Montag, 3. August 2020

Mehr Infektionen durch mehr Tests - eine kleine Rechenstunde


Ich möchte einmal rasch eine kleine Rechenstunde für all jene geben, die fortwährend behaupten:
"Die 'angeblich' steigenden Infektionszahlen entstehen nur, weil mehr getestet wird."
Damit es auch die simplen Gemüter verstehen, will ich ein kleines Beispiel in sehr einfachen Zahlen anführen:

Stellen wir uns einen Ort vor, und nennen wir diesen Ort "Covidhausen".

Covidhausen hat 100.000 Einwohner.

Im Juli werden in Covidhausen 100 Einwohner auf das Coronavirus getestet.

Von diesen 100 Tests fallen 5 Tests positiv aus.

Ich rekapituliere:

100.000 Einwohner
100 Tests
5 positive Ergebnisse

Im August werden in Covidhausen die Testzahlen verzehnfacht:

Nun werden 1.000 Einwohner auf das Coronavirus getestet.

Wie müsste das Ergebnis verzehntfacher Testzahlen bei gleichbleibender Infektionsrate aussehen?

Klar:

100.000 Einwohner
1.000 Tests
50 positive Ergebnisse.

Die Wirklichkeit in Covidhausen sieht aber so aus:

100.000 Einwohner
1.000 Tests
200 positive Ergebnisse

Und das ist das Problem: Die Ratio stimmt nicht. Jedenfalls nicht, wenn man unbedingt glauben möchte, steigende Infektionszahlen lägen ausschließlich in steigenden Testzahlen begründet.

Donnerstag, 11. Juni 2020

Keine Gegenrede bei Doktor Spitzbart




Durch eine inzwischen nicht mehr existierende Freundschaft wurde ich auf die Facebookseite des in Österreich lebenden Deutschen Michael Spitzbart aufmerksam, der dort fast täglich seine neuesten medizinischen Erkenntnisse darlegt.

Ich habe mich bei diversen Besuchen dieser Seite immer wieder gewundert, dass es in den Kommentarspalten aber auch so gar keine kritische Stimme gab, waren doch viele seiner geäußerten Ansichten freundlich ausgedrückt als kontrovers einzustufen.

Seit heute kenne ich den Grund.

Heute sah ich einen neuen Beitrag des Doktors, der einen Bogen spann vom Thema "krebserregendes Glyphosat" hin zu einer möglichen mRNA-Impfung gegen Covid-19, der jeder Schwindelambulanz zur Ehre gereicht hätte.

Wobei der Herr Doktor zum Ende seines Beitrages eine schlaue Einschränkung einfügte:
"Achtung: ich kann nicht sagen, dass die Impfung Krebs auslösen wird. Genauso wenig können die Befürworter behaupten, dass sie KEINEN Krebs auslöst."
Ebensogut könnte er sagen:
"Achtung: Ich kann nicht sagen, dass logisches Denken Kopfschmerzen auslösen wird. Genauso wenig können die Befürworter behaupten, dass es KEINE Kopfschmerzen auslöst."

Ich konnte nicht widerstehen und kommentierte dort heute, indem ich seinen Beitrag eine demagogische Volte nannte, mit der er in seinem Beitrag eine hanebüchene Wendung vom Thema  Glyphosat weg und hin zu einem bisher noch nicht einmal existierenden Impfstoff mache, um diesen weiterhin zu diskreditieren.

Nach einer Stunde war mein Kommentar gelöscht und ich für weitere Kommentare auf der Seite gesperrt. 

Nun ist klar, weshalb auf des Doktors Seite nur Zustimmung und "HURRA!" zu seinen sicherlich wertvollen Beiträgen zu finden sind.

Donnerstag, 4. Juni 2020

Covid-19? - Es gibt schlimmere Viren.




Die Abstandsregeln gelten weiterhin, aber kaum jemand hält sich daran.

Maskenpflicht haben wir u.a. in den öffentlichen Verkehrsmitteln, aber kaum jemand hält sich daran.

Die neuen Ausbrüche in Berlin und Göttingen inklusive erneuter Schulschließungen lassen schon mal grüßen.  

Da ich kein Autofahrer bin, erledige ich meine Fahrten in die umliegenden Städte mit der Bahn.

Heute stieg ich in unsere Vorortbahn. An jeder Türe der große Anschlag:
"Ohne Maske? Draußen bleiben!"
Ich schaute mich um: Alle Fahrgäste in meiner Nähe waren ohne Gesichtsmaske unterwegs.

Ich nahm auch meine Maske ab, verstaute sie in meiner Tasche und setzte sie während der ganzen Fahrt nicht mehr auf.

Warum habe ich das getan? Etwa, weil ich zu den typischen Herdentieren "Wenn es alle machen, darf ich es auch!" gehöre?

Nein. Aber weil ich keine Lust mehr hatte, diese bodenlosen Egoisten zu schützen.

Meine Maske ist für mich kein Schutz - sie schützt nur die anderen. Und diese anderen sind nicht daran interessiert, mir den gleichen Schutz zukommen zu lassen.

Ja, ich gebe es zu:

In diesem Moment hatte ich ausreichend Wut und Unbarmherzigkeit in mir, zu denken:
"Ok, wenn ich das Virus gerade unerkannt mit mir herumtrage, dann verreckt doch daran! Selber Schuld."
Ich bin nicht stolz darauf, aber so war es.

Aber meine Wut hat sich auf die Falschen gerichtet. In diesem Zug saßen nur die Opfer.

Opfer?

Ja, die Opfer derjenigen, die ihnen in YouTube-Geschwurbel-Tutorials und Verschwörungs-Bla-Bla die Welt erklären:

Ärzte, die wissen, dass man nur genügend Vitamin-C Tabletten der eigentlichen verteufelten Pharmaindustrie einwerfen muss, um der "harmlosen Grippe" Paroli zu bieten.

Ein ehemaliger Fitness-Coach, der als einziger das große Geheimnis durchschaut hat, wie Bill Gates uns alle qua Zwangsimpfung Chips implantieren und gleichzeitig zugunsten der Pharmalobby so richtig krank machen will.

Ein veganer Koch, der in den bewaffneten Untergrund gehen will.

Hygiene-Demos, auf denen gegen die Einschränkung unserer Grundrechte demonstriert werden muss (die zu diesem Zeitpunkt bereits gelockert wurden, und die nebenbei nie auch nur annähernd die Ausmaße hatten, wie in vielen anderen Ländern Europas), um die Merkel-Diktatur abzuwehren, die uns allen sonst blüht.

Im Titel habe ich geschrieben: Es gibt schlimmere Viren.

Covid-19 kann den Körper angreifen.

Die Volksverhetzer und Berufsdemagogen, die Geldschneider und Selbstvermarkter aber - sie greifen Geist und Seele der Menschen an.

Nicht Covid-19, sondern sie sind die wahre Geißel unserer Gesellschaft! 

Und ich?
Ich hab.
Die Schnauze.
VOLL.

Montag, 1. Juni 2020

Das Catch-22 der Fake News



Letztens wurde auf Facebook auf spitzbärtigen und anderen Seiten kommentiert, die Bilder, die wir aus Italien und den USA zu sehen bekämen - aus überlasteten Kliniken, vom Abtransport Verstorbener durch Kolonnen aus Armeefahrzeugen, abgestellte Kühltransporter zur Lagerung der Leichen - sie alle seien Fake.

Es handele sich durchweg um den Versuch, die Weltbevölkerung in Angst zu halten.

Als Beweis wurde mehrfach ein Artikel aus dem Presseportal verlinkt. Das irritierte mich dann doch, da es sich hier um eine seriöse Nachrichtenquelle handelt.

Was war passiert?

Auf Facebook war von privater Seite ein Foto verbreitet worden. Darauf waren aufgereihte Särge zu sehen. Übertitelt würde der Beitrag mit "So schaut's in Italien aus".

Allerdings handelte es sich bei diesem Foto um eine 7 Jahre alte Aufnahme. Es zeigt die aufgereihten Särge ertrunkener Flüchtlinge in Lampedusa.

Noch einmal: Hierbei handelte es sich um einen privaten Beitrag, der leider "viral" ging. Irgendein armer Mensch, der ein wenig Aufmerksamkeit brauchte und dazu das Foto einer alten Tragödie benutzte, weil ihm die heutigen Fotos offensichtlich noch nicht ausreichend entsetzlich erschienen.

Resultat:

Die Fake News der einen Seite generierten die Fake News der anderen Seite.

Zwiespalt:

Klären wir über die Fake News der einen Seite auf, geben wir Wasser auf die Mühlen der anderen Seite.

Schweigen wir über die Fake News der einen Seite, unterstützen wir deren Fake News Maschinerie - und tun zusätzlich genau das, dessen uns die andere Seite anklagt.

Catch-22

Game over.

Mittwoch, 6. Mai 2020

Der neue deutsche Widerstand

Ich habe es nie vergessen - am 11. September 2001 sagte ein TV-Kommentator zu den Anschlägen in den USA sinngemäß:
"Die wahren weltweiten Auswirkungen des heutigen Tages werden wir erst in Jahren oder Jahrzehnten aus den Geschichtsbüchern erfassen können."
Eine Feststellung, die sich in der Rückschau von jetzt fast zwei Jahrzehnten klar bejahen lässt.

Die heutige Weltlage um das Coronavirus sehe ich ebenso:

In 20-30 Jahren werden die Geschichtsbücher wissen, welche Fehler begangen und welche Fehleinschätzungen gemacht wurden, wo richtig und wo falsch gehandelt und entschieden wurde, und welchen langfristigen Einfluss das Virus auf alle Facetten des Weltgeschehens nahm.

Damals wie heute fanden sich Weltgemeinschaft und Regierungen in völlig unbekannten Gewässern wieder.

Damals wie heute blieb dem Bürger nur die Option, Ruhe und seinen gesunden Menschenverstand zu bewahren - oder sich den wie ein Atompilz sich rasant aufblähenden und vor Aufregung zitternden Verschwörungszirkeln zuzuwenden.

Warum entscheiden sich - damals wie heute - so viele Menschen für die zweite Option?

In diesen Tagen tummeln sich die "Widerständler" und wahrhaft "Wissenden" im Netz und auf öffentlichen Plätzen und verbreiten... nein, nicht ihre Theorien, sondern die einiger unter den Steinen ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit hervorkriechenden Laiendemagogen.

Auf "Hygiene Demos" werden Hände in Unschuld gewaschen, indem man die wahrhaft Schuldigen an der Krise benennt. Wie Panorama zu berichten weiß, sind es
"Die Juden. Wer denn sonst? Idiot!"
Wie damit umgehen? Wie darauf reagieren? 

Ich könnte mich fragen, ob die hingerichteten oder im KZ ermordeten Widerständler der Nazizeit sich wohl im Grabe umdrehen darüber, was sich heute in Deutschland als "Widerstand" bezeichnet. 

Ich könnte auch fragen, weshalb ein Autor von veganen Kochbüchern von sich behauptet, bewaffnet in den Untergrund gehen zu wollen, weil "sie" ihn ermorden wollen.

Oder ich könnte fragen, ob Verschwörungstheorien, die geradewegs einer Schwindelambulanz entstammen, nicht doch eher ein Scherz des Postillon sind. (Nein, sind sie leider nicht.)

Ich könnte die Behauptungen ihrer Aussagen, Verlinkungen, YouTube Denk-Tutorials Punkt für Punkt für Punkt widerlegen. Aber das haben andere schon getan (Links findet ihr unten). Hören will es von den qua YouTube-Studium in die Weisheit Initiierten ohnehin niemand.

Der Versuch, durch Kommentare zu entsprechenden Links ein wenig Sachlichkeit in manche Diskussion bringen ist so sinnvoll wie Erbsen gegen die Wand zu werfen. 

Auch könnte ich fragen, ob es nicht seltsam ist, dass eine "Widerstandspartei" die gleiche Postanschrift im Impressum führt wie die AfD. Aber dies wurde schon vom "neuen deutschen Widerstand" erklärt: Alles nur reiner Zufall. Damit wir uns richtig verstehen: Es ist vielleicht wirklich nur ein Zufall. Aber ist es nicht lustig, wenn ausgerechnet Verschwörungstheoretiker, für die es per se keinen Zufall gibt, da eben alles Teil der großen Verschwörung ist, zu ihrer eigenen Verteidigung genau diesen Herrn Zufall herbeizitieren?

Ich könnte mich auch entsetzt äußern über die Meldung, dass auf einer der Berliner "Hygiene-Demos", auf denen Querdenkeralubommelträger (ich denke mir das nicht aus) gegen das "Terrorregime" der deutschen Regierung protestieren, in der vergangenen Woche mehrere Mitarbeiter der Satiresendung "HeuteShow" des ZDF brutal zusammengeschlagen wurden. Ein solch feiger körperlicher Angriff auf das Pressewesen erinnert tatsächlich an schlimmste und dunkelste Zeiten unseres Landes.

Warum werden Menschen zu unbeirrbaren Anhängern von Verschwörungstheorien?
Manche Theorien sagen, es sei die Vereinfachung, die viele Menschen anzieht - natürlich nicht die Vereinfachung im Denken, denn niemand kann behaupten, dass die Beweisführung,  wie und weshalb Bill Gates die komplette Weltbevölkerung zwangsimpfen und ihr so zugleich Microchips einpflanzen will, Zeugnis einer auf Simplifizierung bedachten Denkweise ist. 

Nein, es geht wohl um das simple "Wir" und "Die". Wobei "Wir" natürlich immer die Guten sind, die Aufgeklärten, die wahrhaft Wissenden . "Wir" durchschauen die Dinge, "Wir" sind in die Geheimnisse eingeweiht und damit befähigt, die Verschwörungen aufzudecken. "Wir" sind die, die als einzige die Welt vor dem Zugriff des Bösen zu retten vermögen. 

Womit wir beim "Die" wären - dem Terroregime und seinen Unterstützern. Gegen "Die" braucht es Widerstand...

...und sei es mit Gewalt? Das Beispiel der Berliner Demo lässt auch in dieser Hinsicht Böses ahnen.

Fazit: Ich weiß nicht, wie man damit umgehen soll.
Außer vielleicht, sich die Hoffnung zu bewahren, dass dieses Fieber kollekten Irrsinns zusammen mit Covid19 eines Tages vorbeigehen möge.


Und hier nun die versprochenen Links - natürlich alle garantiert und zu 100% gesponsort  von Bill Gates, dem reptiloiden Schwippschwager Angela Merkels:

"Mimikama" - DIE Aufklärungsseite gegen Verschwörungstheorien:
https://www.mimikama.at/


 Zur "Impfpflicht" - der Gesetzesentwurf:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de


Zitat (aus anderer Quelle) hierzu:
"Fakt ist, es handelt sich bei dem Gesetzesentwurf um eine geplante Lockerung der (Quarantäne-) Maßnahmen (für alle, die nicht mehr ansteckend sind oder sein werden). Das unsprüngliche, (etwas strengere) Gesetz stammt in seiner aktuellen Fassung aus dem Jahr 2001."

Fake-News entarnt - ein Service der "Schwäbische"-Zeitung:
Schwaebische 

 

Auch der "Volksverpetzer" Thomas Laschyk schreibt gegen Fake-News an:
https://www.volksverpetzer.de/

Der rbb24 zu dem, was auf "Hygiene Demos" zueinander findet:
rbb24

Sonntag, 5. April 2020

Schokoeis und Gottesdienst

Ich habe ein paarmal zu diesem Post angesetzt; immer mit vielen "wir" und "uns" und "man", bis ich verstand: Hier darf es einmal nur um mich gehen, hier spreche ich einmal ganz subjektiv für mich. Es sind meine ganz eigenen Gedanken, Gefühle und Einschätzungen, und wenn ich damit falsch liege, darf ich mich weder hinter einem obskuren "man" verstecken noch ungefragte und ungenannte "wir" und "uns" mit einbeziehen.

Corona mit allem, was bis heute dazugehört, hat mich überrollt. Vielleicht ist so manch anderer schneller, sowohl was das emotionale Verarbeiten als auch was das kritische Hinterfragen angeht. Ich aber habe mich in diesen letzten zwei Wochen erst einmal in ein emotionales Schneckenhaus zurückgezogen und frag- und klaglos alle Entscheidungen hingenommen, die für uns getroffen wurden, als da wären: Kontaktsperre, #stayathome, geschlossene Läden, Home Office, abgesagte Veranstaltungen, Verbot von Gottesdiensten usw. Nur Systemrelevantes sollte aufrechterhalten bleiben.

Das alles erschien mir, vor allem mit Blick auf Italien, erst einmal uneingeschränkt richtig. Und das tut es immer noch. Wenn da nicht diese eine Sache wäre...

Aber zuerst einmal möchte ich fragen:
Was heißt das eigentlich - "systemrelevant"?
 Der Duden antwortet mir mit:
"für das System bedeutsam"
 Und das sagt der Duden zum "System" an sich:
"Form der staatlichen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen Organisation"
Systemrelevant ist also, so übersetze ich mir das, was den Staat, die Wirtschaft und die Gesellschaft am Leben erhält.
Was den Menschen am Leben erhält.
Was mich am Leben erhält.
Der gesamte medizinische und pflegende Bereich, die Lebensmittelversorgung, Wasser, Strom, Müllabfuhr, die Banken usw.

Das leuchtet mir ein.

Doch eine Frage blieb:

Warum hat niemand in der Politik auf den Protest der Kirchen gehört, als man sie kurzerhand als nicht systemrelevant abschob?

Wie? Was? Es hat niemand protestiert? Kein Bischof? Weder bei Katholens noch bei Evangelens?

Da bin ich ins Grübeln gekommen.

Dass unser Staat Messen und Gottesdienste als nicht systemrelevant einstuft, nehme ich ihm nicht übel. Der Staat sieht auf Kirchen zu Coronazeiten erst einmal als Versammlungsorte, die ebenso zu schließen sind wie öffentliche Grillplätze im Stadtpark.

Den Einspruch aber erwarte ich von meiner Kirche. Und dort er ist ausgeblieben. Der Staat hat entschieden:
"Eure Messen und Gottesdienste sind nichts, was das System - was der Mensch - lebensnotwendig braucht."
Und unsere Hirten haben genickt und sind nach Hause gegangen.

Ich will ehrlich sein: Anfangs empfand ich das nicht als schlimm. Plötzlich gab es massenweise Messen und Gottesdienste im Fernsehen oder online im Livestream, Gebetstreffen im Internet - wer brauchte da noch den Gang in die Kirche, die Gemeinde, die tatsächliche Eucharistie?

Ich.

Weil es für mich in einem anderen Wortsinne "über-lebens-wichtig" ist, nämlich über mein Leben hinaus wirkend.

Den Supermarkt und mein Büro darf ich weiterhin betreten. In der Bäckerei und in der Eisdiele darf ich mich in die Verkaufsschlange stellen. Weil dies alles als systemrelevant gilt, weil man mir den gesunden Menschenverstand zutraut, den nötigen Abstand einzuhalten, weil entsprechende hygienische Vorkehrungen getroffen werden.

Ist mein Glaube weniger wert als ein Schokoeis mit Sahne?

Unsere Hirten scheinen dieser Meinung zu sein.

Sonntag, 1. März 2020

Coronavirus - (Don't) Panic!

 "Bleiben Sie ruhig; es besteht kein Grund zur Panik." --- "Es wird schlimm werden." --- "Wir haben alles unter Kontrolle." --- "Experte rechnet mit über 60% Infektionen." --- "Die Versorgung ist gewährleistet." --- "Folgende Dinge sollten in Ihrem Notvorrat nicht fehlen..."

Tatsächlich lassen sich die Grundaussagen jedes Beitrags aus Politik und Medien zur Situation stets in zwei Themenblöcke spalten:
"Kein Grund zur Panik. --- Seien Sie auf das Schlimmste vorbereitet."
Ich wohne in NRW und die derzeit besonders betroffenen Gebiete liegen in direkter Nachbarschaft. Auch bei uns gibt es die ersten Krankheitsfälle. Seitdem erlebe ich, wie das Coronavirus den gesunden Menschenverstand zum Kollabieren bringt.

Desinfektionsmittel sind vollständig ausverkauft, die Regale in allen Geschäften leer. Eine Drogerie in der Innenstadt hatte wohl noch eine kleine Lieferung erhalten: Die Fläschchen standen an der Kasse und wurden rigoros nur einzeln abgegeben, damit möglichst viele Kunden noch etwas abbekamen und niemand gleich die ganze Palette hinausschleppte. Und ehe ihr fragt: Ich war dort, um Blumendünger zu kaufen, und Blumendünger habe ich gekauft.

Eine große Firma verteilte Freitag Handdesinfektionsmittel in den Waschräumen ihrer Mitarbeiter. Eine schöne Geste. Wenige Stunden später war das erste davon spurlos verschwunden.

Eine Anleitung zum richtigen Händewaschen wurde in der gleichen Firma verteilt:


Man kann darüber lachen, aber es kaufen in diesen Tagen so viele Leute Seife, dass man sich doch so seine Gedanken über die allgemeine Reinlichkeit vor Corona macht. Vielleicht ist eine Gebrauchsanweisung doch keine so üble Idee?

Die Leute hamstern Lebensmittel. Nudeln, Sauerkraut, Bohnensuppe und Würstchen. "Vornehm geht die Welt zugrunde" war gestern. Die Deutschen lieben es auch zum Armageddon billig.

Wer mit Sauerkraut und Bohnensuppe überleben will, dem sollte nicht das Toilettenpapier ausgehen. Die Großpackungen, mit denen ich viele Leute sich abschleppen sah, waren also sicherlich sinnvoll.

Auch Mehl erlebt derzeit eine Renaissance - sonst das wenig beachtete Stiefkind zwischen all den Fertigbackmischungen, steht man auch hier plötzlich vor leeren Regalen. Erst habe ich mich gewundert, aber dann ging mir auf, dass sich die Kunden sicherlich an die Witwe von Sarepta und ihren Sohn erinnert haben, die Elia mit einem nie versiegenden Vorrat an Mehl und Öl vor dem Hungertod gerettet hat. Nachzulesen HIER.

Nichts gegen einen kleinen Notvorrat zu Hause (den ohnehin jeder immer haben sollte), aber was treibt die Leute zu den Hamsterkäufen der letzten Tage?

Es ist wohl der Versuch, zumindest die gefühlte Kontrolle zu behalten.

So viele Dinge, die ich in meinem Leben nicht kontrollieren kann. So viele Gefahren, die meinem Einflussbereich gänzlich entzogen sind. Und nun kommt noch ein neues Virus hinzu. Indem ich Desinktionsmittel, Mehl und Bohnensuppe einlagere, gewinne ich zumindest gefühlt ein wenig Kontrolle zurück. Über das Unkontrollierbare, besser bekannt als "das Leben".

Jemand sagte in diesen Tagen zu mir: "Falls die Lage schlimmer werden sollte, habe ich vor dem Virus weniger Angst als vor den Menschen." Weise Worte: Der ärgste Feind des Menschen ist und bleibt der Mensch. Da muss jedes Virus vor Neid erblassen.

In diesem Sinne, Leute:
"Ruhig bleiben! Das Schlimmste kommt noch."

PS: Meine eigenen Vorräte sind auf einem guten Niveau: