Freitag, 16. Juni 2017

Fronleichnam und die Radfahrer

Fronleichnamsprozession - gehen da eigentlich noch Leute mit? Ich meine nicht die in den paar deutschen Großstädten, wo man bequem in der Anonymität verschwinden kann, sondern jene Prozessionen in kleineren und mittelgroßen Städten, wenn man sich der Peinlichkeit aussetzen muss, von Freunden oder Kollegen dabei erkannt zu werden, wie man hinter einem Priester durch die Straßen läuft, der unter einem Baldachin eine Oblate vor sich her trägt.

Kannste eigentlich ja nicht mehr bringen, oder? Oder nicht? Oder doch?

Also, bei uns in der City (nicht die große City mit dem schnieken neuen Einkaufscenter, das die restliche Innenstadt aussterben lässt, sondern die kleinere City gleich nebenan, die früher mal eigenständige Stadt war), haben wir das gestern gemacht.

Da saßen wir auf unseren Bänken mitten auf der - abgesperrten - Straße vor dem Theater in der heißen Sonne, Alte und Junge (ja, gar nicht mal so wenige Junge, auch wenn die Alten überwogen), Eltern mit Kindern, die noch einmal stolz die Kleider und Anzüge ihrer Erstkommunion trugen, und außer Deutsch hörte man hier und da auch Polnisch und Spanisch.

Und vor uns wurde mit Pfarrer und Pater, Messdienern und Chor, eine Messe gefeiert.

Obwohl wir eine ansehnlich große Gruppe waren, erinnerte sich der Pfarrer doch auch an seine Jugendzeit als Messdiener, und an den damals rappelvoll gefüllten Marktplatz und die Prozession, die von dort zur Kirche führte. Heute hätten wir den Marktplatz nicht mehr gefüllt, und der Gang zur Kirche war, wie er es nannte, doch eher ein Prozessiönchen.

Also warum tut man sich das überhaupt noch an? Auch dazu hatte er etwas zu sagen.

Einerseits ginge es - wie er anhand eines vorangestellten Zitats von Charles Péguy erklärte - um das Gewohnheitstier Mensch und die Nichtakzeptierbarkeit einer "Gewöhnung" an die Eucharistie.

Ja, ich denke, das kann auch und vor allem jene treffen, die tatsächlich noch regelmäßig in die Messe gehen: Ein Empfang der Kommunion ohne ein Bewusstsein dafür, dass es hier wirklich Gott selber ist, der sich uns schenkt - ein Empfang der Kommunion quasi so ganz nebenbei, eben mal so mitgenommen, zwischen allgemeinem Händeschütteln, dem "kleinen Senfkorn" und einem genervten Blick auf den Schrägsänger nebenan.

Sich noch einmal bewusst machen, dass Gott unser Kumpan ist!

Wie, was? Kumpanei mit Gott? Ja, auf diese Übersetzung hätte ich selber kommen können:

Cum [lateinisch] = mit
panis = Brot

Der Kumpan ist also derjenige, der mit mir das Brot bricht.

Wow!

Als zweiten Grund nannte er uns den Terror und die Gewalt, die inzwischen auch in unsere Straßen eingedrungen sind, mit LKW und Messern, und die Hass und Angst säen wollen.

Dem können wir ein Zeichen entgegensetzen, indem wir stattdessen Gott auf die Straße und damit in die Welt tragen - und das an Fronleichnam ganz wörtlich.

Während wir dort saßen, kamen zweimal Radfahrer daher. Man muss sich das vorstellen: Sie fuhren auf dem nicht abgesperrten Radweg zwischen uns und der etwas erhöht gefeierten hl. Messe längs. Sie schauten weder rechts noch links, sie trugen Sonnenbrillen, Kappen, und Ohrstöpsel. Sie nahmen nichts von dem wahr, was gerade rechts und links von ihnen geschah, denn ansonsten hätten sie ja mindestens einen verwunderten Blick zur Seite geworfen. Stur geradeausblickend sausten sie an uns vorbei.

Es kam noch bizarrer: Ein Mann joggte vorüber. Auch er mit Kappe, Sonnenbrille und in seinem Fall überdimensionierten weißen "in"-Kopfhörern. Rechts von ihm die Messfeier. Links von ihm ca. 200 Menschen, auf Bänken sitzend, oder stehend. Er nahm nichts wahr. Schaute nicht links, schaute nicht rechts, hörte nichts, und fort war er.

Und ich denke mir, dass dies eine sehr gute Parabel ist für das tatsächliche Problem unserer Zeit:

Es sind nicht die Menschen, die Gott nicht wahrnehmen wollen, und auch nicht jene, die Gott rundheraus ablehnen. Beide hat es immer gegeben.

Unser Problem sind die vielen Menschen, die Gott nicht wahrnehmen KÖNNEN. Weil sie nicht mehr links und rechts von sich schauen können. Wie mit Scheuklappen gehen, nein rennen! sie durch ihr Leben, lassen sich vereinnahmen von der Schnellstraße vor sich, immer auf der Überholspur, immer unterwegs, angetrieben und getrieben, immer beschäftigt, unter Strom, in Bewegung - alles andere ist die Verliererstraße, wissen sie.

Wirklich?

Und dann?

Wenn die Straße zuende ist?

Was ist dann?

Montag, 5. Juni 2017

Der Sonntagseinkauf und die lustige Doppelmoral

Die Sau des "Lieschen und Otto Müller müssen auch sonntags bei Aldi geizkaufen können!" wird ja in schöner Regelmäßigkeit durch die Dörfer gehetzt. Naja, wers braucht. Bei den heutigen Öffnungszeiten an den 6 Werktagen schwer verständlich.

Ja, ja, ich weiß, jetzt geht gleich wieder das große Jammern und Protestieren los - die armen Familien, die nur sonntags Zeit haben, mal gemeinsam und in Ruhe einkaufen zu gehen... die Schichtarbeiter... die... Mensch, dann heult doch! Wenn euch für den Sonntag nichts besseres einfällt, als euch durch die Läden zu schieben, dann ist euch eh nicht zu helfen. Mein Mitleid habt ihr, also macht euch nicht nass.

Lustig finde ich aber folgende Argumentation:

Da weist jemand in der Debatte auf die vielen Verkäufer (ja, und auch die -innen) hin, die bei einer generellen Sonntagsöffnung nun tatsächlich keine Zeit mehr mit ihrer Familie verbringen könnten - denn sie hätten zwar an einem anderen Tag frei, aber was nütze das, solange Ehepartner und Kinder nun mal weiter ihren freien Tag am Sonntag hätten.

Als Antwort kam ein
"Die wussten aber doch, worauf sie sich bei ihrer Berufswahl einließen!"
Lassen wir jetzt mal die hier lässig unter den Tisch geschleuderte Tatsache weg, dass ein Verkäuferx in Deutschland bei der Berufswahl eben NICHT davon ausgehen musste, eines Tages mit ständiger Sonntagsarbeit konfrontiert zu werden, dann haben wir hier das genaue Pendant zu einer ganz anderen Situation:

Jemand äußert sein/ihr Mitleid mit den armen Pfarrern der katholischen Kirche, die aufgrund des Zölibats zur Ehelosigkeit verdammt sind.

Und darauf erhält er/sie zur Antwort:
"Die wussten aber doch, worauf sie sich bei ihrer Berufswahl einließen!"
Die Ironie an der Geschichte ist: 

Es sind nun genau jene, die eben noch unserer Verkäuferin mitleidslos und auf den eigenen Vorteil bedacht ihre Berufswahl als "selber Schuld" vorgehalten hatten, die nun empört aufschreien und losfaseln von "Kirche muss aus ihren Bahnen brechen!", "überholte Traditionen", "das konnte doch keiner ahnen, "dem Zeitgeist folgen" usw. usw. usw.

Es ist eine Doppelmoral der Tolerantissima, die einfach nur zum Lachen ist.

Sonntag, 4. Juni 2017

Lachen und Mitleid als Antwort auf das Böse

Das ist ein seltsamer Titel für einen Blogbeitrag, ich weiß. Und er ist gar nicht so leicht zu erklären. Ich will es trotzdem versuchen.

Ein erneuter Terroranschlag am gestrigen Abend. Wieder Tote, wieder Schwerverletzte, wieder viele traumatisierte Menschen.

Und trotzdem habe ich heute gelacht. Nicht über die Geschehnisse in London, das ist klar. Aber über viele andere kleine Dinge, die mir heute begegnet sind, die ich gesehen, gelesen und gehört habe.

Das hat nichts mit dem so oft beschworenen "Wir machen weiter wie bisher" zu tun, oder wie die Briten sagen würden: "Keep calm, and carry on."

Es ist auch nicht das bekannte Pfeifen im Walde, um die eigene Angst zu übertönen.

Der Mensch lacht aus Freude am Leben.

Ja, ich weiß: Das Böse lacht auch. Aber es ist ein Lachen der Häme, der Schadenfreude, und vielleicht sogar darüber, gerade "erfolgreich" Unschuldige getötet zu haben. Und damit ist es in Wirklichkeit nur eine Perversion des wahren - menschlichen - Lachens.

Denn dieses Lachen wird geboren aus unserer Lebensfreude, und die wiederum stammt aus der Hoffnung, die uns sagt, dass das Böse nicht das letzte Wort haben wird.

Mit dieser Freude und Hoffnung aber können wir dem Bösen ins Gesicht lachen. Gegen unser Lachen ist es eine armselige, stinkende Kloake furzende Widerwärtigkeit.

Und das Mitleid?

Menschen, die sich dieser Widerwärtigkeit verschrieben haben, verdienen mein Mitleid. Ich hasse ihre Taten, lieber Himmel, ja: Ich hasse das Leid, den Tod und die Verfolgung, die sie über die Menschen bringen. Aber sie selber? Warum sollte ich diese leeren Hüllen hassen? Warum sollte ich Menschen hassen, die ohne Liebe sind, ohne Freude, ohne Hoffnung - nur angefüllt mit stinkendem Hass und einem Irrglauben an die eigene "Gerechtigkeit"? Da ist nichts übrig, das ich hassen könnte.

Wer nur noch Hass in sich trägt, ist schon tot.

Wir anderen aber, wir werden lachen. Heute. Morgen. Immer.

Wie steht es mit euch? Heute schon gelacht?

Dienstag, 23. Mai 2017

Manchester



Kein Rant, keine Wutrede.
Nur ein paar Worte und Gedanken, ganz persönlich.

Ich bin nicht wütend auf die Attentäter. Ihre Tat entsetzt mich, und sie macht mich verständnislos. Wie kann ein Mensch so hassen und jede Menschlichkeit aufgeben, wehrlose Kinder und Jugendliche brutal zu töten? Wer mit einem solchen Hass Unschuldige zu töten vermag, der hat seine Strafe schon bekommen.

Das heißt nicht, dass ich mir nicht wünsche, dass man alle Helfer und Mitverschwörer fassen möge. Aber bei diesem Wunsch geht es eher darum, die Welt anschließend ein bisschen sicherer zu wissen.

Machen wir auch nicht den Fehler, uns lustig zu machen über entzündete Kerzen, Flaggen auf Halbmast, betroffene öffentliche Statements von Politikern, und allem, was wir im Internet gerne als "Betroffenheitskultur" brandmarken.

Ja, all dies sind hilflose Gesten und Worte. Aber sie sind eine absolut menschliche Reaktion auf Taten wahnwitziger Gewalt, die unseren gesunden Menschenverstand übersteigen. Erst, wenn all diese zutiefst menschlichen Erstreaktionen nicht mehr erfolgen, werden wir ahnen können, was es heißt, abgestumpft zu sein gegen das Böse, das uns entgegenschlägt. Dann werden wir zu verstehen beginnen, wie es sich anfühlt: Die eigene Menschlichkeit zu verlieren.

Ich trauere um die Toten.
Ich trauere mit den Hinterbliebenden.
Ich trauere über den Hass in dieser Welt, der Menschen zu Bestien macht.

Montag, 22. Mai 2017

Das große Jammern einer Kommunionmutter

Wenn eine FAZ-Redakteurin Kommunionmutter wird, dann wird sie darüber schreiben:

(Nachzulesen HIER )

Genauer gesag wird sie das gleiche tun, was das Gros der Kommunionmütter tut, nur eloquenter und mit einer größeren Verbreitung:

Sie wird jammern.

Und schlimmer noch: Sie wird die Fehler im "System" bei allen suchen (und finden), außer bei sich selber.

Schauen wir uns das doch einmal etwas genauer an:

Der autoritäre Pfarrer

Dass der Pfarrer der Gemeinde schon beim ersten Infoabend sehr autoritär daherkommt - geschenkt. Das mag stimmen, oder auch nicht, eine solche Einschätzung ist Ansichtssache. Interessanter finde ich die Aussage unserer Kommunionmutter (im Folgenden der Einfachheit halber mit KoMu abgekürzt):
"Autoritär kündigt er zwölf Pflichttermine an, darunter das verbindliche Beichtgespräch und vorher jeweils den Gottesdienst. Es herrsche Anwesenheitspflicht, sonst werde das Kind nicht zur Erstkommunion zugelassen!"
Autoritär! Nein, autoritär darf ein Pfarrer natürlich nicht sein; wo kämen wir denn da hin! Und dann verordnet er auch noch "Pflichttermine" und "Anwesenheitspflicht".

Hm.... vielleicht sollte jemand unserer KoMu erklären, wie viele Kinder ohne solche "Pflichten" zu ihrer Erstkommunion erscheinen würden und vorher nie die Kirche von innen gesehen hätten.

Wir erfahren, wie die armen Eltern ganz klein wurden auf ihren Pfarrsaalstühlen, ob solch klerikaler Autoritätsausübung. Fast sieht man es bildlich vor sich: Die Mamas und Papas, die sich zitternd und bebend im autoritären Kanonendonner der Pfarrerstimme unter den Tischen verkriechen.

Sind das die gleichen Eltern, vor deren Besuchen heute schon Grundschullehrer Angstzustände bekommen, weil sie von diesen beschimpft, bedroht und mit Klageschriften überzogen werden, wenn der Sohn oder die Tochter eine wohlverdiente "5" erhalten hat?

Sei's drum.

"katholisch sozialisiert"

Von sich selber sagt unsere KoMu, sie sei "katholisch sozialisiert". Sie glaubt an Gott, aber nicht so sehr an die Kirche. Und ihr Mann hält als "bekennder Agnostiker" Gott ja immerhin noch für möglich. Der Sohn soll sich in beiderseitigem Einverständnis, wegen der bewegten politischen Zeiten,  der Orientierung, und  unserer christlichen Kultur, jedenfalls mit der Religion auseinandersetzen.

Mit Religion auseinandersetzen....

Naja, kann man so machen...

Aber keiner macht es recht. Jedenfalls nicht in den Augen unserer KoMu.

Die dumme Erzieherin

Die "Bibel-Viertelstündchen" der Erzieherin im Kindergarten machten nicht etwa einen frommen Katholiken aus dem Sohn, wie die dumme Erzieherin wohl glaubte, sondern weckten nur dessen "kindliche Faszination an grenzwertigen Gruselthemen".

Lustigerweise hörte ich erst gestern die Geschichte eines Mannes über seine Kinderbibel, die er sich genau deshalb ausgesucht hatte, weil sie nicht den üblichen süßlichen Kinderbibelkitsch anbot, sondern in ihren Illustrationen seine "kindliche Faszination an grenzwertigen Gruselthemen" hervorrief. Oder in einfachen Worten: Die Bibel war einfach cool! Dieser Mann ist heute übrigens gläubiger Christ.

Gottesdienste ohne Lametta

Nächster Klagepunkt sind die Gottesdienste. Der Pfarrer spricht mit osteuropäischem Akzent. Seine Messe ist feierlich, aber Tiefgang hätten seine Predigten selten.

Ach je. Mehr Tiefgang. Und früher war mehr Lametta, gell?

Ok, sachlich bleiben. *amRiemenreiß* Also einmal sachlich gefragt: Kann es sein, dass eine Predigt, der eine FAZ-Redakteurin "Tiefgang" zugestehen würde, für das restliche Kirchenvolk weitestgehend unverständlich bliebe?

Aber gut - gehen wir einfach mal davon aus, dass es stimmt: Der Pfarrer versteht es nicht, die Kinder, oder vielleicht sogar die ganze Gemeinde, zu "packen". Seine Gottesdienste und Messen sind nicht dazu angetan, die Kinder für die Kirche zu gewinnen. Sagen wir also einfach mal: Isso.

Die Zumutung

Aber nun wird es spannend: Unsere KoMu schreibt, Freunde hätten andernorts mehr Glück und würden von "sympatischen Pfarrern" und "kindgerechten Predigten" erzählen. "Pech gehabt", sagt man ihr, in Bezug auf ihren eigenen Pfarrer. Aber sie erfährt auch von der "charismatischen Religionslehrerin" (ach, nee, ich frag' jetzt besser nicht), dass es einen Pfarrer "B" gäbe, dessen großartige Kindergottesdienste man unbedingt empfehlen könne.
"Der predigt leider eine halbe Autostunde von uns entfernt."

Ja, das ist jetzt blöd. Klar, unsere KoMu möchte unbedingt, dass ihr Sohn sich mit Religion auseinandersetzt, so von wegen der Kultur und den politischen Zeiten und überhaupt, und er soll auch gerne zur Kirche gehen wollen. Aber dafür jetzt gleich eine ganze halbe Stunde Autofahrt? Das geht natürlich zu weit. Solche Strapazen kann man als Christ nicht auf sich nehmen müssen, nur, um einen guten Gottesdienst mitfeiern zu können.

Kann man nicht?

Och, ich kenne da einige, die können das sehr wohl.
Früher bestand die Zumutung des Christentums darin, das Kreuz auf sich zu nehmen. Heute sind wir schon mit einer halben Stunden Autofahrt überfordert.

Legosteine - oder: Wie man es richtig macht


Sorge bereitet mir auch, wie in der Vorstellung unserer KoMu denn ein "großartiger Kindergottesdienst" aussehen mag. Wenn ich bei ihr von Legosteinen lese, die zum Altar gebracht werden, von Engelmädchen beim Krippenspiel, von "wir sind und bauen Kirche" (da überfällt mich sogleich eine gänsehautproduzierende Reminiszenz an eine bestimmte *hüstel* christliche Gruppierung), so lässt mich das allerdings nichts Gutes ahnen.

Kann man noch weitermachen? Ja, da gibt es noch so einiges zu bemerken, am Artikel unserer KoMu:

"Du hast doch keinen Schimmer!"

Der Kommunionunterricht im Pfarrheim taugt natürlich nichts. Die Themen seien fern der Lebenswelt der Kinder. Dass dem so ist, daran haben die Eltern natürlich keinerlei Anteil. Als der Sohn einmal in einer Hausaufgabe den Sakramenten Symbole zuordnen musste und das locker hinbekam, lesen wir die erstaunte Frage der KoMu:
„Wie das? Du hast doch keinen Schimmer?“
(Sohnemann hatte sich das Tafelbild im Unterricht eingeprägt.)
Welches Zeugnis sie sich selbst als "katholisch sozialisierte" KoMu mit dieser Frage ausstellt, scheint ihr nicht klar zu sein. Ihr Sohn, der bald zur Erstkommunion gehen wird, hat keinen Schimmer von den Sakramenten.

Aber natürlich ist das nur die Schuld des schlechten Kommunionunterrichts.

Nicht falsch verstehen - die anschließend geschilderten Versuche unserer KoMu, ihr Kind, wie sie es ausdrückt, "religiös zu begeistern", muss man anerkennen. Das ist mehr, sehr viel mehr, als von den meisten anderen KoMus zu erwarten sein dürfte.

Man meldete sich sogar zu einer Kirchenführung für die ganze Familie an. Keine Frage, diese Führung ist anscheinend wirklich suboptimal verlaufen, mit einem überforderten Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, der es wohl nicht wirklich verstand, auf die Kinder einzugehen. Allerdings sollte man seiner Erklärung, der Turm sei renovierungsbedürftig, doch bitte Glauben schenken - ich möchte den Aufschrei hören, hätte sich ein Kind beim Aufstieg verletzt.

"Wie weltfremd die Kirche ist..."

Und doch - unsere KoMu hat doch allerlei bemerkt, das in der Kirche für die Kinder anziehend gewesen wäre, schön und geheimnisvoll, oder eben auch imposant. Weshalb hat sie gewartet, bis ihr Sohn sie zu Hause in ein Gespräch verwickelte? Als Redakteurin der FAZ traue ich ihr genügend Selbstvertrauen zu, den Ausführungen des PGR-Vorsitzenden mit gezielten Fragen und Hinweisen eine andere Richtung zu geben. Stattdessen hat sie innerlich wohl schon am entsprechenden Teil ihres Artikels geschrieben.

Und ja, die Anekdote zu ihrem Patensohn ist ein starkes Stück. Aber ein solches Kabinettstücken herzunehmen, um anzuzeigen "Wie weltfremd die Kirche ist..." - das ist ungefähr so, als würde ich mit einem Foto Donald Trumps in der Hand beweisen wollen, wie unmöglich alle Amis frisiert sind.

Das Schweigen der Mutter

Zum Ende schreibt unsere KoMu:
"Mein Sohn macht Striche im Kalender und sagt: „Gott sei Dank ist bald alles vorbei.“ Nein, mein Sohn, würde ich ihm gerne sagen: Eigentlich fängt dann etwas Neues an, denn im Glauben steckt so viel Erbauliches, Tröstliches, weil die frohe Botschaft froh machen kann, durch Krisen leitet und den Abschied geliebter Menschen erträglicher macht."
Sie WÜRDE ihm gerne sagen...? Aber warum HAT sie es ihm nicht längst gesagt? Und vorgelebt?

Und weshalb sind eigentlich immer nur die anderen Schuld?

Ich nehme ihn ihr nicht ab, ihren Artikel des Jammer(n)s.

Sonntag, 21. Mai 2017

Maria und das Josefkind

Ein Pfarrer erzählte heute von einen Schulgottesdienst in der letzten Woche. Da wir im Marienmonat Mai stehen, war die Marienstatue der Kirche in den Vordergrund gerückt und mit Blumen und Kerzen geschmückt worden. Er wollte nicht nur rasch einen Gottesdienst feiern, sondern den Kindern den Marienmonat nahebringen.

Er fragte sie, ob ihnen denn auffiele, was heute in der Kirche anders sei als sonst.
"Da sind mehr Sachen.", kam es von einigen Grundschülern.
Das wollte er aber genauer wissen und fragte, was denn das für Sachen seien.
"Kerzen! Blumen!", riefen sie alle. 
Ja, ob denn das alles sei, fragte der Pfarrer. Und da sagte ein Mädchen klar und überzeugt:
"Und da sind Maria und Josef."
Da war er nun verwirrt, unser Pfarrer, und er fragte das Mädchen, wo es denn da den Josef gesehen habe.

Da lief das Mädchen nach vorne, zeigte auf das Jesuskind in Marias Armen und sagte
"Na, da!"
Nein, es hat niemand gelacht bei dieser Geschichte. Wie der Pfarrer richtig sagte:
"Das Kind kann nichts dafür. Aber wie ist es nur möglich, dass wir unsere Kinder so aufwachsen lassen, dass sie nicht einmal mehr das Jesuskind in Marias Armen erkennen?"
 Von Maria hatte dieses Mädchen - wie so viele andere auch - wohl nur in verkitschten und rührseligen Geschichten zur Weihnachtszeit gehört: Die schwangere Maria und ihr Mann Josef, die zur Hauptsaison kein Hotelzimmer mehr finden und deshalb in der Scheune schlafen müssen. Oder so ähnlich.

Später sprach der Pfarrer noch das Fest Christi Himmelfahrt an, das wir am kommenden Donnerstag feiern. Er sagte, in diesem Jahr lautete der Kalendereintrag zum ersten Mal nicht mehr Christi Himmelfahrt. Stattdessen stünde da "Brückentag". Er fragte in die voll besetzte Kirche hinein:
"Na, Hand aufs Herz: Wer von euch wird das lange Wochenende zum Wegfahren nutzen, statt den Tag hier  mit uns festlich zu begehen? Wird es sich überhaupt lohnen, die Kirche an diesem Tag zu öffnen?"
 War das der Inhalt seiner heutigen Predigt gewesen? Nein. Er hatte vom heutigen Tagesevangelium gesprochen, und auch von Augustinus und seinem berühmten Satz
"Liebe, und dann tue, was du willst."
 Ja, ja, Augustins. Den wird jetzt mancher, der hier mitliest, wieder mit Freuden falsch verstehen:

Da seht ihr's! Ihr heute mit euren Regeln und Gesetzen aus dem Mittelalter! Die Kirchenväter wussten es besser: Wir alle haben die Freiheit, nach unserem eigenen Gusto zu leben und glücklich zu werden - zu tun, was immer wir wollen.

Äh... ja. Nur habt ihr dabei die Sache mit der Liebe gerade völlig vergessen:

LIEBE, und DANN tue, was du willst.

Was heißt das?

Ganz einfach:

ZUERST müsst ihr folgendes tun:

- LIEBT Gott
- LIEBT euch selbst
- LIEBT eure Nächsten
- LIEBT eure Feinde

DANN - und auch wirklich erst DANN:

TUT, was ihr wollt.

Nur, wenn er die Liebe hat, hat der Mensch auch die wahre Freiheit, die ihn erst zum Menschen macht. 

Um noch einmal zu unserem Pfarrer zurückzukehren - dass der Mann bei allem trotzigen Optimismus einen enormen Frust "schiebt", war erkennbar. Und wie denn auch nicht?

Unser Abendland wollen sie retten, die vielen da draußen, die doch einen Bogen um die Sonntagsmessen machen, wie der Teufel ums Weihwasser.

Den Islamismus wollen sie zurückdrängen in unserem Land, die Politiker und Richter, doch es fällt ihnen besseres nicht ein, als weltweit freiwillig getragene Kreuze und Kippas in einen Topf zu werfen mit dem von vielen Frauen nur unter Zwang getragenen Kopftuch oder Chador, und unter dem Mantel der "religiösen Neutralität" ein Generalvebot zu erteilen.

Ihr Kinder vor dem Mumpitz schützen, das wollen jene Eltern, die mit Erfolg die Abschaffung des Religionsunterrichts an den Schulen weiter vorantreiben. Die Kinder sollen in diesen Stunden lieber etwas "Gescheites" lernen.

Man muss sie bewundern, die Pfarrer und Priester im heutigen Deutschland. Dass sie in einem derartigen Klima von Apathie, Gleichgültigkeit und Verachtung nicht längst das Handtuch geworfen haben.

Wahrscheinlich hat es irgendwas mit Liebe zu tun.

Montag, 8. Mai 2017

Der größte gemeinsame Teiler

IST DIE MENSCHLICHE DUMMHEIT!!!

Was die nicht alles teilt, vorzugsweise im Internet, und dort auf Facebook, das macht sprachlos.

Die offensichtlichsten Fakes, die hahnebüchensten Stories - sie alle werden mit einer Freigiebigkeit geteilt, dass man den Leuten zurufen möchte:
"Nehmt doch auch selber einmal etwas an! Vernunft, zum Beispiel!"
Seit einigen Stunden schwirrt eine Meldung durch Facebook. Man muss sich die Geschichte auf der Zunge zergehen lassen (nein, ich werde den Link hier NICHT teilen!):

Da posten - angeblich - die Eltern des 23jährigen F.S. und der 25jährigen L.S. einen "Fahndungsaufruf" nach ihren Kindern. Es werden Fotos der beiden eingstellt, mit vollem Namen und auch die Automarke samt KfZ-Zeichen darf nicht fehlen. Wir erfahren, dass beide ihren Arbeitsplätzen ferngeblieben sind, und auch, dass Sohnemanns Arbeitsplatz bei der Bundeswehr ist (als Beweis dient ein Foto von ihm im entsprechenden Outfit).

Die - angeblichen - Eltern bitten darum, ihren Aufruf zu teilen, auch in europäischen Nachbarländern, und bei Sichtung eine PN zu schicken.

Im Aufruf an L. und F. dann die Versicherung, man sei den Kindern ja überhaupt nicht böse, mache sich aber solche Sorgen, und der Sohn möge doch bitte wenigstens einen Zweizeiler an seine Vorgesetzten schicken und den Dienst quittieren [ja, ohne Scheiß, das steht da]. Die Eltern hätten ja gar nichts gegen eine gemeinsame Auszeit, und die Liebe sei ja auch so schön... Herzchen, Bussi, Bussi.

Dieses Posting, man glaubt es kaum, wird seitdem unhinterfragt nicht im Minuten- sondern im Sekundentakt geteilt und für unsere Nachbarländer übersetzt.

Ich habe dann einmal - zusammen mit einer zweiten Stimme der Vernunft - vorsichtig angemahnt, wie übergriffig und gefährlich dieser Post wäre, falls es diese beiden Personen denn wirklich gebe, und dass es sich hier wirklich bestenfalls um einen reinen Fake handeln könnte.

Die erste Antwort einer Userin war
"Und warum sollte jemand so was erfinden?"
Kinder, Kinder, die Frage muss man erst mal sacken lassen. Wo war diese Frau bis heute? Im Keller, die Kartoffeln zählen, und heute hat man sie zum ersten Mal ans Licht gelassen?

Da stellen wir uns doch mal ganz dumm und fragen: 
Ja, warum macht denn einer so was - Fakes in die Welt setzen, Computerviren verteilen, Menschen an der Nase herumführen, Accounts hacken etc.?
Die Antwort ist ganz einfach:
Weil. Er. Es. Kann.
Und weil es Spaß macht. Jedenfalls solchen Menschen.
Aber dann folgte natürlich - abgesehen von mehr oder weniger gelungenen Beleidigungen - DIE ultimative Frage mit versteckter Anklage:
"Haben sie Kinder?" 
Da sich gleich mehrere diesbezüglich in der deutschen Groß-/Kleinschreibung nicht auszukennen schienen und also das "Andrede-Sie" klein schrieben, antwortete ich mit
"Ich weiß nicht. Haben sie? Das wäre dann ja schnell gegangen."
War natürlich vergeblich. Wusste ich vorher. Dummheit mit Ironie zu begegnen ist wie guten Single Malt an Leute auszuschenken, die nur Whisky-Cola trinken.

Aber jetzt mal ernsthaft: Da kommt wirklich niemand von diesen Teilern einmal auf die Idee, sich für eine halbe Minute hinzusetzen und über die Frage nachzudenken
"Macht das Sinn?"
Die - angeblichen - Kinder sind volljährig. FALLS diese Geschichte wirklich so stimmen sollte - na, die Kinder werden sich bedanken, dass die Mamas und Papas ihre Dummheit in bester "public shaming"-Manier als Sau durch das weltweite virtuelle Dorf getrieben haben.

Und wenn sie nicht stimmt, die Geschichte, aber die Personen sind echt - wer will ihnen hier im besten Fall einen bösen Streich spielen oder bezweckt mit dieser öffentlichen "Fahndung" womöglich weit schlimmeres?

Vom Bruch der Privatsphäre mal ganz zu schweigen.

Leute, bitte, bitte, bitte - wenn noch ein Restlein Verstand bei euch vorhanden sein sollte:

Erst denken - DANN teilen! Und bei Zweifeln im Internet recherchieren, ob die Story, die ihr da teilen wollt, reell ist. 

Eine gute Hilfe kann hier z.B. diese Seite sein:

  Ach so, ein Tipp noch zum Abschluss:
Mit dem Einschalten des Computers das Hirn abzuschalten,
ist irgendwie nicht so klug.

Montag, 1. Mai 2017

Wider den Hype

Facebook scheint aufgegeben zu haben, der Flut der verschiedenen "Gender" noch Herr... äh... Frau... äh... Neutrum werden zu wollen. Sie sagen sich wohl, es möge doch jeder nach eigener Facon glücklich werden und erlauben die Auswahl zwischen "männlich", "weiblich" und einem vom Nutzer selbst zu definierenden Geschlecht. Nachvollziehbar.

Es werden ja auch ständig neue Buchstaben hinzugefügt. Meines Wissens sind wir derzeit bei
LGBTQQIA
(= lesbian, gay, bisexual, transgender, queer, questioning, intersex and allies)
Nein, ich plane hier keinen "Rant" gegen die Genderdebatte. Ich halte sie, offen gestanden, für einen Hype, ausgelöst von Stars und Sternchen, hüben wie drüben, die offensichtlich der Meinung sind, wer nicht mindestens "bi" ist, der könne nicht normal sein.

Man verstehe mich bitte recht: Ich streite nicht die Existenz von LGBTQQIA ab, sondern ich wehre mich gegen den Hype, der inzwischen irrwitzige Auswüchse annimmt. Schon Kinder behaupten heutzutage von sich, im falschen Körper zu stecken. Auf einige mag das zutreffen. Aber wie viele andere sind nur von dem Hype beeinflusst, der um sie herum vor sich geht?

Ein kleines Mädchen, das auf Bäume klettert und mit Legosteinen bastelt. Ein Junge, der mit Puppen spielt und beim Kochen hilft.

Sind die beiden nun "Transgender", wenn sie eines Tages jeweils ausrufen "Ich will ein Mädchen/Junge sein!"?

ODER sind sie damit nicht vielleicht doch eher der Hinweis darauf, wie eingefahren unser Geschlechterbild in Wirklichkeit noch heute ist?

Ein "echter Junge" - der klettert auf Bäume, der bastelt mit Legosteinen, der liebt seine Eisenbahn.
Als Mann kämpft er, setzt sich durch, haut auf den Tisch, wird auch mal laut.

Ein "echtes Mädchen" - das liebt rosa Tüllröcke, spielt mit Barbiepuppen, und will später Prinzessin oder Model werden.
Als Frau ist sie süß, schüchtern, zurückhaltend.

Ich sehe, wie viele jetzt den Kopf schütteln werden. Sie werden sagen "Das ist Unsinn, so ein altertümliches Weltbild haben wir doch schon lange nicht mehr.".

Denen halte ich entgegen:

Dann wendet doch bitte die oben angeführten Charaktereigenschaften von Mann und Frau einmal auf das andere Geschlecht an und überlegt euch, wie solche Menschen in unserer Gesellschaft gesehen werden.

Ich sag's euch:

Der Mann: Als Weichei, Leisetreter, Muttersöhnchen
Die Frau: Als machtgierige Zicke mit PMS.

Wenn da so manches Kind - damals wie heute - den Wunsch äußert "Ich will ein Junge/Mädchen sein!", dann liegt das meiner bescheidenen Ansicht nach selten an "Transgender" und wesentlich häufiger an unserem festgefahrenen und in sehr engen Schubladen steckengebliebenen Frauen- und Männerbild.

Das ist das Problem, oder? Immer regen wir uns über die falschen Dinge auf, lassen uns von diesem und jenem Hype anstecken, um darauf neue Höhen der Pseudomoralität zu erklimmen, und sehen dabei den Wald vor läuter Bäumen nicht.

Es ist ja zum Auswachsen, worüber wir uns im ach so aufgeklärten "Westen" aufregen!

Da klagen einige Transgender-Menschen ihr angebliches Recht ein auf die Toilettenbenutzung des (noch?) jeweils anderen Geschlechts. Zur gleichen Zeit hängen Transgender und Homosexuelle in Saudi-Arabien an Baukränen. Worüber regen wir uns auf? Natürlich über die Scheißhäuser!

Ein Bundespräsident von Österreich meinte kürzlich, er sähe den Tag kommen, an dem alle westlichen Frauen Kopftuch tragen müssten, und zwar aus Solidarität mit den unter der um sich greifenden Islamophobie leidenen Muslimas. Gleichzeitig kämpfen Frauen im Iran seit Jahren gegen den ihnen aufgezwungenen Hijab und werden dafür von einer sogenannten "morality police" von der Straße weg verhaftet und mit Schlägen und Schlimmerem bestraft. Worüber regen wir uns auf? Natürlich über den gequirlten BS eines van der Bellen!

(Nebenbei: wenn schon Solidarität, warum dann nicht von Mann UND Frau - so mancher Mann könnte im Chador doch nur gewinnen!)

Wir empören uns über Verunglimpfungen Erdowahns an die Adresse Angela Merkels. (Ich werde dem Türkendiktator nicht den Gefallen tun, auch nur eine davon hier zu wiederholen.) Doch wer regt sich auf über die ebenfalls herabsetzende Bezeichnung der Bundeskanzlerin als "Mutti Merkel", zu der sich sogar einige unserer Medien in der Vergangenheit verstiegen? Keine Sau. Und auch kein Eber. Oder was immer noch dazwischen liegt.

Naja, jeder Hype hat einen Anfang und damit auch ein Ende.

Nur die menschliche Dummheit - die währt ewiglich.

Dienstag, 25. April 2017

Erdogan - der umjubelte Enteigner

Heute erfuhr ich in einem Gespräch mit Menschen, die sich aus erster Hand in der Türkei auskennen, dass dort in großer Zahl Firmen enteignet und ihr Vermögen an Erdogan... äh... den Staat überschrieben werden. Davon hörte ich zum ersten Mal. Also habe ich anschließend nach weiteren zuverlässigen Quellen gesucht, diesmal im Internet, um nähere Informationen zu bekommen.

Nein, ein Geheimnis ist es nicht, dem ich da auf die Spur gekommen bin. Aber wenn mir bis heute nicht wirklich bewusst geworden ist, was da vor sich geht, dann ist diese Spielart des Erdo-Wahns vielleicht auch noch anderen entgangen.

Das sollten wir ändern.

Ein Artikel im Tagesspiegel schrieb schon im Oktober des vergangenen Jahres:
"Rund 300 Unternehmen hat die türkische Bankenaufsichtsbehörde übernommen, seit die Regierung am 1. September per Notstandsrecht eine entsprechende Anordnung erließ. Das Dekret sieht vor, dass die Behörde die Firmen von mutmaßlichen Gülen-Unterstützern nach Gutdünken verkaufen oder liquidieren kann. Der Verkauf hat bereits begonnen, Rechtsmittel dagegen gibt es wegen des Ausnahmezustands ohnehin nicht."
Dass es sich dabei nicht um eine kurzfristige Erscheinung, sondern um eine großangelegte "Umverteilungsmaßnahme" handelt, zeigt die FAZ mit Ihrem Artikel vom 23. Februar:
 "Andere enteignete Unternehmen bestehen weiter. Bei ihnen setzte der Staat einen „Treuhänder“ ein, in der Regel einen lokalen AKP-Funktionär, der die Branche nicht kennt, sich dafür aber das Vielfache des Gehalts des nun Enteigneten auszahlen lässt. „Sie nehmen die Firmen eine Zeitlang aus, dann gehen diese pleite“
Und hier noch ein interessanter Filmbericht von MSN aus dem Januar zum Thema:
KLICK

Ich gebe es zu, statt meinen Blogbeitrag mit "der umjubelte Enteigner" zu übertiteln, hätte ich lieber "der umjubelte Dieb" geschrieben. Aber das darf man natürlich nicht - dass wir uns also ganz richtig verstehen: Ich habe hier gerade nur geschrieben, was man eben nicht schreiben darf - niemals würde ich Herrn Erdogan als Dieb bezeichnen.

Aber recht praktisch für Erdogan... äh... den Staat und die sich gerade bereichernden Parteifunktionäre ist es ja schon, dass so viele böse Buben in der Türkei zu den reichen Unternehmern des Landes gehören. Solche Missetäter zu enteignen ist ja nur recht und billig.

Gab's das nicht eigentlich schon mal? Staatliche Enteignung einer zuvor als Bösewichter definierten Bevölkerungsgruppe?

Nee, nee, ich hör' besser auf. Das kann nur böse enden.

Samstag, 22. April 2017

F*ck you, Whataboutism!

Schon mal gehört, den Ausdruck "Whataboutism"?

Ein noch ziemlich neues Wort für etwas, das, obzwar nicht neu und in der Politik seit Jahrzehnten altbewährt, erst seit einer Weile als Totschläger in jeder Diskussionsrunde eher früher als später auftaucht.

"Whataboutism" ist die Relativierung schlechthin, ein echter Killer.

Die erste Begegnung haben viele von uns in der Kinderzeit gemacht:

Wir so: "Bäh, schon wieder Brokkoli! Das ess' ich nicht!"
Die Mutter so: "Und was ist mit den hungernden Kindern in Afrika, die froh wären, wenn sie überhaupt etwas zu essen hätten?"

Und damit waren wir beim Mitleid mit den hungernden Kindern Afrikas, und jegliche Diskussion darüber, ob es nicht doch ein anderes Gemüse zum Abendessen hätte sein können, verbot sich von selbst.

Klar, eines Tages ist uns aufgegangen, dass die hungernden Kinder in Afrika weder Vor- noch Nachteil davon hatten, ob wir unseren Brokkoli nun gegessen haben oder nicht. Und damit war das Thema - im wahrsten Wortsinne - vom Tisch.

Seit einer Weile aber ist der Brokkoli zurück, in Form eines sich gebetsmühlenartig in jeder Diskussion wiederholenden
"Und was ist mit....?"

(Auf Englisch: "And what about...?" - daher eben der Begriff "Whataboutism".)
Gerade erst bin ich wieder in einer Diskussion darauf gestoßen:

Man hatte jenen Ausschnitt der Tagesschau verlinkt, in dem Sonia Mikich vor vier Tagen einen Kommentar zur von vielen "Deutschtürken" bejahten geplanten Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei abgab. Eine - kurze - Weile war die Diskussion im Thema. Man "stritt" über den Wahlausgang, über Deutschland und sein Verhältnis zum türkischen Diktator, und man verurteilte die Todesstrafe.

Dann schlug der Whataboutism erbarmungslos zu:
"Und was ist mit den USA?"
"Und was ist mit Deutschland, mit Hessen?" [sic]
Schließlich gäbe es auch dort die Todesstrafe, und solange Deutschland dies gut heiße...

Und von diesem Momant an konnte man trefflich diskutieren:
- darüber, dass Deutschland die in einigen US-Bundesstaaten bestehende Todesstrafe keineswegs gut heißt,
- darüber, dass Deutschland diese im Gegenteil auch dort verurteilt,
- darüber, dass Deutschland die Todesstrafe generell ablehnt, ganz gleich, in welchem Land sie angewendet wird,
- darüber, dass in den USA Aktivisten seit Jahrzehnten versuchen, die Todesstrafe abzuschaffen, während sie in der Türkei gerade wieder frisch eingeführt werden soll,
- darüber, dass in Hessen die Todesstrafe zwar noch in der Landesverfassung steht, und warum das so ist, dass sie aber dank des Grundgesetzes niemals Anwendung finden könnte,
- usw... usw... usw...
Plötzlich redet kein Mensch mehr über Brokkoli... äh... will sagen, über Erdowahn und seine Pläne mit der Türkei (und eventuell unwilligen Bürgern). Die Diskussion verliert das eigentliche Thema völlig aus den Augen.

So kann man jede bisher noch so sachlich geführte Diskussion im Handstreich ad absurdum führen:
"Katzenhaare rufen bei Allergikern leider oft schwere Asthmaanfälle hervor."
"Und was ist mit Hunden, die die ganze Nacht durch bellen?"

"Es ist schrecklich, wie viele Christen derzeit weltweit unter Verfolgung leiden müssen."
"Und was ist mit den Kreuzzügen?"
Ihr merkt, was hier passiert, oder?

A prangert Missstand A an.
B kontert mit der Nennung von Missstand B, um so die Kritik von A zu relativieren:
Wegen Missstand B gibt es kein Recht, Missstand A anzuprangern.

Natürlich wird dem einen oder anderen schnell klar: Bei genauerem Hinsehen bedingen Missstand A und Missstand B einander überhaupt nicht. Ein Negativ wird nicht aufgehoben oder auch nur relativiert durch die Existenz eines zweiten Negativs, das sich auf einer anderen Zeit-, Orts- und/oder Situationsebene befindet.

Aber es ist zu spät:

Von jetzt an dreht sich die Diskussion
b) um die eigene Rechtfertigung, Missstand A trotz Missstand B anprangern zu dürfen
c) um Missstand B selbst
d) um die Versuche, den Whataboutism und seinen tödlichen Einfluss auf die Diskussion aufzuzeigen

Wer aufmerksam gelesen hat, der wird jetzt rufen:
"Hey, du hast deine Aufzählung bei b) begonnen - wo ist a) ?"

Nun ja, a) ist der Teil der Diskussion, der nicht mehr stattfindet:

Die Diskussion um Missstand A, um den es eigentlich ausschließlich hätte gehen sollen.

Diese Diskussion ist tot.

Und darum:

F*ck you, Whataboutism!

Montag, 17. April 2017

Beichte - nichts für Weicheier

Letztens las ich, der Chef vom ZdK habe gesagt, er kenne niemanden in seinem Verein, der beichten ginge.

Gut, nun kenne ich den oder das ZdK nicht so richtig - beim Googlen schwanke ich, ob es sich wohl um den Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften oder um den Zentralverband deutsches Kraftfahrzeugggewerbe handelt. Sicher gibt es in beiden Organisationen auch Katholiken, aber ob von denen wirklich niemand je zur Beichte geht? Und woher will der Chef das wissen?

Na, egal. Eigentlich plappert er ja nur nach, was man so generell zu wissen glaubt:

Beichte ist out. Sagt sogar die Kirche. Also, die in Deutschland.

Und für diese Aussage erntet sie durchause Applaus. Denn es ist doch großartig, dass sich die Katholen nicht länger zu diesem Bußgedöns verpflichtet fühlen müssen.

Äh...... Moment mal.

Kurze Pause. Schalter suchen. Denken anknipsen.

Informationsdesaster!

Zuerst zur allgemeinen Aussage kirchlicherseits, Beichte sei in Deutschland nicht mehr gefragt. Leere Beichtsstühle, vergeblich wartende Priester und so.

Nun ja, sagen wir mal so, liebe Kirche meiner Heimatstadt: Ihr macht es uns ja auch nicht gerade leicht! Wer hier nach einer vorösterlichen Beichtgelegenheit suchte, der hatte ein Problem: Ihr habt zwar alle mehr oder weniger tolle Homepages, auf denen man nachlesen kann, wann in welcher Krypta zur Fastenzeit meditativer Tanz angeboten wird (kein Scheiß, Leute!), und auch die Gottesdienstzeiten stehen online. Aber ein Wann und Wo und Ob überhaupt der Beichtgelegenheiten? Nö.

Was erwartet ihr von mir? Dass ich Karsamstag eine Tour durch die Stadt mache, von Kirche zu Kirche, in der Hoffnung, irgendwo wird schon gerade ein Priester im Beichtstuhl sitzen und auf mich warten?

Wahrscheinlich habt ihr - so denn bei euch noch eine vorösterliche Beichtgelegenheit existiert - auf diese mit einem kleinen Schild an eurer Eingangstür hingewiesen? Ich weiß, ich weiß, Internet = Neuland und so, aber ihr HABT doch eine Homepage. Warum nutzt ihr sie also nicht?

Kleiner Tipp: Die Leute nicht einladen, und dann behaupten "es wollte ja eh keiner kommen",  ist irgendwie nicht so furchtbar schlau.

Beichte wirklich nicht mehr gefragt?

Dass es auch anders geht, zeigt mir meine Nachbarstadt Neuss. Alle drei Innenstadtkirchen bieten am Karsamstag stundenlange Beichtgelegenheiten an - UND weisen darauf auch im Internet hin.

Was also tun? Achselzucken, und auf nach Neuss.

Auf der Fahrt dorthin wundert man sich: Drei Innenstadtkirchen, in ziemlich großer Nähe zueinander. Und in allen sitzen heute stundenlang Priester in ihren Beichstühlen und langweilen sich, weil niemand kommt? Das sagen doch jedenfalls alle. Dass Beichte nicht mehr gefragt ist.

Wenn das stimmt, habe ich Samstag wohl nur geträumt, dass im Münster zwei Priester in ihren Beichtstühlen saßen und ohne Pause eine Beichte nach der anderen abnahmen. Männern und Frauen jeden Alters, bis hin zu einem Teenager, die gleich noch ihren kleinen Bruder mitbrachte. Beide verschwanden nacheinander im Beichtstuhl.

Waren bestimmt auch einige aus meiner Heimatstadt darunter.

Merke: Wo das Angebot verbreitet wird, nimmt man es offensichtlich auch an.

Beichte - unangenehme Verpflichtung von gestern?

Jetzt stellt sich allerdings die Frage: Was hatten diese Menschen denn überhaupt dort verloren? Bei diesem unnötigen Bußgedöns, zu dem sie die Kirche früher mal verpflichten wollte?

Sagen wir mal so: Vielleicht haben sie verstanden, dass es nicht in erster Linie um eine Verpflichtung geht, sondern um ein großartiges Angebot, das dem Menschen mit der Beichte gemacht wird. Und zwar nicht von der Kirche, sondern direkt von Gott!

Schon mal was verbockt? Also, so richtig? Und einem anderen Menschen damit wehgetan? So richtig richtig richtig wehgetan? Und dann irgendwann zu dem Menschen hin und gesagt "Ich weiß, ich hab' Mist gebaut, es tut mir leid, bitte entschuldige!"? Und gezittert, ob der/die andere wohl verzeihen würde? Und vielleicht erlebt, dass er/sie es nicht konnte? Und gehört "scher' dich weg; mit dir will ich nichts mehr zu tun haben!"?

Bestimmt, oder? Menschlich halt.

Beichte ist anders. Weil göttlich. Wenn du es da aufrichtig meinst mit deinem "Es tut mir leid.", dann wird dir auch vergeben. Einfach so.

Gut, okay, das ist natürlich der einzige Haken an der Sache: Die Aufrichtigkeit. Einfach sagen "Es tut mir leid.", möglichst mit treuherzigem Augenaufschlag, es aber nicht so meinen - das funktioniert vielleicht dem einen oder anderen Mitmenschen gegenüber, aber "der da oben", der weiß natürlich, ob es dir ernst ist oder nicht. Da muss die Reue schon echt sein. Und das ist freilich nichts für Weicheier.

Auf der anderen Seite: Warum solltest du heutzutage zur Beichte gehen, wenn dich all der Kram, den du dir geleistet hast, nicht drücken würde? Dann könntest du zu Hause bleiben. Aber wenn er dich drückt, dann bereust du ihn auch, und willst die Dinge ändern - ja, und damit hast du tatsächlich schon nicht nur die halbe, sondern gleich die ganze Miete zu einer "erfolgreichen" Beichte beeinander.

So einfach ist das.

Göttlich eben

Ist das nicht irre? Da heißt es nicht etwa "Jetzt hast du den gleichen Mist schon zum zweiten Mal verbrochen! Einmal vergebe ich dir noch, aber beim dritten Mal brauchst du hier gar nicht mehr anzutanzen; dann will ich dich hier nie mehr sehen!". Nein, du darfst und sollst (!) immer wieder kommen.

Ist sie nicht völlig unglaublich, unmöglich und verrückt, diese Sache mit der Barmherzigkeit und der Beichte?

"Vergeben und vergessen." Immer wieder. 

Göttlich eben.

Sowas auszuschlagen, ist eigentlich ziemlich dumm, oder?


Dienstag, 11. April 2017

Lethargie - oder: Das große Schweigen - und was das mit der Karwoche und Ostern zu tun hat

Mein Blog ist schweigsam geworden in letzter Zeit. Wie ein anderer Blogger kürzlich bemerkte: Man ist resigniert. Lethargisch. Warom bloggen? Warum anschreiben gegen die Gleichgültigkeit, die Unvernunft, das Nicht-wissen-wollen, und gegen den um sich greifenden Pöbel des Internets und der Offline-Gesellschaft?

Stattdessen: Schweigen. Verstummen vor der gefühlten Sinnlosigkeit.

Ein Thema taucht auf, das mich berührt, eine Nachricht, die schockiert. Erster Impuls: Darüber schreiben. Dann der Gedanke: "Wozu?" Die meiner Meinung sind, werden mir applaudieren. Brauche ich das? Nein. Die nicht hören wollen, werden weiterhin weghören, die Pöbler weiter pöbeln, die Hasser weiter hassen, die Unrefektierten weiter ohne Nachdenken ihren geistigen Bodensatz verteidigen. Also lass' ich es.

Lethargie. Sinnverlust.

Passend zur Karwoche.

Nein, nicht der Karwoche im Hier und Jetzt. Wen in Deutschland, bis auf ein kleines Grüppchen Glaubensbekloppter, kümmert es denn, dass wir uns in jener Jahreszeit befinden, welche die Kirche als "Karwoche" bezeichnet? Kommt schon, Leute, ehrlich mal: Es ist der Endspurt vor Ostern, die letzten Arbeitstage vor dem langen Wochenende oder der Urlaubswoche, vor dem Ausschlafen und dem ausgiebigen Schlemmen im Restaurant an Karfreitag, oder vielleicht beschert uns der Wettergott zum Freitag sogar schon Grillwetter!

Eigentlich auch heute: Lethargie. Sinnverlust. Anders halt.

Aber damals, vor rund 2.000 Jahren: Der ultimative Sinnverlust:

Da ist er, der König, der Messias, der große Prophet, Christus, Sohn Gottes. Ihm und an ihn haben sie geglaubt. Und sich um ihn geschart. Und nun? Verraten und verkauft, von einem kleinen Statthalter verurteilt. Geschlagen, bespuckt, verspottet, ein elender Anblick, wie er da durch die Stadt getrieben wird, um gekreuzigt zu werden. Und er stirbt. Kann sich selbst nicht helfen, dieser angebliche Messias. Wird begraben. Da habt ihr euren großen König, ihr Idioten. Und jetzt geht nach Hause und haltet das Maul!

Und sie gehen nach Hause. Sitzen da. Traurig und ängstlich. Und stumm. Alles, woran sie geglaubt und worauf sie vertraut haben, hat sich als Irrtum erwiesen.

Lethargie. Sinnverlust.

Hier müsste die Geschichte enden. Bis hierher ist sie logisch nachvollziehbar. Falschen Propheten begegnen wir doch bis heute immer wieder.

Aber die Geschichte geht weiter. Spricht von Frauen, die ein leeres Grab finden, von Engeln, von Begegnungen mit einem auferstandenen Jesus.

Ammenmärchen! Erzählt mir doch nichts! Wer soll das denn glauben!

Und doch. Seltsam ist es schon. Plötzlich war die Lethargie gebrochen, der Sinn wiedergefunden. Die Ängstlichen und Enttäuschten, die traurig Verstummten - sie zogen in die Welt und verbreiteten eine Geschichte. Obwohl sie dafür alles andere als fürstliche Entlohnung zu erwarten hatten.

Allen Anfeindungen zum Trotz.

Kaum zu glauben.
Oder?


Montag, 27. März 2017

Die Andere auf dem Foto

"Weise Sprüche" - so freute sich ein Freund heute über meinen Kommentar zu seinem bei Facebook geposteten Foto.

Ob er nun so weise war, weiß ich nicht - der Kommentar kam mir, als der Freund unter seinem Foto schrieb:
"Wurde von einem guten Freund geknipst. Jemand, der mich kennt und meint, das passe.
Ich selbst - na, ich weiß nicht. Das Foto gefällt mir. Aber ob ich das bin...?"
Ich antwortete
"Kein Mensch kann sein, wer er auf einem Foto war."
Der Satz war da, ohne dass ich ihn genau hätte erklären können. Und seitdem denke ich darauf herum, als würde ich einen Kaugummi immer wieder unter der Tischkante hervorholen, um weiter darauf herumzukauen.

Ich glaube, ich weiß jetzt, was ich im Kopf hatte, als dieser Satz entstand.

Selber bin ich nicht gerne auf Fotos. Dieser Mensch auf den Bildern soll ich sein? Er ist hübscher oder hässlicher, älter oder jünger, alberner oder ernster, als ich mich selber empfinde. Und immer ist da etwas Fremdes an meinem Foto-Ich.

Dieses Fremde ist der Mensch, der mich fotografiert hat. Das Foto zeigt sein Bild von mir. Ich sehe mich quasi im Spiegel des Anderen.

Eigentlich spannend. Kann ich dabei mehr über mich lernen, oder mehr über den Anderen? Vielleicht sogar darüber, wie es um unsere Freundschaft steht?

Jedenfalls ist mir nun klar, warum ich die Gesichter der Single-Selfies als eine öde Leere wahrnehme: Sie schauen nur in den eigenen Spiegel, sehen sich nur durch das eigene Ich.

Wie langweilig.

Sonntag, 5. März 2017

Hamburg

Nun habe ich ja per se nichts gegen Karneval, aber man kann ein "langes Wochenende" eben auch anders verbringen. In Hamburg zum Beispiel...


Wenige Schritte vom Bahnhof steht man vor Heidi. Nein, nicht Klum - GOTTSEIDANK! - sondern der wundervollen Heidi Kabel, der hier vor ihrem Ohnsorg-Theater ein Denkmal gesetzt wurde. Und womit? Mit Recht!



Das Hotel ist dann ganz nett...


vor allem der Schrankinhalt...


mit allem, was der Kaffeetrinker so braucht: 


Nur das Treppenhaus ist ein bisschen winzig. Aber man kann halt nicht alles haben.




Udo zieht den Stecker.


Diesmal sollte es unbedingt ein Besuch im http://www.miniatur-wunderland.de/ werden. Also ab in die Speicherstadt:



Und wir sind im Miniatur Wunderland von Hamburg. Die "Welt im Döschen" in Reinkultur. Und das nicht nur für Eisenbahnfans. Und einfach schön für kleine und große Kinder.

Ein Tipp: Unbedingt vorher online auf der oben verlinkten Website eine Einlasszeit reservieren. Man möchte verhindern, dass zu viele Leute gleichzeitig in der Ausstellung sind - sehr vernünftig, denn sonst wäre schnell der Spaß für alle vorbei. Aber so kann es eben auch vorkommen, dass man ohne Reservierung bis zu 2 Stunden warten muss, ehe man eingelassen wird.

Monaco befindet sich gerade in der ersten Planungsphase, wie man an den ausgelegten Bildern erkennen kann:



Also werfen wir doch lieber einen intensiven Blick auf das gerade fertiggesstellte Italien:

San Gimignano - die Stadt der Türme in der Toscana:







Klar, dass Italien nicht ohne Rom, und Rom nicht ohne den Vatican geht:









 Was die Ghostbusters im Vatican tun, hat sich mir zwar nicht erschlossen, aber sei's drum:
 



Roma Termini:



 

Rom bei Nacht:




Aber nun verlassen wir mal Italien und schauen uns ein wenig in Österreich, der Schweiz und natürlich auch Deutschland um:








Der Flughafen, mit tatsächlich startenden und landenden Fliegern:




Moin, moin, Hamburg:







So ein bisschen USA gibt es auch schon. Hier sehen wir den Moment der Ankunft Trumps (Nahaufnahme folgt):



Zum Schluss noch ein Blick auf die Speicherstadt und das Wunderland von außen:


Und natürlich die Elbphilharmonie, die sich öffend einen interessanten Blick auch auf ihr Inneres werfen lässt:






Anschließend ein Abstecher in die "Kantine":


und an den Wänden die skurrilen Mini-Miniaturwelten bestaunen:






An einem Sonntag sind die Werksttätten natürlich unbesetzt, aber sonst kann hier das Entstehen neuer Welten live beobachten:



Interessant - und mit deutlich ernsterem Hintergrund - der Diorama-Raum, der in ca. 20 Schaukästen die Geschichte Deutschlands im Kleinstausschnitt zeigt und dabei auch die traurigsten Kapitel nicht auslässt:














Nach Verlassen des Miniatur Wunderlands gibt es für den Kaffeetrinker nur ein Ziel:







Von der Speicherstadt geht es über die Brücke in die Deichstraße (wo man bei einem - echten - Bretonen übrigens sehr gut zu Abend essen kann):




Auf der Rückseite geht es auf den Nikolaifleet hinaus. (Ich muss übrigens gerade passen vor der Frage, ob es "der Fleet" oder "die Fleet" heißt.)






Am nächsten Tag dann ein Stadtbummel:













Auch ein Stadtbummler braucht mal eine Stärkung:


Auf dem Weg zum Jungfernstieg:





Blick aufs Rathaus:


Die Arkaden:


Hier kann man nicht nur goldene Löffel, sondern passend dazu gleich auch die goldene Kaffeekanne kaufen:



2. Wahl habe ich mir irgendwie anders vorgestellt:


Landungsbrücken:


Und hier die Elbphilharmonie in echt:



Und wieder zu Hause, mit dem Mitbringsel und entsprechendem Inhalt: