Freitag, 8. März 2019

Zum Frauentag - kleinere Schwierigkeiten?


Heute in der Stadt verteilte ein Mann Rosen. Er ging zu einem Tisch, an dem zwei Frauen saßen, und er reichte jeder von ihnen eine Rose. Die Frauen nahmen die Blumen erfreut entgegen. Anschließend zückte der Mann eine selbstgebastelte Kladde, präsentierte einige traurige Kinderfotos und bat um Spenden. Die bekam er natürlich - frau hatte die Rosen ja schon genommen.

Ein wundervoller Spiegel der Realität bis heute:
Als Frau wird dir nichts geschenkt.
In einem FB-Beitrag zum Frauentag schrieb eine Freundin von "nur noch kleineren Schwierigkeiten", die man heute als Frau noch habe. Ich weiß, dass sie trotzdem mit vielem, was ich jetzt hier schreiben werde, einer Meinung sein wird - wenn auch keineswegs mit allem - und hoffe, dass sie mir verzeihen wird, ihre Bemerkung als Aufhänger für diesen Beitrag genommen zu haben.

Auf meinen Kommentar, in dem ich auf die ungleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit hinwies, antwortete eine andere Frau, das könne sie nicht bestätigen, und sie habe Einblick in die Gehaltslisten *blinzellächel*.

Das kann sein oder auch nicht, ich weiß es nicht. Wenn es jedoch so ist, dann arbeitet sie in einem Ausnahmeunternehmen (was ich ihr durchaus gönne), aber der Regelfall sieht anders aus.

Eine kleinere Schwierigkeit ist das nicht, denn vom aktuell niedrigeren Gehalt einmal abgesehen, von dem Frau leben muss, bedeutet dies für später auch die kleinere Rente.

Auch die vielzitierte "gläserene Decke", an die Frauen irgendwann stoßen, wenn sie sich in einem Unternehmen nach oben arbeiten wollen, ist durchaus noch Realität. Sicher, es gibt inzwischen Firmen, wo es nicht mehr so ist. Aber speziell in Familien- und Traditionsunternehmen weiß ein "Good Old Boys Club" immer noch zu verhindern, dass eine Frau diese letzte Türe durchschreitet - es sei denn, um den Kaffee zu servieren.

Und dann haben wir die Frau, die sich eine leitende Position erarbeitet hat, zumindest auf der mittleren Machtebene. Was ist der sicherste Todesstoß, den sie ihrer weiteren Karriere versetzen kann? Jawohl: Die Entscheidung, ein Kind zu bekommen.

Oh ja, alle freuen sich mit ihr, und es folgen Sätze wie "genießen Sie die Zeit mit Ihrem Kind" und "wenn Sie zurückkommen, wird alles so sein wie vorher", und die Frau geht beruhigt in ihre Auszeit als Mutter.

Ein Jahr später kehrt sie zurück. Ein guter Teil ihrer Kernfunktionen wurden auf andere - Männer - in der Leitungsebene verteilt. "Ach, wir halten das jetzt erst mal so bei - kommen Sie erst mal wieder an, und mit dem Kind sind Sie doch privat noch viel zu eingespannt, um schon wieder voll einzusteigen." Und das war's dann. Sie wird natürlich weiter ihren Posten bekleiden, auch wenn sie jetzt weit weniger "zu sagen" hat als vorher. Aber weitere Schritte auf der Karriereleiter? Die Leiter wurde eingezogen. Kein Zutritt mehr.

Aber reden wir nicht nur von Arbeit und Karriere.

Jemand, den ich eigentlich mag und dessen logischen Verstand ich bewundere, schrieb heute online zum "Frauentag". Und damit muss ich nun auch noch einen kurzen Ausflug zum Thema "Frauen in der kath. Kirche" mache, obwohl das Thema für mich an Wichtigkeit tatsächlich recht weit hinten rangiert. Egal, es muss sein:

Erst mal sei gesagt, um mit einer guten Freundin zu sprechen, dass mir noch niemand einen für mich plausiblen Grund hat nennen können, weshalb eine Frau eben nicht auch in der kath. Kirche die Priesterweihe erhalten soll. Aber wie gesagt: So wirklich mein Thema ist das nicht, schon allein deshalb, weil ich im Gegensatz zu vielen anderen nicht daran glaube, dass dies die Krise(n) unserer Kirche auch nur im Mindesten verkleinern würde. Außerdem enden diese Diskussionen - sobald man tatsächlich einmal theologische Argumente und Gegenargumente austauscht - oft mit "Johannes Paul II hat gesagt, diese Türe ist zu.". Danach hat Schweigen zu herrschen, denn damit ist das Thema natürlich als endgültig geklärt anzusehen. (Lustigerweise kommt diese Aussage zur päpstlichen Unfehlbarkeit oft von den gleichen Leuten, die den amtierenden Papst als theologischen Dummbatz sehen und auch genauso viel von seinen Aussagen halten.)

Ach je, nun habe ich mich verplappert und bin ein wenig vom Thema abgekommen. Aber ich bin eine Frau; ich darf das, denn es ist ja bekannt, dass wir wenig Logik, aber dafür viel Plapperbedürfnis haben. (Womit ich das Thema "Vorurteile" wenigstens ansatzweise gestreift verstanden sehen möchte.)

Im besagten Artikel sollte mir jedoch erklärt werden, weshalb das Frauenpriestertum für Frau und Mann nur zum Nachteil sein kann:

Der Priester sei doch ein Diener! Er lege jeden Herrschaftsanspruch radikal ab und diene der Frau!

Man kann also gar nicht von einer Karriere oder einer Machtposition sprechen.

Da sage ich doch mal mit einem männlich-kernigen Fluch auf der Zunge:
Ja, scheiß die Wand an!
Wenn jemand Übung im Dienen hat, dann die Frauen! Und zwar seit Menschengedenken!

(Das gibt der Autor übrigens durchaus zu, nur fehlt ihm das Verständnis, weshalb sich das Dienen der Frau denn nicht auf das Frau- und Muttersein beschränken sollte, um so dem Priester ein Vorbild für das eigene Dienen zu bieten...)

Ach, egal - ist wie gesagt nicht mein Thema.

Und nachdem ich nun einige - oder noch mehr - Freunde und Bekannte mit diesen feministisch-anrüchigen Ansichten vergrault habe, komme ich zum eigentlichen und einzig wichtigen Punkt dieses Beitrags:

Denn tatsächlich - wenn wir ehrlich sind - ist doch alles, was ich bisher beschrieben habe, wirklich ein "Klagen auf hohem Niveu" und nicht mehr. Ja, ich gebe es gerne zu.

Brauchen wir also doch keinen Frauentag?

Falsch! Wir brauchen ihn, und sogar viel öfter als nur einmal jährlich. Wir brauchen einen Frauentag - besser: Frauentage! um wieder und wieder auf die wirklich schrecklichen Missstände aufmerksam zu machen, wenn es um das Leid von Frauen in dieser Welt geht:
- Zwangsprostitution (ja, auch und vor allem in Deutschland)
- Kindsbräute (auch das nicht nur im "Orient", sondern hier, in Deutschland)
- Handel mit Mädchen und Frauen
- Versklavung von Mädchen und Frauen
- Genitalverstümmelung an Mädchen zur Förderung der "Keuchheit"
Soll ich weitermachen mit meiner Aufzählung? Nein, wohl besser nicht. So reicht es schon.

Genauer gesagt:

Es reicht! Und das schon lange!

Montag, 4. März 2019

Greta



Greta Thunberg polarisiert.

Unter meinen Freunden und Bekannten, und auch in der Blase der sozialen Netzwerke - überall steht man einander unversöhnlich gegenüber:

Sagst du in der falschen Umgebung etwas contra Greta, bist du unten durch.
Sagst du in der falschen Umgebung etwas pro Greta, bist du unten durch.

Arme Greta.

Wird sie auf Dauer diesem Druck standhalten können?

Wie lange wird es dauern, bis jene, die sie gerade zur Ikone erheben, sich eine neue Gallionsfigur suchen, der sie huldigen können?

Wann werden jene genug haben, die sich gerade nicht zu schade sind, als gestandene, erwachsene Menschen eine 16jährige durch den Reißwolf zu ziehen?

Wie denke ich selbst über Greta Thunberg?

Zuerst einmal erfahre ich mich als sehr unaufgeregt, wenn ich an Greta denke.

Ich denke an die vielen Auszubildenden und Praktikanten - alle in Gretas Alter oder wenig älter - die ich in den letzten 25 Jahren beruflich jeweils für kurze Zeit begleitet habe.

Da gab es solche, die in den Schulen zu "Bulimie-Lernern" (danke an eine Freundin für diesen so passenden Begriff) wurden: Wissen reinstopfen und zur Prüfung wieder auskotzen, und weg ist es. Denen musste man erst einmal beibringen, dass das, was sie jetzt lernten, tatsächlich angewandt und umgesetzt werden musste.

Dann gab es jene, die sich nach bestandenem Abitur für den großen Zampano hielten und erwarteten, gleich in den Chefsessel gehoben zu werden. Die mussten ein wenig zurechtgestutzt werden, ehe man mit ihnen arbeiten konnte.

Es gab die Fleißigen, die Faulen, die Wissbegierigen, die Clowns, die Trödler...

So könnte ich lange weitermachen. Eines aber hatten alle gemeinsam: Sie waren unterwegs.

Unterwegs zu sich selbst.
Unterwegs ins Erwachsensein.
Und vor allem:
Unterwegs zu der Erkenntnis, wenig zu wissen und noch weniger zu verstehen, und dass sich daran auch nie etwas ändern wird.

Und dann denke ich an mich selbst. Auch wenn es schon einige Jahrzehnte zurückliegt: Ich kann mich noch recht gut erinnern, wie ich in dem Alter war.

Ich spare mir die Einzelheiten und fasse es mit dem heutigen Blick auf mein damaliges Ich einmal so zusammen:

Ich war ein selbstverliebter Großkotz, der davon überzeugt war, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben und der voller Mitleid und sehr erhaben auf die verblödeten Erwachsenen um sich herabschaute.

Kurz gesagt: Ich war ein Teenager. Und völlig normal.

Auch Greta Thunberg ist ein Teenager.

Von Gretas Aufruf zum freitäglichen Schuleschwänzen halte ich nichts, das ist der falsche Weg.

Und trotzdem möchte ich damit schließen, dass ich sage:

Wir sollten nicht alle durch Teenager ins Leben gerufene Bewegungen gleich in Bausch und Bogen verdammen.

Im März 2018 riefen Schüler in den USA zu einem "March for our lives" auf, als Reaktion auf ein neuerliches Schulmassaker, vor allem jedoch als Reaktion auf die ewig gleichen Lippenbekenntnisse der Politiker, die seit Jahrzehnten keinerlei Veränderungen nach sich ziehen. Überall in den USA zog es am 24. März tausende vor allem junge Menschen auf die Straßen, insgesamt demonstrierten Millionen. Die Bewegung der Jugendlichen arbeitet weiter. Ob sie Erfolg haben werden, eines Tages in ihrem Land etwas zum Positiven zu verändern? Wer weiß.

Die Parallelen sind jedenfalls klar zu sehen.

Vor allem eines ist wichtig: Diese jungen Menschen - hier wie dort - haben Angst um ihre Zukunft.

Das müssen wir ernst nehmen.


Was mich bewegt... Missbrauchsdebatten



Neulich "belauschte" ich im Zug zwei Männer. Einer war, wie sich aus dem Gespräch ergab, Lehrer für Deutsch und Religion. Er sagte etwas zu den Diskussionen rund um das Thema Missbrauch und Kirche, das meiner Meinung nach bedeutsam war:
"Wenn ich sonntags in der Kirche bin, dann will ich mich in die Messe vertiefen und nicht darüber nachdenken, was der Priester da vorne vielleicht sonst noch so treibt."
Auf die Frage, ob man denn heute noch zur Kirche gehen und die Messe besuchen will, obwohl man doch nie wissen kann, ob der Priester ein Heiliger oder ein Hundsfott ist (meine Worte, nicht die des Lehrers), erscheint mir das als eine gute Antwort.

Ich denke, wer sich durch die aktuellen Missbrauchsdebatten vom Messbesuch abhalten lässt, hat einiges missverstanden. Dort wird nicht der Priester gefeiert, und auch der Messbesucher soll keine Heiligkeitspunkte sammeln. Wir sind auch nicht da, um Bischof oder gar Papst einen Gefallen zu erweisen.

Es ist Gott, der in der Eucharistie bei uns sein will - Gott, der sich unfassbarerweise an uns verschenken will, um es sehr vereinfacht auszudrücken (denn weder will noch kann ich hier eine theologische Abhandlung über die Eucharistie schreiben).

Und dabei ist es dann tatsächlich erst einmal unwichtig, ob der jeweilige Priester außerhalb der Messfeier ein Heiliger ist oder... naja... eben nicht. Ebenso unwichtig ist es, ob er eine anspruchsvolle Predigt hält oder im copy/paste-Verfahren eine mittelmäßige Predigt aus dem Internet geklaut hat, ob er nuschelt oder mit einem schwer verständlichen Akzent spricht.

Wichtig ist, wie der Lehrer so richtig sagte, sich in die Messe selbst zu vertiefen, alle Empörungsdiskussionen auszuschalten, und damit Gottes Einladung zu folgen.

Soll das heißen, dass ich mir wünschte, die Missbräuche wären nie ans Licht gekommen, und da es nun eben doch so ist, dass sie möglichst schnell unter den Teppich gekehrt würden?

Natürlich nicht.

Natürlich müssen alle Missbräuche vollständig aufgeklärt werden, und natürlich muss wirklich alles getan werden, um sie in Zukunft schon im Ansatz zu verhindern.

Aber wer sich vom durchaus vorhandenen innerkirchlichen Schweinestall vom Besuch der Messe abhalten lässt - vielleicht sogar, um "Kirche" einen Denkzettel zu verpassen - der sollte noch einmal nachdenken. Letztendlich schadet er damit weniger "Kirche" als sich selbst.

Samstag, 23. Februar 2019

Was mich bewegt... Suppenküche


Ich ging am späten Nachmittag auf unseren Hauptbahnhof zu und sah auf dem Vorplatz einen kleinen Lieferwagen stehen, die Seitentüre weit geöffnet, von Menschen umringt, während immer noch mehr von allen Seiten auf den Wagen zuströmten.
"Gibt's da was umsonst?"
dachte ich bei mir.

Ja, es gab etwas umsonst. Aber anders, als ich es mir vorgestellt hatte:

Als ich näher kam, sah ich, dass an der geöffneten Seitentüre des Wagens mit der Aufschrift "Caritas" Kleidung ausgegeben wurde. Menschen, viele sicher Obdachlose, die im Bahnhofsviertel "wohnten", standen an um ein Paar Schuhe, oder eine warme Jacke.

Auch die hintere Doppeltüre des Wagens war weit geöffnet. Dort wurde Suppe in Plastikschalen ausgeschenkt, Kaffee und Brot wurde angeboten. Die Menschen standen um den Wagen herum und löffelten hungrig die dampfende Suppe oder tranken ihren Kaffee.

Es waren sehr viele Menschen, die dort standen, die kamen und gingen und um Essen baten oder um ein Kleidungsstück.

In meiner Heimatstadt. Mitten in Deutschland.

Nicht im Jahr 1929. Sondern heute.

Montag, 18. Februar 2019

Campingbrötchen


In der Bäckerei.
"Zwei von den Brötchen dort, bitte."
"Ah, zwei Campingbrötchen."
"Und wieso CAMPINGbrötchen?"
"Weil da Butter drin ist."
"Aber was hat die Butter damit zu tun?" 
"Weil das nach Camping schmeckt."
"Wieso schmeckt Butter nach Camping?"
"Na, wegen Holland."
Nachvollziehbar. Zumindest für den Niederrheiner.

Samstag, 16. Februar 2019

Was mich bewegt... Smartphonekurbel


Im Bus saß eine Frau. Der Mantel pink. Der Kopfhörer pink. Von ihm führte eine pinkfarbene Schnur in ihr pinkfarbenes Smartphone, das sie vor sich hielt.

Sie tippte etwas aufs Display, wartete eine Weile, dann machte sie mit der rechten Hand eine Kurbelbewegung neben dem Smartphone. So ging das während der ganzen Fahrt: Tippen, schauen, warten, an der unsichtbaren Kurbel drehen.

Ihr Zeigefinger war dick bandagiert. Offensichtlich sind unsichtbare Smartphonekurbeln nicht ungefährlich.

Zuerst glaubte ich, sie habe vielleicht das Äquivalent einer Kurbeltaschenlampe, wie sie bei IKEA verkauft werden. Aber das war Unsinn: Strom kann man nur mit einer sichtbaren Kurbel erzeugen.

Dann verstand ich: Es war eine Internetkurbel!

Das Internet ist unsichtbar. Also macht es Sinn, es auch mit einer unsichtbaren Kurbel anzutreiben und zu beschleunigen.

Seit ich das gesehen habe, weiß ich: Ich will auch eine Smartphonekurbel!

(Aber ich werde besser auf meine Finger achtgeben als die Dame in Pink.)

Freitag, 15. Februar 2019

Was mich bewegt... Bücherdenken


An meiner Lieblingsbuchhandlung kann ich selten vorübergehen, ohne wenigstens die Neuerscheinungen im Schaufenster zu studieren.

Und steht man einmal dort, kann man auch hineingehen. Und einmal drinnen, wandern die Augen wie von selbst die Regalreihen entlang.
"Immer schön, wenn sich jemand soviel Ruhe nimmt, dass man ihm beim Denken förmlich zusehen kann."
Ich wollte der Verkäuferin nicht die Illusionen rauben, also lachte ich nur freundlich.

Denn eigentlich denke ich nicht, wenn ich Bücherregale studiere. Es ist mehr so, dass ich ganz ruhig dastehe, die Buchrücken beobachte und mit fast schon angehaltenem Atem darauf warte, dass mir ein Buch in die geöffneten Hände springt.

Ich bin froh, dass bisher noch nie eine 10bändige Enzyklopädie der dümmsten Trump-Sprüche angeflogen kam. Das könnte dann wirklich ins Auge gehen.

Ich dachte schon, ich käme heil wieder aus der Sache raus, bis man mich auf einen Tisch voller reduzierter Restposten aufmerksam machte.

Aber ich blieb standhaft.

Mit nur 6 neuen Büchern verließ ich den Laden wenig später.

Naja, ein bisschen Schwund ist immer.