President_of_Sudan_Omar_AlBashir_Save_Mariam_Yahya/?dJwWzhb&pv=0&fb_source=timeline&ref=profile#_=_

Freitag, 20. Juni 2014

Meine Schwester

Dass wir uns nicht falsch verstehen:
Das soll keine tränenschwere Erinnerungs-Wall sein. Ich habe heute einige Fotos sortiert (was man so tut, wenn man eigentlich anderes tun müsste) und dabei tatsächlich auch einige Bilder meiner Schwester gefunden.

Sie hasste es, fotografiert zu werden. Hat uns nie geglaubt, wenn wir ihr versicherten, wie gut sie auf Fotos ausschaute.

Wahrscheinlich mag sie mir auch gerade "von oben" einen Notenschlüssel über die Rübe ziehen, weil ich diese Bilder online stelle. Ich riskier' das.

Ich hoffe, niemand unserer Freunde, die hier ebenfalls auf einigen Bildern auftauchen, ist mir böse darum. Wenn doch - bitte bei mir melden; ich werde das betreffende Bild dann natürlich entfernen.

Für die meisten von euch werden die Bilder schöne Erinnerungen wachrufen (oder bei den älteren Aufnahmen "Aha-Erlebnisse"), und der Rest, der reinschaut, lernt meine Schwester halt auf diese Weise noch ein wenig kennen.

Viel Spaß dabei.

Mit "Mama"

Mit "Omma"



































Rechtsaußen


Mit der kleinen Sista


Mit Freundin und Sista vor dem Abflug nach Spanien (Mitte)

Weihnachturlaub in Spanien


















Mit Schwiegermutter





Umzug
















Mit der Sista am Heidweiher















Was war noch gleich ihre Lieblingsfarbe?


Dienstag, 17. Juni 2014

Heiligtumsfahrt in Mönchengladbach



Ja, die geht nun schon fast wieder ihrem Ende zu - Abschluss ist Donnerstag, zu Fronleichnam (in Aachen geht sie wenig später - am 20. Juni - erst los).

Ein bisschen zur Geschichte findet ihr hier, das Programmheft (für noch Kurz- und Spontanentschlossene) kann man hier herunterladen, und die Startseite zur Heiligtumsfahrt findet ihr hier.

Ein paar eigene Bilder stelle ich an den Schluss dieses Beitrags. (Durch Anklicken könnt ihr euch die einzelnen Bilder übrigens vergrößern.)

Ich muss gestehen: Ich tue mich etwas schwer mit dieser Veranstaltung. Es wurde im Vorfeld viel darüber geschrieben, und der Grundtenor von allem ist dieser: Es ist nicht wichtig, ob es nun ein Teil des echten Abendmahltuches ist, oder ob die anderen gleichzeitig gezeigten Reliquien echt sind. Wichtig ist nur, dass wir zusammen kommen und ein Fest des Glaubens feiern.

Und das mag ich nun nicht einfach so hinnehmen. Was für ein Fest des Glaubens soll mir das sein, wenn dort ein bisschen Stoff und ein paar alte Knochen reich verziert ausgestellt werden, von denen mir nicht nur unsere Presseleute, sondern auch unsere lokalen Kirchenvertreter klar sagen: "Ist nicht so wichtig, ob diese Dinge nun wirklich echt sind - Hauptsache ist doch, dass wir hier zusammenkommen und ein schönes Fest des Glaubens feiern?

Ja, wie denn nun? Ein Fest des Glaubens - woran denn? Ist es das, was wir den Pilgern aus ganz Deutschland und den Nachbarländern sagen wollen, die diese Woche bei uns sind? "Schön, dass ihr kommt. Gibt zwar eigentlich wahrscheinlich überhaupt nichts Verehrungswürdiges zu sehen bei uns, aber genau DAS wollen wir jetzt mal so richtig mit euch feiern."

Ja, ja, ich weiß, ich meckere mal wieder. Ich hätte mir halt einfach von Seinem hier bei uns zuständigen Bodenpersonal ein bisschen weniger Larifari, und ein bisschen mehr klares Bekenntnis zur Sache gewünscht. So bleibt für mich das schale Gefühl in dem Gedanken "die glauben ja nicht mal selber an das, was sie hier zu feiern vorgeben" - und das tut weh.





Montag, 16. Juni 2014

Meriam: No news is...

...leider nicht immer auch "good news". Im Falle der zum Tode verurteilten sudanesischen Christin Meriam Ishaq würde ich sogar sagen: "No news is bad news", weil damit droht, dass die "Sache" außerhalb des Sudan in Vergessenheit gerät. Das könnte natürlich genau das Ziel einer Regierung und eines sogenannten "Gerichts" sein, die eine 27jährige Schwangere mitsamt Kind  in die Todeszelle werfen, sie dort in Fußfesseln ihr 2. Kind zur Welt bringen lassen und ihr zugleich gnädig erlauben, ihren Säugling noch ca. 2 Jahre zu stillen, ehe man sie auspeitscht und anschließend aufhängt. Ich habe ja schon mehrfach dazu geschrieben, z.B.
hier und hier

Zur Frage, ob Meriam vielleicht "nur" ausgepeitscht wird, bringt der Focus einen Artikel, der einmal deutlich macht, was es mit diesem "nur" auf sich hat.

Die Schweizer "Blick" stellt eine kurze Fotoserie online, auf der Meriam zu sehen ist, wie sie heute, nach einem halben Jahr Haft und der Geburt ihres 2. Kindes, aussieht. Die "Blick" titelt, Meriam wirke glücklich und entspannt. Ich wünsche ihr sehr, dass sie ihre derzeitige Situation mit Fassung tragen kann. Doch wenn ich ihr Gesicht auf diesen Bildern anschaue, und dann ihr Hochzeitsfoto aus glücklichen Zeiten, dann wird mir klar, WAS diese Frau im letzten halben Jahr durchgemacht hat (und weiter durchmacht!).

Und trotz unzähliger Protestnoten und Petitionen (übrigens auch auf der Internetseite des Weißen Hauses) hört man aus den USA von offizieller Seite... nichts. Und das, obwohl Meriams Ehemann die US-Staatsbürgerschaft besitzt. Ich hoffe ja immer noch, dass die diplomatischen Kanäle im "Geheimen" arbeiten, aber so recht daran glauben mag ich nicht.

Wir können von uns aus hier nur dafür sorgen, dass Meriam nicht vergessen wird. Und immer und immer wieder darum bitten, sich an den diversen Aktionen im Internet zu beteiligen:
Amnesty International
Change.org
Facebook

Ach, nee, ich verkneife mir den Nachsatz doch nicht:
Falls jemand dies hier zufällig liest, der sich vielleicht gerade an den Schreibtisch setzen und an einer Weiterführung der gendergerechten Sprachbildung arbeiten wollte, da hätt' ich einen Vorschlag:
Ins Auto oder in die Bahn setzen, paar gute FreundInnen mitnehmen, nach Berlin fahren, auf den Kurfürstendamm, und dort eine Spontandemo für Frauenrechte und Religionsfreiheit vor der sudanesischen Botschaft veranstalten. Ihr würdet eure Zeit glatt mal mit etwas Sinnvollem verbringen. (Und wenn ihr euch dazu nicht aufraffen könnt: Vielleicht wenigstens 'ne Email hinschicken?)

Ich mein' ja mal nur.

Sonntag, 15. Juni 2014

"Schützenfest - ich hab' gedacht, dann wäre die Kirche mal voll."

So meinte heute Morgen nach der Messe eine Dame neben mir zu ihrem Mann.

Das war sie bis vor wenigen Jahren auch. Wenigstens dann. Weihnachten, Ostern, Schützenfest - die drei Male, an denen man unsere Gemeindekirche bis auf den letzten Platz belegt sehen konnte.

Heute, zugegeben, hat es sogar mich überrascht: Vom "einmarschierenden" Schützenvolk mal abgesehen, waren vielleicht noch 20-30 weitere Messbesucher anwesend.

Das alles innerhalb nur einiger weniger Jahre. (Denn vor einigen Jahren war es tatsächlich noch so, dass man heute sehr früh hätte eintreffen müssen, um nicht die Messe im wahrsten Wortsinne durch-stehen zu müssen.) Wie geht das?

Dass in den wenigen letzten Jahren die Hälfte unserer Gemeinde vom Glauben abgefallen ist, also, das glaube nun wieder ich nicht.

Wie man eine lebendige Kirchengemeinde kaputtmacht, in mehreren Kurzlektionen:

Erst einmal schließe man diese Gemeinde mit zwei weiteren zu einer GDG (Gemeinschaft Der Gemeinden) zusammen. Das ist an sich ja noch nichts schlimmes, sondern leider meist unvermeidbar.

Dann setze man jedoch einen recht autokratisch agierenden Pfarrer als Leiter der GDG ein. Vorzugsweise nehme man einen Mann, der vorher noch nie einen Fuß in die zu zerstörende Gemeinde gesetzt hat, auf dass er nicht durch Kenntnisse der Eigenheiten vor Ort oder etwa persönlicher Freundschaften in seinen Entscheidungen beeinflusst werde.

Dem aus Altersgründen scheidenden Pfarrer der zuvor selbstständigen Gemeinde (der vor Ort wohnhaft bleibt) bedeute man, er werde für den Messdienst nicht mehr benötigt; er solle seinen Ruhestand genießen.

Dem Pater eines umliegenden Klosters, der oft und gerne als Urlaubs- und Krankenvertretung bei der Messfeier eingesprungen war (und der bei den Menschen der Gemeinde geradezu unangenehm beliebt war), sage man klipp und klar, er werde nicht mehr gebraucht.

Bei den Sonntagsmessen verfahre man sehr gewitzt: Erst teile man die Messen und Wortgottesdienste abwechselnd auf die drei Kirchen auf. Nach und nach ziehe man mehr und mehr Sonntagsmessen auf die eigene Kirche. Gleichzeitig rühme man die Qualität der Wortgottesdienste der anderen Kirchen. Weil dort aber der Besuch desselben trotz der vielgelobten Quoalität immer weiter abnimmt (komisch: scheint, als wollten die Leute eben doch sonntags gerne eine Messe?), schränke man auch die Zahl der Wortgottesdienste immer weiter ein. Stellt man es klug an, ist man im Jahre 2014 so weit, dass sich selbst an Christi Himmelfahrt oder Pfingsten (fast) niemand mehr verwundert die Augen reibt, wenn er feststellt, dass in besagter Gemeindekirche an diesen Hochfesten die Kirche geschlossen bleibt, wegen Isnich.

Zwischendurch "schasst" man den Kirchenchor der kleinen Gemeinde, indem man beim Bistum Aachen dessen Auflösung betreibt. "Das Tischtuch ist zerschnitten", sagte hierzu der Pfarrer, der dem Chor dann auch gleich ein Auftrittsverbot erteilt. (Ein Jahr vor der jetzt stattfindenden Heiligtumsfahrt unter dem Titel "Du deckst mir den Tisch" schon wieder so eine unerkannte Ironie.) Und das gute Bistum ließ sich dann auch tatsächlich überreden, einem Kirchenchor, der im gleichen Jahr sein 90jähriges Bestehen feierte, die Selbstauflösung zu befehlen. Das Jubiläumskonzert zur 90-Jahrfeier musste der Chor in einer Turnhalle geben, weil ihnen nicht einmal hierzu die Kirche offenstand.

Aber einen Chor braucht die Gemeinde natürlich. Da sei man klug und unterstütze stattdessen den noch recht neuen Gospelchor. Der singt dann - wie heute geschehen - bei der Kommunion "We are the world" (ich beiße immer noch in die Tischkante, wenn ich nur daran denke) mit Musik aus der Konserve. Und begleitet auch sonst die Messe mit mehr oder weniger schlecht gemachten englischen Pseudogospelgesängen. Der perfekte Coup: Die älteren Leute verstehen kein Wort, weil sie kein Englisch sprechen. Jene mit einem Rest von Stilgefühl beißen in die Tischkante. Jene, die schon mal echten Gospel gehört haben, erst recht. Und der Rest sitzt da und wundert sich.

Ach so, ja, die Messe anlässlich eines solchen Schützenfestes lasse man ruhig den Altpfarrer feiern. Man sorge nur vorher dafür, dass er auf die Gestaltung keinen Einfluss nehmen darf. Am besten so, dass er, der Altpfarrer, sogar während der Messe mehrmals die ihn Umstehenden fragen muss, was denn als nächstes vorgesehen sei.

Nächsten Sonntag nach der Messe (natürlich wieder in der Kirche des GDG-Pfarrers) ist eine Gemeindeversammlung angesetzt. Es soll eine neue Gottesdienstregelung vorgestellt werden. Unser Altpfarrer wies hierauf heute am Schluss der Messe hin ("Verdammt, war der nicht gebrieft?"), und sein Aufruf, sich dort doch bitte aktiv einzubringen, hatte schon etwas flehentliches. Das lässt mich Arges befürchten.

Ja, so wird eine lebendige Gemeinde innerhalb weniger Jahre kaputtgemacht.


Freitag, 13. Juni 2014

Rheydt von oben

Heute nur einmal einige Ansichten auf Rheydt und seine derzeitige Großbaustelle. Ungleich der Großbaustelle in Gladbach bekommt man hier allerdings einen Vorgeschmack auf ein gelungenes und schönes Projekt, das auch den Gastwirten und Geschäftsleuten der Innenstadt einen guten Zulauf bringen kann.

Vielleicht liegt es ja daran, dass in Gladbach nichts ohne einen "Masterplan" geht - während man in Rheydt eben einfach macht.





Mittwoch, 11. Juni 2014

Friedensgebet im Vatikan - Unfrieden in Deutschland

In Kurzform die Vorgeschichte:
Anlässlich seiner Reise in den Nahen Osten hatte Papst Franziskus Israels Präsidenten Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nach Rom zu einem gemeinsamen Friedensgebet eingeladen. Dieses hat zu Pfingsten in den Gärten des Vatikan stattgefunden.

Es war ausdrücklich kein politisches Zusammentreffen. Herr Peres, Herr Abbas und Papst Franziskus ergriffen jeweils das Wort, und außerdem wurde... naja... eben gebetet.

Jetzt mag man wunderbar streiten über den Sinn eines solchen Treffens, oder den Wert des Betens an sich - aber lassen wir das mal beiseite.

Kurz nach dem Friedensgebet begann im virtuellen Deutschland (und tatsächlich, soweit ich das recherchieren kann, NUR in Deutschland) eine Debatte über den Imam, der u.a. eine - wie es heißt - vorher nicht angemeldete und - wie es ebenfalls heißt - hetzerische Koransure in sein Gebet "eingebaut" habe.

Ausgelöst wurde dies, soweit ich verstand, durch Hamed Abdel-Samad, der auf seiner Facebook-Seite am Sonntag schrieb:
„Im Garten des Vatikans beschließt der muslimische Geistliche sein Gebet mit dem Koranvers: Möge Allah uns zum Sieg gegen die Ungläubigen verhelfen! Das nenne ich ein Friedensgebet!“

Seitdem sind die Lager sozusagen gespalten: Für die einen ist Herr Abdel-Samad ein Lügner, oder doch zumindest jemand, dessen Arabisch- bzw. Korankenntnisse unzureichend sind für eine solche Übersetzung. Für die anderen ist er der Rufer in der Wüste, der aufzeigt, dass "man" wieder mal den Muslimen auf den Leim gegangen ist .

Eines ganz klar zwischengeschoben:
Auf den Vorwurf, der Imam habe den Koranvers ohne vorherige Anmeldung sozusagen "eingebaut", gehe ich hier nicht ein, und zwar einfach deshalb, weil ich das unmöglich wissen oder überprüfen kann. Radio Vatikan bestreitet es jedenfalls, und legt gleichzeitig eine (die Verschwörungstheoretiker werden sagen: angeblich) vollständige Wiedergabe sämtlicher Texte vor. Andere wiederum sagen: "Pfhh, im Vatikan spricht niemand Arabisch - die haben überhaupt nicht bemerkt, dass da etwas eingeschoben wurde, ehe es zu spät war." Auch das kann ich nicht wissen, und deshalb bleibt es hier im Raume stehen.

Bleiben wir aber mal bei Herrn Abdel-Samad (den ich übrigens aus der Satiresendung Entweder Broder schätze) und bei seiner Behauptung. Wenn denn nun der Imam anlässlich des Friedensgebetes diesen Satz
"Möge Allah uns zum Sieg gegen die Ungläubigen verhelfen!"
in sein Gebet eingeschleust hätte, und zwar in genau diesem Sinn - dann wäre das ein sehr starkes Stück, und ich nähme das Wort "Hinterlist", das in diesem Zusammenhang gefallen ist, jederzeit auf und gäbe es weiter.

Nur frage ich mich: Wurden diese Gebete in den Gärten des Vatikans denn im Ausland nicht auch verfolgt? Saß denn da nicht auch der eine oder andere mit so guten Arabischkenntnissen vor dem Bildschirm, dass er aufmerkte, als dieser Satz fiel? Und hätte man in diesem Fall, bei der heutigen globalen Vernetzung, also nicht auch auf Websites anderer Länder auf den einen oder anderen "Aufschrei" stoßen müssen? Ich finde jedenfalls nichts.

Nun stoße ich aber auf Herrn Abdel-Samads Facebookseite auf einen neueren Eintrag (Dienstag, 10. Juni) zum gleichen Thema. Dort schreibt er nun:

"Radio Vatikan bestreitet dass der muslimische Geistliche am 8 Juni im Garten des Vatikan zum Sieg gegen die Ungläubigen gebetet hat. Hier nochmal den Koranvers (übersetzt von Rudi Paret), den der Gesitliche in seinem Gebet benutzt hat: Allah verlangt von niemandem mehr, als er (zu leisten) vermag. Jedem kommt (dereinst) zugute, was er (im Erdenleben an guten Taten) begangen hat, und (jedem kommt) auf sein Schuldkonto, was er sich (an bösen Taten) geleistet hat. Herr! Belange uns nicht, wenn wir vergeßlich waren oder uns versehen haben! Herr! Lad uns nicht eine drückende Verpflichtung (isr) auf, wie du sie denen aufgeladen hast, die vor uns lebten! Herr! Belaste uns nicht mit etwas, wozu wir keine Kraft haben! Verzeih uns, vergib uns und erbarm dich unser! Du bist unser Schutzherr, hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen! (sure 2, letzter Vers)"

Hier nutzt Herr Abdel-Samad eine Übersetzung des betreffenden Koranverses, die nicht von ihm selber stammt (ob die erste Übersetzung von ihm war, oder von einem anderen Übersetzer, weiß ich nicht). Und dazu habe ich nun die folgenden Gedanken:

Erstens sehe ich zwischen
"Möge Allah uns zum Sieg gegen die Ungläubigen verhelfen!"
und
"Du bist unser Schutzherr, hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen!"
schon mal einen... hm... "gewissen" Unterschied.

Zweitens muss man sagen: Wer sich schon einmal, und sei es nur im geringsten Maße, mit der Psalmenauslegung  (die ich jetzt mal zum Vergleich heranziehe) beschäftigt hat, der weiß zweierlei:
a) Niemals einen Satz außerhalb des Kontextes lesen!
b) Immer die Wörter (ALLE Wörter!) bis ins Kleinste durchdenken und auf die Goldwaage legen!

Wenn ich also jetzt diesen beiden Regeln folge, dann schaue ich erst mal auf den Kontext der hier übersetzten Sure und frage mich: "Was soll denn hier erbeten werden?"

Wie oft auch in unseren Psalmen, beginnt der Text mit dem Lob Gottes/Allahs:
Er weiß, was jeder einzelne Mensch leisten kann und ist barmherzig genug, nicht mehr aufzuerlegen, als der Einzelne tragen kann.
Er wird den Menschen gerecht richten und dabei Gutes und Böses seines Lebensweges abwägen.

Dann folgen die Bitten:
Wenn wir ohne Absicht gesündigt haben, rechne es uns nicht an!
Mache unsere Lasten leichter als die jener, die vor uns waren!
Gib uns keine Lasten, die wir nicht tragen können!
Verzeih' uns, sei barmherzig!

So, und nun zur letzten Bitte - dem großen "Aufreger" dieser Tage:
 Du bist unser Schutzherr, hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen! (sure 2, letzter Vers)"

"Schutzherr" steht da. Nicht "Streitherr" oder "Kämpfer" oder "Anführer im Kampf". Da wird um Schutz gebeten, nicht um Kraft (im Kampf, oder wie auch immer), sondern um Hilfe "gegen das Volk der Ungläubigen".

Läse ich jetzt nur "hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen", ja, dann könnte ich das als Aufruf lesen "steh' uns bei im Kampf gegen die Ungläubigen". Aber bei gleichzeitiger Bitte um Schutz? Das scheint mir wenig stimmig. Und dies ganz besonders im Kontext zu den vorangegangenen Sätzen: Der Beter macht sich hier doch vor Gott/Allah ganz klein! Er gibt zu, gesündigt zu haben, aus purer Vergesslichkeit und/oder Unaufmerksamkeit. Er gibt zu, dass seine Vorfahren stärker waren, stärkere Lasten (er)tragen konnten als er es vor Gott/Allah kann. Er bittet um Vergebung und Barmherzigkeit. Für mich kleinen Laien ist dies ein einziges Gebet aus der Bedrängnis heraus gesprochen. Ich kann hier keinen Kampfaufruf entdecken.

Meine Güte, dieses Gebet könnte jeder Katholik zu "seinem" Gott sprechen, ohne sich etwas zu vergeben oder dadurch zum Moslem zu werden. Und im Grunde tun wir das sogar, mit jedem "Vaterunser", denn ich für mich erkenne da durchaus Parallelen.

Wie gesagt, ich schätze Herrn Abdel-Samad. Und frage mich, ob er nicht einfach - aus seiner neueren Lebensgeschichte heraus sogar verständlicherweise - anfänglich überreagiert hat. 




Montag, 9. Juni 2014

Frieren in der Kirche...

...kann verschiedene Ursachen haben. Ich habe heute in unserem Münster gefroren. Okay, zugegeben, der Temperatursturz (draußen 30°C, im Inneren des "Altbaus" gefühlte 10°C) war eben nur in den ersten Minuten angenehm, und ich friere nun mal schneller als dass ich ins Schwitzen gerate. 

Aber man kann in unseren Kirchen hier in der Stadt auch innerlich das Frieren lernen.

Da stand ich nun während der Wandlung im Münster. Dass ein Hinknien nicht möglich war, weil  man im Zuge der Modernisierung vor einigen Jahren die "altmodischen" Bänke durch Strohstühle ersetzt hatte, schien niemanden zu stören. Klar, darüber kann man jetzt prima streiten - braucht man das? Hinknien? Mich ärgert aber, dass man mir nicht mal die Wahl lässt.

Der Priester nutzte dann den Pfingstmontag zu einem Referat, wie viele Sprachen in unserer Stadt gesprochen würden, und wie bewundernswert er Menschen fände, die eine Begabung für Fremdsprachen hätten - seiner Meinung nach müssten diese Menschen ganz besonders vom Heiligen Geist berührt sein. Dass er gleich danach zugab, selber in dieser Hinsicht völlig talentlos zu sein - okay, DAS war dann wirklich von unfreiwilliger Komik.

Nicht komisch fand ich, als - nach einem Aufruf zu Toleranz und Verständnis allen anderen Religionen gegenüber (was ich vollkommen unterstütze) - als Begründung für diesen Aufruf angeführt wurde, wir würden ja alle zum selben Gott beten, Er hätte eben nur verschiedene Namen: Bei uns eben Gott, im Islam Allah, und die Juden würden aus Respekt Seinen Namen nicht aussprechen - aber abgesehen vom Namen gäbe es ja keine Unterschiede; es wäre immer derselbe Gott.

Sagt das mal einem Juden oder einem Moslem... der hat dazu sicherlich so das eine oder andere zu sagen...

Ach ja, die Kommunionausteilung darf ich nicht vergessen: Da stand also der Priester mittig und teilte aus. Rechts und links von ihm in den Seitenschiffen standen Frauen mit Kelchen. Ich habe erst nicht verstanden, was das sollte - und dann mit offenem Mund zugeschaut, als die Leute vom Priester weg, die Hostie zwischen den Fingern, nach rechts oder links in die Seitenschiffe gingen und dort die Hostie in den Wein (ja, ja, ich weiß: Blut Christi - ich gebe hier nur sachlich wieder, was ich sah) tauchten und erst dann in den Mund steckten. Manche trugen die Hostie dabei so leger zwischen zwei Fingern, dass ich nur darauf gewartet habe, dass sie zu Boden fiele.

Gut, nun nennt mich erzkonservativ, aber ich kann nicht anders: Nach meinem Verständnis dessen, was bei der Wandlung vor sich geht, und was die Hostie anschließend ist (IST! Nicht 'repräsentiert'!), war das heute ein solches No-Go, dass ich hätte heulen können.

Und wie sieht es sonst so aus mit unseren Kirchen hier im Städtchen? Naja, alle kenne ich natürlich nicht. Meine eigene kleine Gemeindekirche - die Gründung der GDG vor einigen Jahren lässt herzlich grüßen. Erst nahm die Zahl der sonntäglichen Wortgottesdienste zu. Dann wurde der altgediente Kirchenchor "geschasst". Und dieses Jahr hatten wir zu Himmelfahrt - nichts. Keine Messe, keinen Gottesdienst, keine Andacht - nix. Zu Pfingstsonntag gab es wenigstens einen Wortgottesdienst.

Und dann wäre da die große Citykirche eines anderen Stadtteils. Dort war ich zuletzt zwei Mal:

Einmal in einer Abendmesse. Die begann mit fast 10 Minuten Verspätung. Aus welchem Grund auch immer - aber der Priester tat sein Äußerstes, diese Verspätung wieder aufzuholen (die Bahn schafft sowas eher selten, aber er schien darin recht geübt zu sein). Da wurde ausgelassen und verkürzt, was nur ausgelassen und verkürzt werden konnte, und der Rest so schnell gesprochen, dass man kaum etwas verstand - macht ja nix, man kennt die Texte ja. Ich kann's bis heute nicht so wirklich erklären, wieso bei mir so gar keine Andacht aufkommen wollte.

Ja, und dann die Mittagsmesse. Da hatte ich kürzlich einen "Brückentag" und war in der Stadt - und da ich wusste, es war dort für 12 Uhr eine Mittagsmesse angesetzt, ging ich hin. Um 5 vor 12. Keiner da. Um 12. Keiner da. Um 5 nach 12. Keiner da. Messe ausgefallen, weil wegen issnich. Gering besuchte Messen kennt man ja leider, aber sowas? War mir jedenfalls bis dahin neu.

Und dann gibt's da in einer Nachbarstadt ein Klosterkirchlein mitten in der Innenstadt. Wenn ich das jetzt mit den vorangegangenen Erlebnissen vergleiche, muss ich tatsächlich an das kleine gallische Dorf von Asterix und Obelix denken, dass so vortrefflich dem Zeitgeist... äh, also, ich meine... den Römern trotzte. Als ich dort zum ersten Mal samstags durch Zufall in eine Mittagsmesse geriet, habe ich mich noch gefragt, ob ich einen Feiertag übersehen hätte: Kirche proppenvoll. Doch das "schaffen" die dort jeden Tag - auch den ganz normalen Arbeitstagen mitten in der Woche. Woran es liegt, weiß ich nicht. Okay, gut, die Feierlichkeit, mit der dort die Eucharistie zelebriert wird, ist schon recht nett. Und auch, dass man beim jeweiligen diensthabenden Priester so viel Liebe für seinen Job spürt, ist ja nicht ganz falsch.

Trotzdem komisch. Die anderen Kirchen sind doch viel schöner. Größer sind sie auch. Haben jede Menge Kunstschätze und berühmte Fensterbilder. Aber irgendwas scheint da zu fehlen. Vielleicht friere ich deshalb dort so oft? Weil eben die Wärme fehlt? Wer weiß.

Sonntag, 8. Juni 2014

Heuchelei

mag ich eigentlich nicht so besonders. Und trotzdem, wie ich kürzlich schon einer Freundin gegenüber zugab, komme ich mir in letzter Zeit etwas heuchlerisch vor. Ungefähr so, wie die Frau, die ihrer Freundin rät, jetzt doch wirklich mal mit dem Rauchen aufzuhören - "Denk doch an deine Gesundheit! Und überhaupt, was das kostet!" - um sich dann allein für sich im stillen Kämmerlein selbst eine Camel anzustecken.

"Pfeiffer, Sie faseln!"

Na, ganz so schlimm ist es nicht. Ich zäume nur das Pferd mal wieder von hinten auf. Und dieses Pferd heißt - wieder mal - Facebook.

Ich hatte mich ja vor nicht wirklich allzu langer Zeit ziemlich großartig von Facebook verabschiedet. Und hatte stattdessen diesen Blog gestartet. Und es genossen (das tue ich übrigens immer noch), "draußen" wieder meine Umwelt statt nur die Oberfläche meines Smartphones wahrzunehmen.

Trotzdem mehrt sich in der letzten Zeit mehr und mehr das Gefühl, ein Heuchler zu sein:

Mein Blog z.B. macht mir viel Spaß. Und obwohl er erst eine Handvoll Beiträge hat, wurden diese inzwischen insgesamt unglaubliche 600 (!) Mal angeklickt. (Sorry, aber das haut mich immer noch ein wenig aus den Sandalen.) Und wie wäre seine Verbreitung, wenn ich nicht jeden Beitrag bei Facebook verlinkt hätte? Seien wir ehrlich: Ich müsste mindestens eine Null streichen.

Und was mache ich, wenn ich online einen mir wichtigen Artikel entdecke, den ich gerne verbreitet wüsste? Ja, genau: Ich verlinke ihn zu Facebook.

Und wie bleibe ich mit einigen meiner Freunde in Verbindung? Indem ich weiterhin über die PN-Funktion bei Facebook erreichbar bin.

Inzwischen, denke ich mal, ist klar, was ich mit "Heuchelei" meine. Und ich glaube auch, dass man mir da zustimmen muss, wenn ich mein Verhältnis zu Facebook derzeit so einschätze.

Was macht das jetzt mit mir?

Schwierig. Einerseits bin ich immer noch der Meinung, dass FB eine nachhaltigere Diskussionskultur zerstört, ebenso wie ein ernsthaftes und anhaltendes Beschäftigen mit einem Thema. Einerseits denke ich immer noch, dass FB manche Menschen dazu verführt, sich im ständigen Daddeln, Liken, Posten zu verlieren bzw. vor ihrem Leben dorthin zu flüchten. Einerseits...

Und andererseits sehe ich, dass ich derzeit keine Platform kenne, die eine schnellere Verbreitung von Informationen, Themen und Anliegen ermöglicht, als eben dieses Facebook. Ich sehe - nur mal so als Beispiel herausgegriffen, weil es mich so faszniert - die FB-Seite My Stealthy Freedom der Exil-Iranerin Masih Alinejad, die dort Fotos iranischer Frauen einstellt (natürlich immer mit deren Erlaubnis), die in kleinen Momenten "heimlicher Freiheit" ihren vom Staat aufgezwungenen Schleier abgelegt haben und sich so fotografieren ließen. Diese Seite hat eine Eigendynamik und eine weltweite Verbreitung gefunden, und das in sehr kurzer Zeit, die auf andere Weise so wohl unmöglich gewesen wäre. Man darf jedenfalls gespannt sein, wohin das führt.

Okay, und was nun?

Ganz einfach: Ich erkläre das Projekt "Rückzug" hiermit für beendet. Und ziehe folgendes Fazit:

Ohne meinen zeitweisen Rückzug gäbe es meinen Blog nicht. Schon dafür hat es sich gelohnt.

Und ich habe bemerkt, wie sehr FB einen Menschen vereinnahmen kann - ich werde auch nach dem Rückzug vom Rückzug eindeutig wesentlich weniger dort aktiv sein als vorher.

Ja, so ist das.






Samstag, 7. Juni 2014

"Spiel mit der Wahrheit" - Wie jetzt?

Fast möchte ich es mir einfach machen und nur schreiben:
In "Christ & Welt" ist ein Artikel namens Spiel mit der Wahrheit erschienen.
*hmpf*
Ende.

Gut, also dann ausführlicher.

Der Artikel handelt von der im Sudan zum Tode verurteilten Christin Meriam Yehya Ibrahim Ishag (von der ich in den letzten Tagen leider online keine Neuigkeiten mehr gesehen habe). Ich habe ja schon mehrmals darüber geschrieben.

Oder sagen wir anders: Der Artikel sollte von Meriam handeln, aber irgendwo hat der Autor wohl den Faden verloren.

Dass ich den Header des Artikels schon vorab als sehr irreführend empfinde, bermerke ich hier mal nur am Rande.

Die ersten Abschnitte sind im Thema: Die Vorgeschichte wird erzählt, wie es zur Verhaftung kam, zur Todesstrafe, die Hintergründe, die Rechtslage. Soweit alles in Ordnung. Wir sind bei Meriam und ihrer Geschichte.

Und dann gibt es einen Riss. Plötzlich sind wir bei einem deutschen "Missionar", der mit einigen anderen "radikalen Missionaren" Muslime im Sudan für den christlichen Glauben zu gewinnen versucht - mit, wie er selber zugibt, nur sehr geringem Erfolg. Von ihrer "Arbeitsweise" wird erzählt, von den Gefahren, die ihm (und eventuellen Konvertiten) drohen, von seinen Gründen, trotzdem weiterzumachen.

Man kann über diese Menschen schreiben. Klar. Aber warum hier, in diesem Artikel? Meriam wurde nicht von einem "radikalen Missionar" zum Christentum "verführt". Sie hatte eine christliche Mutter, die ihre Tochter als Christin erzog. Zur reinen Erklärung des Begriffs "Apostasie" war dieser lange Einschub erstens völlig unnötig, und zweitens hatte er nichts mit dem vorliegenden Fall zu tun. Höchstens vielleicht, dass man sagen könnte "seht ihr; die Christen sind mal wieder selbst Schuld an ihrer Malaise". Aber das will ja keiner. Sagen. Denke ich. Oder?

Oder doch?

Ich muss gerade an eine Kollegin denken, mit der ich vor vielen Jahren einmal folgendes Gespräch hatte, an das ich heute noch mit Entsetzen denke:

Irgendwann sagte sie zu mir: "Naja, die Juden sind doch selbst schuld."
Ich: "Schuld? Wie jetzt? Woran?"
Sie: "Daran, dass sie überall verfolgt und vertrieben werden."
Ich. "Daran sind sie selbst schuld? Ja, aber wie denn das jetzt?"
Sie: "Das ist doch ganz klar! Man muss sich doch nur einmal ihre Geschichte ansehen, dann weiß man, dass sie seit Jahrtausenden überall verfolgt und vertrieben wurden - dann muss ja wohl doch was dran sein, dass sie das selber verschulden, wenn sie immer wieder so behandelt werden."

(Nein, ich habe diesen Dialog nicht erfunden - er hat vor ca. 15 Jahren fast wortwörtlich so stattgefunden.)

Warum ich gerade jetzt wieder daran denken muss. Weil - irgendwie so ganz dumpf im Hinterkopf - bei mir der Gedanke herumspukt, dass unser Autor an dieser Stelle seines Artikels so lange krampfhaft nach einem Grund gesucht hat, dem Leser unterschwellig zumindest eine Mitschuld der dortigen Christen an ihrer Situation einzureden, bis er unter einem der vielen Steine, die er dabei umgedreht hat, ein paar radikale christliche Missionare gefunden hat.

Und wie geht's noch weiter im Artikel?

Es wird über den Bruder spekuliert, der Meriam angezeigt und ihr bei den Behörden vorgeworfen hat, dem muslimischen Glauben abgeschworen zu haben. Warum hat er das wohl getan? Lehnte er ihr selbstbestimmtes Leben ab? Oder war es Neid über ihre finanzielle Situation? So fragt der Autor.

Um beides dann gleich abzulehnen. Für ihn sind weder Familienzwist noch Religion die Gründe für das Urteil.

Mooooment mal - wie war jetzt noch mal die Frage? Ging es nicht gerade noch um die Beweggründe des Bruders? Und zur Antwort hören wir etwas über die Gründe, weshalb das Gericht ein so hartes Urteil gefällt haben könnte. Faden verloren? Naja, kann passieren.

Anschließend folgt ein - wie ich gerne zugebe - interessanter Abriss über die politischen und wirtschaftlichen Zustände im Sudan. Schon dafür hat sich das Lesen dann doch noch gelohnt. Aber ein etwas übler Nachgeschmack bleibt.

Freitag, 6. Juni 2014

Mangas lesen

Also, ich kenne da jemanden, der ist "besessen" von Mangas. Ich hab' dazu immer innerlich lächelnd den Kopf geschüttelt. Ein erwachsener Mann muss Mangas lesen .... Mensch, wollen unsere "Jungs" denn heute überhaupt nicht mehr aus den Kinderschuhen raus?

Inzwischen ist mir klar, wie unfair dieses Denken war, denn ich habe mich mal etwas näher mit Mangas beschäftigt. Und da gibt es ebenso große Unterschiede wie auch bei den hierzulande seit Jahrzehnten bekannten Comics, denn man kann ja (zum Beispiel) den rosafarbenen Kitsch-Glitzer-Gimmick-Kleinmädchen-Comic-Overload (siehe Foto Bahnhofskiosk)

auch nicht vergleichen mit so hochklassigen Comics wie "Tim und Struppi", "Lucky Luke" oder "Asterix und Obelix" (die ich übrigens immer noch gerne lese).

Und wenn ich bei Mangas bisher an Geschichten über glubschäugige japanische Teeniemädchen dachte, die allesamt ein Zweitleben als Superhero führen, dann ist auch das nur die eine Seite der Medaille. Es gibt eben auch die andere Seite, die man genauso in den Begriff "Kunst" einreihen darf, wie ich es bei den o.g. Comics tue. Und es gibt Geschichten, die durchaus auch sehr anspruchsvoll zu sein scheinen.

Comics für Erwachsene eben. Daran hätte ich vorher denken können (also vor meiner Vor-Verurteilung), denn die stehen bei mir schon lange im Schrank:
"Maus" zum Beispiel, von Art Spiegelman, in dem der Zeichner die Geschichte seines jüdischen Vaters während der Nazizeit aufarbeitet.
"Persepolis", von Marjane Satrapi, einer Iranerin, die heute in Frankreich lebt und hier (u.a.) auf die islamische Revolution und den Iran-Irak-Krieg mit Kinderaugen schaut.

Also gut, ich habe mir jetzt mal ein Manga gekauft. Und die erste Lektion dazu dann auch nach zwei in steigender Verwirrung gelesenen Seiten schon gelernt:
Mangas liest man von hinten nach vorne!!!

Dienstag, 3. Juni 2014

"Schirmständer neben dem Firmspender"

Worauf man doch im Internet so alles aufmerksam gemacht wird - sogar auf das Pfarrblatt  des (sicherlich) beschaulichen Schweizer Örtchens Olten. Hier ist auf Seite 12 einer Maiausgabe der Kommentar des dortiges Pfarrers abgedruckt, der ankündigt, bei der anstehenden Firmung nicht den "Schirmständer neben dem Firmspender" spielen zu wollen und deshalb der Firmung fernbleiben wird. 

Meine erste Reaktion war:
Donnerwetter! Paukenschlag! Toll! Das hat gesessen! Teilen!

Meine zweite Reaktion war.
Ach, ich denke da lieber noch etwas drauf herum, ehe ich es teile. Dumme Angewohnheit, dieses Denken, aber schwer wieder abzugewöhnen.

Ja, und nun weiß ich nicht mehr:
Finde ich das nun gut, oder eben nicht, oder so "dazwischen"?

Den Frust des Pfarrers verstehe ich durchaus. Aber kommt er mir nicht auch ein bisschen "beleidigt" vor? Okay, vielleicht ist das unfair, da ich die Situation vor Ort nicht kenne.

Aber ich sehe einige Kritikpunkte, die so nicht hätten sein müssen: Er bemängelt, dass die Termine für Treffen mit den Firmlingen so lagen, dass er kaum teilnehmen konnte. Und dass keine Zeit für Beichtgespräche eingeplant worden sei. Und dass man den Firmlingen gesagt habe, alles sei freiwillig, also auch der Gottesdienstbesuch während des Jahres vor der Firmung.

Hm... Ist das nicht auch ein Zeichen für die typische Kommunikationsunfähigkeit so manches "Chefs"? Etwa so:
"Ich wollte, dass X so gemacht wird. Warum ist das nicht passiert? --- Wie, ich hätte Ihnen das sagen müssen? Das war doch klar!"

Als "Chef" darf ich durchaus "befehlen", dass etwas getan wird, und zwar so, wie ich es will. Aber deutlich machen muss ich meine dahingehenden Wünsche schon. Wenn es ihm z.B. doch wichtig war, an den Treffen mit den Firmlingen teilzunehmen, warum hat er den zuständigen Leuten nicht die klare Ansage gegeben: "Hey, das ist mir wichtig, also sprecht eure Termine mit mir ab, damit ich möglichst oft teilnehmen kann."

Aber vielleicht ist hier ein Mensch so frustriert, dass er sich einfach nur noch ins Schneckenhaus zurückziehen möchte?

Sicher ist es frustrierend, etwas sozusagen "anzubieten", das dem Anbietenden SO viel (um nicht zu sagen: Alles) bedeutet, und damit auf ein solches Desinteresse zu stoßen. Aber wenn wir in dieser Richtung weiterdenken, dann müssen wir auch die Kindstaufen abschaffen, denn den Babies auf Mutters Arm ist es herzlich gleichgültig, was der Priester da gerade mit ihnen am Taufbecken macht - und die stolzen Eltern gehören vielleicht auch zu jener Sorte, die anschließend mit ihrem Kind noch 2x in die Kirche kommen: Zur Erstkommunion und zur Firmung eben. Weil das dann ja eben alle so machen.

Ich frage mich nur halt gerade, ob der Herr Pfarrer nicht, bitte um Entschuldigung, zu kurz denkt.

Da stellen wir uns mal ganz dumm und fragen: Was ist denn nun eigentlich "Firmung"? 

Einfach geantwortet: Die Bekräftigung der Taufe durch den Firmling, und Herabrufung des Hl. Geistes auf denselben.

Alles übrigens freiwillig. Und, man mag das einfach mal erwähnen: Ein Ausstieg aus dem "Verein" oder auch ein Einstieg in einen anderen, sind auch nachher jederzeit möglich und werden nirgends auf der Erde mit Todesstrafen belegt. *räusper*

Und wenn ich jetzt mal so an meine eigene Firmung denke (lang, lang ist's her), dann wäre ich dem Herrn Pfarrer sicherlich auch nicht recht gewesen. Aber wie es eben so war: Das gehörte eben dazu, machten alle, und außerdem gab's ja vielleicht Geschenke? (Gab's nicht - meine Patin erwies sich auch bei dieser Gelegenheit, ebenso wie bei allen anderen Festlichkeiten der vorangegangenen 15 Jahre, als unsichtbarer Flop. Und meine Eltern waren halt der Meinung, der neue Pulli zur Firmung müsse nun aber reichen. Dumm gelaufen.) Viel hängengeblieben ist nicht, von damals.

Und trotzdem.... Ist es das, worum es geht? Dass alle schön vorbereitet und hübsch andächtig sind, und der Pfarrer sich gut fühlt? Schön wär's. Im Ernst jetzt. Aber wenn es denn nun eben nicht so ist - ist es dann wirklich der richtige Weg, wenn der Pfarrer den Firmlingen deutlich macht "tut doch, was ihr wollt, ich jedenfalls mag nicht mehr, und eure Firmung ist mir auch 'egal'"?

Darum würde ich dem Herrn Pfarrer eher raten wollen: Manchmal hilft es, auf den Tisch zu hauen! Aber nicht hinterher, wenn das Kind im Brunnen ersoffen ist. Sondern vorher. Setzen Sie sich mit den Verantwortlichen zusammen. Sorgen Sie dafür, dass Termine abgestimmt werden. Regen Sie an, dass man mit den Firmlingen auch mal in einer Gruppe etwas "Cooles" unternimmt.

Aber vor allem: Vertrauen Sie doch einfach darauf, dass der Hl. Geist Seine Arbeit tun wird. Eines Tages...








Meriam - wie befürchtet...

erweisen sich die Gerüchte der letzten Tage, dass die sudanesische Christin Meriam Jahia Ibrahim Ishaq in dieser Woche freigelassen würde, als genau dies: Gerüchte.

Von Seiten des Ehemannes und des Anwaltes war ja schon im Vorfeld klargestellt worden, dass man dort von einer Freilassung nichts gehört habe.

Die Rheinische Post meldet jedenfalls heute, dass die sudanesische Regierung eine mögliche Freilassung dementiert und von einem "Missverständnis" gesprochen habe.

Es wurde (und wird) vermutet, dass die Gerüchte in die Welt gesetzt wurden, um das öffentliche Interesse zum Erliegen zu bringen.

Ihr findet in meinen vorigen Posts zu diesem Thema Links zu diversen Petitionen und Protesten, an denen ihr euch durch einfaches Unterschreiben beteiligen könnt. Ansonsten könnt ihr auch einfach mal im Internet googlen - es sind in den letzten Wochen viele unterstützenswerte Aktionen ins Leben gerufen worden.

Montag, 2. Juni 2014

Eine Krähe...

...hackt der anderen kein Auge aus.

Hand auf's Herz: Wie oft haben wir das in Bezug auf Herrn und Frau Doktor schon gehört? Ich mag es für mich gar nicht mehr mitzählen.

Was mich ärgert: Uns ärgert das nicht mehr. Wir nehmen es hin, als wäre es selbstverständlich.

Oder anders: Es IST selbstverständlich, aber es sollte nicht so sein.

Willkürlich als Beispiel herausgegriffen:
Der Hausarzt hat "die Sache" verbockt. Nicht einfach nur so ein bisschen - also so, dass man es im Fach "wir machen alle Fehler" ablegen müsste - sondern im ganz großen Format. Fehler und dessen Ausmaße werden später vom Arzt im Krankenhaus (in dem Patient X zum Glück gerade noch rechtzeitig landete) festgestellt und kommentiert mit "da sag' ich jetzt mal nichts zu". Und wir nehmen das hin und lächelnd wissend: "Eine Krähe..." Isso. Muss man verstehen.

Nö, finde ich nicht.

Ich weiß, ich kann diese Praxis des Schweigens unter Ärzten über Ärzte nicht ändern. Ich wollte nur mit diesem Beitrag einmal darauf hinweisen, dass wir Patienten das inzwischen vieeeel zu selbstverständlich hinnehmen.

Geht um unsere Gesundheit. Sag ich jetzt nur mal so.


Nachtrag zu meinem Post "Frauen ohne Kopftuch"

Folgener Text war in meinem Post zu lesen:

So, nun haben es - wie immer mit Verzögerung - also auch die deutschen Medien mitbekommen, was da gerade im Iran und bei Facebook so los ist. Im Artikel der Welt steht es heute
hier
nun auch: Frauen ohne Kopftuch sind gefährlich. Aber leider, wenn sie im Iran leben, auch gefährdet.

Trotzdem gibt es eine Facebookseite mit dem Namen
My Stealthy Freedom
die von einer in London lebenden Iranerin gegründet wurde, und auf der inzwischen hunderte iranischer Frauen ihre Momente der "heimlichen Freiheit" posteten - Momente also, in denen sie in der Öffentlichkeit den Hidschab für einen Moment ablegten, und sei es nur, wie einige dazu schrieben, um das Gefühl des Windes im eigenen Haar zu erleben.

Von Seiten iranischer Mullahs hieß es dazu - u.a. - Frauen ohne Hidschab würden ihre Vergewaltigung provozieren.

Erinnert uns das nicht an etwas? An das "selbst Schuld", das auch hier bis vor gar nicht sooo langer Zeit eine Frau zu hören bekam, die vergewaltigt wurde? "Um diese Zeit alleine unterwegs....?" "Bei dem tiefen Ausschnitt...!" "Klar, Minirock...!"

Eigentlich bedauernswerte Exemplare der Gattung "Mann" dort im Iran. So wenig Selbstbeherrschung, dass der bloße Anblick von Frauenhaar ausreicht, zum Vergewaltiger zu werden?

"Liked" mir mal die FB-Seite - diese Frauen können Unterstützung brauchen. Denn sich im Iran ohne Hidschab zu zeigen, braucht großen Mut - da ist die Straße kein sachtes "Auf die Finger klopfen".

Es gab dann die Kritik, man könne ja nichts "liken", das man nicht verstünde. Zugegeben, auf den ersten Blick hat man den Eindruck, die Seite sei komplett auf Farsi gehalten. Aber, wie gesagt: Nur auf den ersten, sehr oberflächlichen Blick ist dies der Fall. Hierzu meine Antwort auf den Kommentar:


Wenn du ein bisschen intensiver auf die Seite schaust, dann wirst du sehen, dass viele der Texte zu den einzelnen Bildern auch eine englische Übersetzung haben (dazu muss man den ganzen Text über "weiterlesen" anklicken), und einige der Beiträge sind auch auf Englisch verfasst. Wie gesagt, ein bisschen weiter scrollen und suchen, dann gibt es da einiges zu lesen - ich spreche auch kein Farsi.

Sonntag, 1. Juni 2014

Frauen ohne Kopftuch...

So, nun haben es - wie immer mit Verzögerung - also auch die deutschen Medien mitbekommen, was da gerade im Iran und bei Facebook so los ist. Im Artikel der Welt steht es heute


hier

nun auch: Frauen ohne Kopftuch sind gefährlich. Aber leider, wenn sie im Iran leben, auch gefährdet.

Trotzdem gibt es eine Facebookseite mit dem Namen


My Stealthy Freedom

die von einer in London lebenden Iranerin gegründet wurde, und auf der inzwischen hunderte iranischer Frauen ihre Momente der "heimlichen Freiheit" posteten - Momente also, in denen sie in der Öffentlichkeit den Hidschab für einen Moment ablegten, und sei es nur, wie einige dazu schrieben, um das Gefühl des Windes im eigenen Haar zu erleben.

Von Seiten iranischer Mullahs hieß es dazu - u.a. - Frauen ohne Hidschab würden ihre Vergewaltigung provozieren.

Erinnert uns das nicht an etwas? An das "selbst Schuld", das auch hier bis vor gar nicht sooo langer Zeit eine Frau zu hören bekam, die vergewaltigt wurde? "Um diese Zeit alleine unterwegs....?" "Bei dem tiefen Ausschnitt...!" "Klar, Minirock...!"

Eigentlich bedauernswerte Exemplare der Gattung "Mann" dort im Iran. So wenig Selbstbeherrschung, dass der bloße Anblick von Frauenhaar ausreicht, zum Vergewaltiger zu werden?

"Liked" mir mal die FB-Seite - diese Frauen können Unterstützung brauchen. Denn sich im Iran ohne Hidschab zu zeigen, braucht großen Mut - da ist die Straße kein sachtes "Auf die Finger klopfen".


Noch einmal Meriam, der Sudan - und nebenbei eine Frage an unsere Öffentlich-Rechtlichen.

Laut einiger Artikel, u.a. in 

Die Welt

soll die sudanesische Christin, die im Gefängnis ihr zweites Kind zur Welt brachte, freikommen.

Aber: Andere Medien mahnen zur Vorsicht: Dies könnte ein Versuch der sudanesischen Regierung sein, das große öffentliche Interesse an Meriam zum Einschlafen zu bringen.

Deshalb: Bitte nicht aufhören, sich an den vielen Petitionen, Unterschriftsaktionen, Protestnoten zu beteiligen.

Und eine Frage hätte ich dann mal zu unseren öffentlich-rechtlichen TV-Medien: Fällt es nur mir auf, dass der Fall der Meriam Ibrahim Ishtaq dort bis heute mit keinem einzigen Wort erwähnt wurde?