Montag, 22. Dezember 2014

MHD contra VD einmal anders

Klingt wie ein Fußballspiel, mein Titel. Dabei geht es um
"Mindeshaltbarkeitsdatum contra Verfallsdatum" -- aber einmal anders gesehen
Das MHD im Lebensmittelbereich - da wissen wir inzwischen: Es bedeutet eben nicht, dass der Käse oder die Farfalle am 12. Juni noch gut sind, während sie am 13. Juni in den Mülleimer gehören. Es bedeutet nur, dass Käse und Farfalle ab dem 13. Juni vielleicht in der Qualität nicht mehr hunderprozentig sind.

Für die meisten Lebensmittel haben wir das Verfallsdatum also gegen das MHD eingetauscht.

In der Trauer nicht. Trauer hat ein Verfallsdatum. Nach spätestens einem Jahr wird erwartet, dass wir sie weggeworfen haben.

Aber sie steht immer noch im Kühlschrank. Sie wird mit der Zeit weiter nach hinten geschoben, aber wenn wir etwas suchen, oder den Kühlschrank aufräumen, dann fällt sie uns wieder in die Hände. Und wir denken "Scheiße, du bist ja auch noch da!". Und wir schauen dabei schuldbewusst über unsere Schulter, ob etwa jemand gesehen hat, dass wir das klebrige Ding immer noch nicht entsorgt haben. Doch dann stellen wir es verschämt wieder zurück. Weil es inzwischen irgendwie dorthin gehört - da ganz hinten im Kühlschrank.

Wir sollten anfangen, auch die Trauer unter einem MHD zu verstehen. Sie mag in der Qualität nachlassen, und sie mag irgendwann soweit hinten im Kühlschrank stehen, dass sie gerne mal hinter den Gurken und Tomaten verschwindet, aber sie will immer noch, dass man sich gelegentlich ihrer erinnert.

Denken wir daran, dass bei den meisten Menschen solche alten Konserven im Kühlschrank herumstehen. Und dass es schwerfällt, sich endgültig davon zu trennen.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Pegida - die Holzwege der Gegner

Warnung: In diesem Beitrag wird das Wort "selbsternannte" in Opulenz zum Einsatz kommen, denn einmal - EINMAL!  - möchte auch ich mir den Spaß leisten, mit diesem rhetorischen Totschläger um mich zu werfen. Wer das nicht aushält, sollte nicht weiterlesen.

Merke: Dies ist keine Streitschrift FÜR "Pegida". Sie richtet sich ausschließlich GEGEN die Art und Weise, wie derzeit versucht wird, mit diesem neuen Phänomen (und den Menschen) umzugehen.

So, jetzt aber...

Pegida Wer? Alles Vollidioten?

Wer von euch hatte vor, sagen wir mal, einem Monat schon von "Pegida" gehört? Hand hoch! Niemand? Ich auch nicht.

Umso interessanter, wie viel die selbsternannten Beschützer demokratischer Werte heute zu wissen glauben. Wie schrieb doch einer von ihnen in der Kommentarfunktion eines Blogs:
"Wenn 10.000 Menschen in Dresden auf die Straße gehen - dann können das doch unmöglich alles Vollidioten sein!" - "Doch, können es!"
Alles Vollidioten. Okay, das macht es natürlich leicht: Vollidioten - die kann man abhaken. Mit denen muss man sich nicht beschäftigen, deren Motivationen muss man nicht hinterfragen - am besten niederknüppeln, das Pack.

Ähnlich einfach macht es sich derzeit noch das Gros unserer Politik wie auch unserer Medienlandschaft. Nur greifen sie zu anderer Rhetorik: Alles Nazis. Rechtspopulisten. Volksverhetzer. Rassisten. Ausländerfeinde. Schande für Deutschland. Mit denen muss man sich nicht beschäftigen, deren Motivationen muss man nicht hinterfragen - am besten niederknüppeln, das Pack.(Hier natürlich nicht in echt, auch wenns beliebte, aber wenigstens rhetorisch halt.)

Die Holzwege

Aber sehen wir uns die Sache jetzt bitte doch einmal nüchtern an:

Etwas ist faul im Staate Deutschland, wenn es nicht mehr die paar versprengten "Ewiggestrigen" sind, die auf den Straßen dumpfe Parolen brüllen - "Spinner gibts immer!", da sind wir uns einig - sondern wenn stattdessen Zehntausende seit mehreren Wochen in Schweigemärschen gegen eine "Islamisierung des Abendlandes" vorgehen (oder zumindest meinen, dies tun zu müssen).

Etwas ist faul im Staate Deutschland, wenn so einigen Politikern und Medienvertretern bis heute nichts besseres einfällt, als Zehntausende in der "rechtspopulistischen" Nazi-Ecke kaltzustellen (oder zumindest meinen, dies tun zu können).

Etwas ist faul im Staate Deutschland, wenn so manche Politiker und Medienvertreter mit Schaum vor dem Mund zum Kampf gegen "Pegida" aufrufen, und sich dabei doch nur als blutige Anfänger outen, die den wichtigsten Grundsatz im Kampf außer Acht lassen, der da lautet: "Kenne deinen Feind!". Denn wie anders wäre zu erklären, dass man offensichtlich nicht einmal das online frei zugängliche "Posititionspapier" der "Pegida" kennt? Da werfen selbsternannte Gewissenswächter aus Politik und Medien tränenfeuchten Auges die Frage auf, wie man (= "Pegida") mit dem Wissen über die Gräueltaten, denen Flüchtlinge in Syrien, im Irak und anderswo ausgesetzt waren, die Aufnahme dieser Flüchtlinge bekämpfen könne - während gleich Punkt 1 des besagten "Positionspapiers" lautet:
"PEGIDA ist FÜR die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten. Das ist Menschenpflicht!"
(Anm.: Ich behaupte NICHT, dass alle oder auch nur eine Mehrheit der Demonstranten diesen Punkt verinnerlicht haben - aber ich halte es für "strunzdämlich", eine Breitseite zu schießen, die so offensichtlich ins Leere läuft.)

Etwas ist faul im Staate Deutschland, wenn Demonstranten nicht mehr jedem Mikrofon nachjagen, das nicht schnell genau bei "drei" auf den Bäumen ist, um ihre Anliegen und Ansichten hineinzubrüllen, sondern wenn stattdessen vorgehaltene Mikrofone weggeschoben werden, mit Aussagen wie "Wir vertrauen euch nicht!" und "Ihr sagt sowieso nicht die Wahrheit über uns!".

Das eigentliche Problem

Ich habe über "Pegida" selbst noch kein Urteil getroffen. Von selbsternannten Meinungsbildnern - guten wie schlechten - habe ich mich in den letzten Tagen fernzuhalten versucht, denn das "BILD dir eine Meinung" möchte ich schon ganz gerne selber tun. Ich bin auch unsicher, ob es ausreicht, die Initiatoren als "Rechtspopulisten" und "Rechtsradikale" zu "entlarven" - wichtiger fände ich es, sich die zehn- bis fünfzehntausend "Normalos", die an einer solchen Demonstration teilnehmen, einmal näher anzusehen; sich mit ihnen zu beschäftigen und herauszufinden: Was hat diese Unzufriedenheit verursacht? Woher dieses Misstrauen gegen Staat und Medien?

Denn hier liegt für mich das wahre und sehr schwerwiegende Problem:

Da ist ein offensichtlich rasant anwachsender Anteil unserer Bevölkerung, der diesem Staat das Vertrauen entzogen hat, der sich von den sogenannten Volksvertretern nicht mehr vertreten fühlt, und der sich stattdessen von Politik und Medien als "verraten und verkauft" betrachtet.

Das ist gefährlich. Brandgefährlich. Und genau deshalb ist es unverantwortlich, diese schnell anwachsende "Bewegung" in einer ebenso schnell aufgezogenen Schublade ablegen zu wollen. Wir erleben hier Menschen, die Wut und Zorn gewaltfrei (hoffentlich bleibt es so) auf die Straße tragen, die sich vom Staat verraten fühlen, die das Vertrauen verloren haben, und für die Politik etwas ist, das GEGEN sie gemacht wird, statt FÜR sie. Sie alle als tumbe Nazis abzutun wäre - ich sags noch mal - brandgefährlich.

Hat sich mal jemand überlegt, was aus einer solchen Bewegung erwachsen kann, falls sie die richtige *hüstel* FÜHRung erhält?

Stattdessen mokiert man sich über den Initiator des Ganzen, bzw. darüber, dass es sich um einen ehemaligen "Knastbruder" handelt, den man schon allein deswegen nicht ernst nehmen muss........  Wie geschichtsvergessen darf man eigentlich sein?

Vorsichtiges Umdenken?

Einige Politiker haben inzwischen eingesehen, dass man diese Demonstranten nicht einfach als "rechts" abhaken und unter "müssen wir bekämpfen" ablegen darf, sondern dass es notwendig ist, sich damit auseinanderzusetzen, was diese Menschen antreibt, und wie man ihren Ängsten und ihrem Frust und ihrem Vertrauensverlust auf positive Weise begegnen kann.

Dies muss aber, wenn es Früchte tragen soll, auch selbstkritisch erfolgen! Solange stets nur "die anderen" (Parteien) Schuld sind, so wie man es bisher handhabt, wird man den Frust in der Bevölkerung nur vergrößern.

In den Medien scheint dieses - und sei es noch so zögerliche - Umdenken bisher nicht angekommen zu sein. Dort fliegen uns die "selbsternannten"-Keulen weiterhin munter und in einer Weise um die Ohren, wie ich es hier trotz meines eingangs geäußerten guten Vorsatzes nicht habe durchhalten können.

Andererseits sprach ich ja auch nur von "einigen Politikern", als es um das Umdenken ging. Bei den meisten Vertretern unseres Volkes überwiegt derzeit noch der besagte Schaum vor dem Mund.

Aber wir stehen kurz vor Weihnachten - haben wir also Hoffnung. Sie ist nötiger denn je.

Montag, 15. Dezember 2014

Blogger-Adventskalender - mein Türchen zum 15. Dezember

Was schreibt man in einem Blogger-Adventskalender zum 15. Dezember? Die sarkastische Variante ist eine Versuchung: "Leute! Nur noch wenige Tage, um die Läden auf der Geschenkejagd zu stürmen! Der Weihnachtsbraten muss bestellt und die Plätzchen müssen gebacken werden!" Adventszeit = Stresszeit.

Aber noch während mir solch stets gleiches Lamentier durch den Kopf geht, zündet ein Advent aus der Kinderzeit seine geheimnisvoll flackernden Erinnerungskerzen an... Kommt mal mit...

Es beginnt...

Advent - der begann in Omas altem Haus im Nachbarort. Dann stiegen wir eines Abends im Dunklen die Treppe zum 2. Stock hoch, zum einzigen Fenster, von dem der Weihnachtsstern zu sehen war. "Guck! Jetzt kommt bald das Christkind!"

Die perfekten Plätzchen...

Das große Backen begann: Der alte Fleischwolf wurde per Schraubstock am Tisch befestigt, und es wurde Spritzgebäck in rauhen Mengen hergestellt, Blechkiste nach Blechkiste füllte sich, die Mutter dann im Haus versteckte. ( Eine fanden wir mal im Jahr drauf zu Ostern wieder!) Immer wurde das erste Blech zu hell und der Rest zu dunkel. Immer versicherten wir ihr, gerade die Dunklen seien die leckersten. Geglaubt hat sie es nie, auch wenn es stimmte. Aber EINMAL hätte sie wohl gerne die perfekten Plätzchen gebacken. Perfekt wurden sie nie. Lecker immer.

Kalender, Kalender...

Advent ohne Adventskalender - unmöglich. Es war die einfache Version, mit dem Stück Schokolade, das nach jener Mischung aus Pappkarton und Plastik schmeckte, wie es sich für anständige Adventskalenderschokolade eben gehört, und einem Bildchen darunter. Jeden Tag haben wir vor dem Öffnen geraten, meine Schwester und ich, welches Bild wohl heute unter der Schokolade stecken würde: Eine Kerze? Ein Lebkuchenmann? Ein Stern? Sollte jemand tatsächlich richtig raten, bekam er beide Schokoladenstücke. In einem Jahr hatte ich eine Glückssträhne. Die währte so lange, bis meine Schwester entdeckte, dass ich auf der Rückseite eine schmale Öffnung gefunden hatte: Wenn da nun ein kleiner Kinderfinger die Pappe ein wenig anhob.... Sie hat danach gefühlt eine Woche nicht mit mir gesprochen. Ich habe nie behauptet, ein besonders nettes Kind gewesen zu sein.

Nikolaus...

Nikolaus gabs den ersten Teller voll "Lecker" für meine Schwester und mich - und die ersten Anlagen für späteres Verhandlungsgeschick wurden gelegt:
"Hast du deine Datteln noch?"
"Ja, was gibste?"
"Ein Blätterkrokant?"
"Zwei!"
"Ich hab doch nur noch zwei, und du magst doch gar keine Datteln!"
"Willste oder nich?"
Nein, man schenkte einander nichts. Immerhin war noch nicht Weihnachten. Und außerdem habe ich nie behauptet... naja, siehe oben.

Englische Weihnachten...

Dazwischen dann die ganz andere - weil englische - Weihnachtsfeier für alle Kinder der Familien britischer "Streitkräfte" und anderer Angestellter im britischen Hauptquartier unserer Stadt. Englische Weihnachtsfeier. Wer da mitten herausgerissen wurde aus der besinnlichen deutschen Adventszeit, der hatte das Gefühl, in einer Mischung aus Karneval, Silvester und einem komplett aus dem Ruder gelaufenen Kindergeburtstag gelandet zu sein. Man war sprachlos. Naja, eine Weile wenigstens. Aber es wurden teils lebenslange Freundschaften geschlossen: Mit Cadbury Dairy Milk Chocolate, Rowntree's Fruit Pastilles und Walkers Shortbread Fingers stehe ich bis heute in liebevoller Verbindung.

Wunschzettel...

Dann wurde es ernst: Der Wunschzettel musste geschrieben werden. Bescheiden musste er sein. Sonst brächte das Christkind gar nichts. Ja, das Christkind, das konnte leicht reden; ihm gehörte ja schon alles. So viele Wünsche. Blöde Bescheidenheit. Ist noch Papier übrig?

Anschließend wurde der Wunschzettel auf die Fensterbank gelegt; das Fenster hatte man natürlich einen Spaltweit geöffnet, damit das Christkind auch hereinfliegen und den Zettel mitnehmen konnte. Alle paar Minuten wurde ins Zimmer gerannt - der verflixte Zettel lag immer noch da! "Ich möchte das Christkind diesmal aber sooooo gerne mal sehen!!!" Natürlich wurde mir erklärt, dass es zu so neugierigen Kindern überhaupt nicht käme. Und irgendwann, seltsamerweise meist, nachdem wir alle beim Essen gesessen hatten, war er dann fort, der Wunschzettel, und zurück blieb ein goldener Schokotaler.

"Der Baum steht schief..."

Der Tannenbaum wurde kurz vor Heiligabend gekauft und in den Keller gebracht, dort, wo auch die "Aufgesetzten" lagerten, die "Papa" regelmäßig abschmecken musste.  Am 24. wurde der Baum von ihm in aller Ruhe und sehr exakt in den Christbaumständer eingepasst und zum Schmücken hoch ins Wohnzimmer getragen. Ich höre Mutter an Heiligabend immer noch meinem Vater ein "Der Baum steht schief!" zuzischen, während Vater mit schuldbewusst geröteter Nase danebenstand. Der "Aufgesetzte" stand jedes Jahr im Keller. Der Baum stand jedes Jahr schief. Und die Mutter zischte. Auch jedes Jahr.

Und nun...?

Ja, das war er, mein kleiner Ausflug in meine Adventserinnerungen. Und nun? Das große Lamento à la "Früher war mehr Lametta!"? Oder was sollte das alles? Sagen wir mal so:

Dass der Wunschzettel nicht vom Christkind geholt wurde, war recht bald klar, und die Einsicht, dass der Weihnachtsstern von einer Kornmühle stammte, stellte sich nur wenig später ein. Den Nikolaus, den mochte ich damals eh nicht; der Kerl wusste zuviel. Und dass die Adventszeit für die Erwachsenen vielfach Stress bedeutete, ja, das war auch eines Tages offensichtlich. Was ist also geblieben, abgesehen von einigen Kindheitserinnerungen?

Ein Gefühl für das Geheimnisvolle ist geblieben, ebenso wie die Gabe des Wartenkönnens und das Verständnis, wie wundervoll schon allein die Vor-Freude sein kann.

Wir meinen oft, und das nicht erst heute, dass es doch das Schönste sei, wenn alles sofort seine Erfüllung findet. Und vergessen dabei, wie erfüllend schon die Wartezeit sein kann:

Ein Treffen mit einem alten Freund.
Ein Besuch von lieben Menschen, die ich lange nicht gesehen habe.
Ein Fest, zu dem ich eingeladen bin.

Wie schön, wenn ich bis dahin jeweils noch eine Wartezeit habe! Ich kann mich darauf vorbereiten und so dafür sorgen, dass es ein wirklich besonderes Ereignis wird. Ich kann mich darauf einstimmen, durch meine Vorfreude, durch mein Nachdenken darüber, was ich mir denn von dem besonderen Tag erhoffe und wie ich meinen Teil beitragen kann, dass diese Hoffnung auch wahr wird. Und - nicht zuletzt - ich kann mich jeden Tag darüber freuen, dass das besondere Ereignis wieder ein Stück nähergerückt ist.

Das ist Advent.

Warten. Den Weg bereiten. Und vor allem: Freude!

"Freut euch!", ruft Paulus.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen freudvollen Advent!

PS: Das nächste Türchen öffnet sich morgen hier: "Totaliter Aliter"

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Mieferando! Wem da nicht übel wird...


Ehrlich mal jetzt:

Christen haben Humor, und katholische Christen schon mal gleich gar, und meiner Einer erst recht.

Es soll ja Religionen geben, die mit Humor auf ihre Kosten... *hüstel* ... so einige Probleme haben. Das kann man von den Christen nicht behaupten, und deshalb werden weiter lustige Witze auf ihre Kosten gemacht. Und deshalb gibt es ja auch so mutige Frauen, die Frauenrechte verteidigen, indem sie halbnackig im Kölner Dom auf den Altar springen und "Ich bin Gott!" rufen. (Würde ich jetzt wohl mutiger gefunden haben, wäre sie für so eine Aktion mal in den Iran geflogen und hätte das dort in einer Moschee gemacht. Aber gut, gehört nicht hierher.)

Aber bei schlechtem Geschmack - also, ich meine, bei wirklich GANZ schlechtem Geschmack! - da hört es doch irgendwo mal auf mit dem "das muss man aushalten".

Da kommt nun zur Weihnachtszeit die Firma "lieferando" mit einer Werbung daher, die soooo tief unten aus der Schublade des üblen Geschmacks gezogen wurde, dass man sich schon fast bis zum Erdkern gebuddelt haben muss:

"Ihr Rinderlein kommet" lasse ich mir ja noch gefallen. Das ist nicht wirklich gut, aber Ach!

"Jetzt Christus geliefert" - (= Jetzt kriegst du es geliefert) Phonetisch zu lesen etwa in der Art von "wasguckssu" und auch ungefähr auf der gleichen Intelligenzebene daherkommend. 

Ich weiß: Dümmer geht immer. Aber das zu unterbieten dürfte nachfolgenden Werbetextern schwer fallen.

Aber damit allein hat Mieferando sich in seiner Jahresendfestwerbung nicht begnügt:
Da wird uns auch noch ein Weihnachtsmann präsentiert (ob man das mal dem Coca-Cola-Konzern melden sollte?), der neben einem fast leeren Pizzakarton auf der Erde liegend eingeschlafen ist und in der Inszenierung arg an einen Obdachlosen erinnert:


"Samstag ist es soweit!" steht darüber. Was wohl gemeint ist? Das Nikolausfest sicher nicht. Also vielleicht die dritte Werbestufe von Mieferando, gezündet am Samstag, mit dem Anspruch, sich selbst noch einmal zu unterbieten? Man darf gespannt bleiben.

Die Wartezeit bis dahin können wir uns verkürzen:
 
Hier haben wir mal die Emailadresse von Mieferando:
info@lieferando.de 

Besser noch, sie sind auch auf Facebook vertreten:
https://www.facebook.com/lieferando?fref=ts

Also, ich will ja nix gesacht haben, aber man KÖNNTE denen bis Samstag einfach mal schreiben, wie toll wir alle ihre neue Werbung finden.


Sonntag, 30. November 2014

ADVENTSKALENDER 2014


So, nun nimmt er also Gestalt an, unser Blogger-Adventskalender, den ich gestern bereits mit diesem Text angekündigt hatte:

Wenn ein Blogger am 28. November auf die Idee kommt
Wir könnten doch eigentlich einen Adventskalender der Blogoezese erstellen
und in die Runde fragt
Finden sich 24 Blogger, von denen jeder jeweils einen Beitrag leistet?
dann ist es schon beeindruckend, wenn wenige Stunden später die Liste vollständig ist und sich die ersten bereits ans Werk machen.

Der erste Beitrag - zum heutigen 1.Adventsonntag - gebührt selbstverständlich der Bloggerin, von der dieser geniale Einfall stammt. Hier ist er zu finden:

5 Brote 2 Fische

Heute, am 01. Dezember, gibt es also den Link zum ersten Türchen... äh... Blogger, und der Rest wird Tag für Tag folgen. Viel Spaß! (Apropos: Meiner Einer wird auch mit einem Beitrag vertreten sein.)


"Das hörende Herz"

"Kalliope Vorleserin"



"JoBo72's Weblog"

"Laura Sion"


"Lara liest"

"Steh auf! Nikolaus!"


"Kephas"

"Katholon"

"Die katholische Seite"

"Demut Jetzt"

"Huhn meets Ei"

"Rosenkranz Atelier"


"O crux ave spes unica"

"Weihrausch und Gnadenvergiftung"

Mein Beitrag

"Totaliter aliter"

"Jahr des Glaubens"

"Testimonium gaudii"

"Thomasleser"

"Kirche in der Heide"

"Rosenkranzbeten"

"Angie Kamlage"

"medio in mundo"

"Braut des Lammes"




Samstag, 29. November 2014

Mal nachgedacht...

Da gab es diesen Artikel in der Rheinischen Post:
RP Artikel
Nein, ich werde mich jetzt nicht darüber aufregen oder gegen die Frau in Großbritannien wettern, die während ihrer Schwangerschaft nicht und nicht zu überzeugen war, die Finger vom Alkohol zu lassen und die in der Folge ein behindertes Kind zur Welt brachte.
Ist das Körperverletzung oder gar versuchter Totschlag?
lautet die Frage, mit der sich dort das Gericht auseinandersetzen und entscheiden muss, ob dem behinderten Kind Gelder aus einem Opferfonds für Gewaltverbrechen zustehen. 

Das sollen also andere entscheiden.

Es gab zu dem Artikel aber auch einige Kommentare, unter denen mir einer besonders auffiel:
Ooh, was haben wir nur verbrochen - meine Tochter macht zurzeit im Ausland in einer fremden Sprache ihren Master.
Trotz Alkohol während der Schwangerschaft ihrer Mutter.
Wahrscheinlich kommt es auf die Menge an?
Warum er mir auffiel? Weil er mich an einen Kommentar erinnerte, den mir kürzlich ein Unbekannter unter meinen Blogbeitrag zum Marsch für das Leben gesetzt hatte (HIER zu finden) und der da lautete:
Mal Hand aufs Herz: Wer hat nur Sex rein zur Fortpflanzung?
Meine Freundin und ich jedenfalls nicht! Wir genießen unser Sexleben in vollen Zügen. Weil kein Verhütungsmittel 100% sicher ist, sind wir froh, ein allenfalls ungewollt gezeugtes Kind abtreiben zu können. Schon in alten Zeiten wurde abgetrieben und wie: Mit fragwürdigen chemischen Substanzen oder dubiosen mechanischen Methoden wurde versucht, den Embryo zu töten. Oft kam es vor, dass er die Prozedur mehr oder weniger stark verletzt überlebte und in der Folge ein behindertes Kind geboren wurde. Dass die abtreibende Frau bei diesem Eingriff erhebliche gesundheitliche Risiken einging, kam noch dazu.
Die heutzutage angewandten Abtreibungsmethoden -ob chemisch oder mechanisch durch Absaugung- töten den Embryo sicher, schnell und schmerzlos und für die Frauen bestehen kaum mehr gesundheitliche Risiken
Die Verbindung springt einen geradezu an:

Da ist eine Frau, die in ihrer Schwangerschaft Alkohol trank. Wohl wissend, dass eine Schädigung des Kindes damit zumindest möglich wäre. Die nicht etwa glücklich und dankbar darüber ist, dass trotzdem alles gut gegangen und ihr Kind gesund zur Welt gekommen ist, sondern die sich hier voller Hohn zu Wort meldet. Es ist doch nichts passiert - also: was solls? Die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse wurde über das Wohl eines anderen Menschen gestellt.

Und da ist ein Mann, der zugibt, dass ihm zwei Dinge klar sind:
Abtreibung ist Mord (er selbst benutzt ja das Wort "töten")
und
Gesundheitliche Risiken bei der abtreibenden Frau sind auch heute noch möglich (er schreibt "kaum mehr" - was nichts anderes heißt als "manchmal eben doch")

Dieser Mann freut sich über die heutigen Abtreibungsmethoden. Sie ermöglichen ihm, das Sexleben mit seiner Freundin "in vollen Zügen" zu genießen. Denn das Kind, das vielleicht trotz Pille dabei so ganz "ungewollt" doch mal gezeugt wird, dieses Kind kann man heute ganz "sicher, schnell und schmerzlos" töten, und fast ohne gesundheitliche Risiken für die Frau.

Dieses Töten nimmt er also in Kauf, ebenso wie die mögliche gesundheitliche Schädigung seiner "Freundin". Weil er die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse über das Wohl der anderen Menschen stellt.

Und die Frau aus dem ersten Kommentar? Was wäre geschehen, wenn ihr eine pränatale Untersuchung angezeigt hätte, dass ihr Kind nun eben doch mit einer Behinderung zur Welt kommen würde? Würde sie vielleicht abgetrieben haben? Weil es doch heute so einfach geht, weil es ein so schneller und schmerzloser Tod für das Kind ist, und weil es für sie selbst doch kaum mehr mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist?

Es sind seltsame Ideen, die da umgehen in unserer Gesellschaft.

Ein Kind im Mutterleib zu töten, das ist heute "okay", weil es ja für das Kind schnell und schmerzlos geschieht (so nimmt man  jedenfalls an, sich selbst beruhigend). Wir töten einen Menschen, aber wir tun es schnell und schmerzlos, und wir verhindern damit das Leid. Das Leid der unwilligen Eltern, deren Freiheitsstreben so völlig durcheinander geriete. Das Leid des ungewollten Kindes.

Und im Falle eines behinderten Kindes - wie viel mehr Leid wird da erst verhindert: Das Leid der Eltern und Geschwister, die mit dieser enormen Belastung leben müssten. Das Leid des Kindes sowieso, denn es KANN ja gar nicht anders. als unter seiner Behinderung leiden. Das Leid der Gesellschaft, wenn man an die Kosten denkt, die so ein behindertes Kind verursacht.

Für mich schlägt sich hier ein Bogen zur Sterbehilfe-Debatte, vom Anfang hin zum Ende des Lebens:

Gesetze müssen her! Sterbehilfe muss erlaubt werden! Tod auf Bestellung!

Warum auch nicht? Ich finde das gut. Denn es ist nur konsequent: So ein schwerkranker oder sehr alter Mensch - der leidet doch! Und Leid, das ist schlecht. Vor allem, wenn ich es mitansehen muss! So ein Leben, also mein eigenes Leben, macht doch nur Spaß, wenn ich vergessen kann, dass auch auf mich einmal Krankheit, Alter und Tod warten. Und die heutigen Alten und Schwerkranken - die sind mir wirklich eine höchst lästige tägliche Erinnerung.

Ich glaube, ich habe jetzt verstanden, worum es hier geht. Das Zauberwort heißt KONTROLLE.

Der Einzelne will Kontrolle über sein Leben. Total. Da lässt man sich durch nichts und niemanden abhalten von "mach' dein Ding", auch wenn es andere das Leben kostet.

Und die Gesellschaft will Kontrolle über den Einzelnen. Leid und Alter werden abgeschafft, indem man ein "rechtzeitiges Sterben" forciert. Alte und Schwerkranke sollen möglichst frühzeitig "eigenbestimmt" ihren Tod planen und so die Gesellschaft von ihrem Leid erlösen.

Die völlige Kontrolle des Einzelnen über sein Leben, und die völlige Kontrolle der Gesellschaft über das Leben des Einzelnen.

Ob der Widerspruch wohl noch rechtzeitig jemandem auffällt?

Dienstag, 11. November 2014

Denkt euch, ich habe St. Martin gesehen!

Er hatte graues Haar, trug einen "Blaumann" und hielt eine Heckenschere. Und eigentlich heißt er Josef und ist ein Kollege von mir.

Aber seit inzwischen über 25 Jahren "macht" er in seinem Heimatdorf den St. Martin. Er führt hoch zu Ross den Laternenumzug an, spielt die Mantelteilung nach und ist natürlich auch beim großen Abschlussfeuer dabei.

Irgendwie ist das schön.

Und irgendwie ist das traurig.

Wenn man nämlich hört, dass auch dort - "auf'm Dorf" - der Wahnsinn der politischen Korrektheit beginnt, Einzug zu halten. Nicht mehr "Martinszug" soll er heißen, der Martinszug, sondern "Laternenfest", auf dass niemand in seinen religiösen oder atheistischen Gefühlen verletzt werde. Und den Kindern erzählt man besser nichts mehr über den Heiligen. "Heilige" - nein, so spezifisch christlich darf man sich der Gesellschaft heute nicht mehr aufdrängen.

Stattdessen sollen die Kleinen, so der Vorschlag für die Zukunft, zum Laternenfest auf einen Laternenumzug geschickt werden, und vorneweg reitet halt so ein komischer alter Mann mit einem roten Umhang. Muss Kind ja nicht verstehen.

Und außerdem, so meinte St. Martin eben zu mir: "Wenn das so weitergeht, hat sich das Thema 'Martinsumzug' in spätestens 10 Jahren sowieso überholt, und wir haben stattdessen nur noch dieses bescheuerte Halloween, zu dem die Kids mit der Forderung 'Süßes oder Saueres!' an den Türen die Hände aufhalten!" Ja, St. Martin klang frustriert.

Ich überlege, welche Gründe es denn geben könnte, St. Martin verschwinden zu lassen, bzw. die Kinder nicht länger damit behelligen zu wollen? Schauen wir mal:

Ist St. Martin eine fromme Legende, ohne Wahrheitsgehalt? Nö.
Ist es ein gewalttätiger Lebenslauf, den dieser Heilige aufzuweisen hat? Nö.
Hatte St. Martin irgedwas mit Hexenverbrennungen, Galileo Galilei oder Kreuzzügen zu tun? Nö.
War er ein Protzbischof? Nö.
Ein Machtmensch? Nö.
Erlitt er einen so gewalttätigen Tod, dass man Kindern seine Geschichte nicht zumuten kann? Nö.

Wer war er denn, dieser Heilige, den man so gerne aus den Kinderköpfen verbannen möchte?

Ein Mensch, der Nächstenliebe und Mitleid und Teilen nicht nur anderen empfohlen, sondern es vorgelebt hat. Als Offizier, als Mönch, und als Bischof.

Nein, ich glaube, es ist gar nicht speziell Martin, der weg soll. Sein Pech ist, einer der wenigen bis heute im Volke verehrten und hochgehaltenen Heiligen zu sein. Die meinsten seiner Mit-Heiligen sind ja inzwischen nur noch einigen wenigen "Eingeweihten" bekannt. Damit sind sind sie bequem zu vernachlässigen (Hildegards Tees und Fastenkuren lässt man wohlwollend durchgehen) und ziehen keine größeren Angriffe mehr auf sich. Martin dagegen ist immer noch so... *schauder* ... entsetzlich öffentlich; quasi nach außen getragenes Christentum. Und das muss abgestellt werden. "Nimms nicht persönlich, Martin, altes Haus, es hat nichts mit dir zu tun, warst sicher ein feiner Kerl damals, zu deiner Zeit, aber dieses ganze christliche Heiligengedöne.... nee, weißt du, damit will man hier und heute niemanden mehr stören. Verstehst du doch, oder?"

Ich vermute, er versteht es nicht, der Heilige Martin.

Ich auch nicht. Und mehr noch: Ich akzeptiere es auch nicht.

Ich wünsche mir im Gegenteil, dass den Kindern weiterhin vom Heiligen Martin erzählt wird. Dass sie weiterhin anhand seines Beispiels von Mitleid und Teilen hören. Und dass sie weiterhin zur Verehrung des Heiligen laternentragend und singend durch die Straßen ziehen, anstatt eine gute Woche früher "Süßes oder Saures!" zu brüllen.

Ich wünsche mir, dass wir alle heute und jeden Tag ein bisschen St. Martin sind. So in Bezug auf Mitleid und Teilen, naja, ihr wisst schon...

"Süßes oder Saures!" wird in dieser Welt schon genug gebrüllt. Ein wenig St. Martin als Kontrapunkt wäre schön. Heute und immer, und sowieso und überhaupt.

Und darum:
Lasst euch nicht einreden, dass unser Heiliger Martin jemanden beleidigen könnte! Und lasst nicht zu, dass man ihn den Kindern vorenthält!

Ich gehe nachher zu Hause in den Keller und hole eine alte Laterne heraus. Die hänge ich heute Abend ins Fenster. Wegen Sankt Martin. Nicht wegen Laternenfenst, oder Sonne, Mond und Sterne.

Und ihr?



Mittwoch, 29. Oktober 2014

Unsere Stadt hat ein LeseCafé - wie lange noch?

Wer kann helfen? 
Wer hat Lösungsvorschläge? 
Wer wüsste Gruppierungen/Institutionen, die hier helfend finanziell einspringen könnten?

Zur Erklärung:

Mönchengladbach hat ein LeseCafé.

Da stellen wir uns doch erst mal ganz dumm und fragen: Was ist das - ein LeseCafé?

Im Grunde könnte ich mir das ganz einfach machen und sagen:
Den Flyer mit allen Informationen zum LeseCafé findet ihr als pdf-Download HIER.

Aber dazu doch etwas mehr und in eigenen Worten:

  • Das LeseCafé ist eine Bücherei mit einem ausgesuchten und umfangreichen Angebot zu Theologie, Philosophie, Religionspädagogik, Spiritualität und vielem mehr.
  • Die entsprechende Abteilung unserer großen Stadtbücherei wurde aufgelöst. Ihre Funktion übernahm das LeseCafé.
  • Es ist die inzwischen einzige Bücherei dieser Art in ganz Mönchengladbach.
  • Das Fachpersonal (allesamt ehrenamtlich tätig) ist ein Garant für qualifizierte Beratung.
  • Beide - Bücherei und Ehrenamtler - sind Anlaufstellen für Lehrer und Schüler aus dem gesamten Stadtgebiet, für Refendare der benachbarten Studienseminare für Lehrämter, für kirchliche Mitarbeiter, für Interessierte an den o.g. Themen...
  • Das LeseCafé ist auch Anlaufstelle für alle, die sich auf einen Kaffee, auf ein Gespräch, auf ein wenig Schmökern dort wiederfinden. Es ist ein Treffpunkt geworden.
  • Nicht vergessen darf man Veranstaltungen, wie Themenabende mit Filmvorführungen auf eigens dafür eingerichteter professioneller Leinwand, Lesungen aus den Werken bestimmter Autoren, eine "E-Book"-Ausleihe wurde eingerichtet...
Das LeseCafé gehört zur Citypastoral und liegt der "CityKirche"gleich gegenüber. Kürzlich hieß es wohl noch "Macht doch mal ein wenig Werbung für euch!", so dass im Oktober in der Gemeindezeitung, ein Artikel dazu erschien - zu finden HIER.

Das klingt doch alles sehr schön. Oder? Tja, leider gibt es einen Haken:
Die besagte Werbung war gerade erschienen, als die Citypastoral die Entscheidung traf:
"Och, nö, das können wir uns leider nicht mehr leisten."
und den Mietvertrag des LeseCafés zum 31.12.2014 kündigte.

Auf der HOMEPAGE DER CITYKIRCHE findet man inzwischen den Hinweis, dass man sich zum 31.12.2014 vom LeseCafé trennt.

Man könnte jetzt natürlich hinterfragen, weshalb eine solche Entscheidung zu einer Zeit und in einer Kürze getroffen wird, die es den Verantwortlichen des LeseCafés schon allein aus zeitlichen Gründen fast unmöglich macht, noch rechtzeitig Aufschübe zu beantragen und Rettungsaktionen zu planen.

Man könnte auch fragen, welche "anderen citypastoralen Aufgaben" da wohl wichtiger waren als die doch hochrangig citypastorale Aufgabe eines niederschwelligen Angebotes für wieder/noch/erstmalig an der Kirche Interessierte? Ganz zu schweigen von der damit ersatzlos gestrichenen Anlaufstelle für all jene, die sich aus schulischen wie beruflichen Gründen hilfesuchend an die Mitarbeiter wandten.

Man könnte auch fragen, wie es denn einher geht, Räumlichkeiten wie das LeseCafé erst mit großem finanzellen Aufwand einzurichten und auszustatten - um dann nach nur wenigen Jahren das gut angenommene Projekt wieder aufzugeben.

Man könnte das alles auch als "kurzsichtig" bezeichnen.

Die Verfasserin des Artikels in der Gemeindezeitung (siehe oben) hat auf die fast zeitgleich mit dessen Erscheinen ausgesprochene Kündigung des Mietvertrages mit einer Sonderauflage reagiert:

















Aber muss man die Citypastoral und die Leute von der "Citykirche" nicht auch verstehen? Macht es nicht z.B. Sinn, sich von einem LeseCafé allein schon aufgrund der enormen räumlichen Distanz zu trennen:


Autark muss man heute sein - das gilt auch für "Kirche". In diesem Sinne war es z.B.  natürlich sinnvoll, auch in der Toilettenfrage... naja... eben autark zu werden, statt weiterhin auf das gewisse (übrigens ebenfalls behindertengerechte) Örtchen des LeseCafés gegenüber zu verweisen. Daher wurde an der Rückseite der Citykirche eine Toilettenanlage angebaut. Kostenpunkt hierfür:
€ 90.000,- (Quelle: Artikel der R.P. vom 18.06.2014)
Und wie hübsch das an der Kirchenwand ausschaut, möchte ich niemandem vorenthalten:


Ehrlich mal jetzt: ISSET NICHT SCHÖN?? Das schmückt doch die Kirche von heute enorm, gelle?

Naja, und sonst? Braucht man ein LeseCafé zum Kaffeetrinken? Nöööö, wird man da sagen, bei der Citypastoral, denn wir haben in unserer "Citykirche" inzwischen schon Mittagstisch und die Rheinische Kaffeetafel gehalten.

Gut, okay, Bücher hat man da keine, in der "Citykirche". Aber das ist schon in Ordnung, wird man sagen: Wir haben ja auch kein Fachpersonal, das sich mit den Büchern auskennen würde. Aaaaaber: dafür hatten wir schon tanzende Derwische von der DITIB-Zentrale in unserer "Citykirche" - DAS kann das LeseCafé nicht bieten!

Stimmt, das kann es nicht bieten.

Dafür aber sehr viele andere Dinge für sehr viele andere Menschen, denen mit Schließung des LeseCafés sehr viel weggenommen würde.

Tja, mit diesem Beitrag haben sich nun meine Eingangsfragen erklärt, die ich hier nun noch einmal wiederhole:

Wer kann helfen? 
Wer hat Lösungsvorschläge? 
Wer wüsste Gruppierungen/Institutionen, die hier helfend finanziell einspringen könnten?

Dienstag, 21. Oktober 2014

Probleme - wenn man keine hätte, müsste man sie erfinden.

"Wie gehts?"
"Ich kann nicht klagen."
"Ach, du Armer."

Gut, so eine Antwort würde man natürlich höchstens scherzeshalber geben, und auch dann nur, wenn man im Gegenüber ausreichend Intelligenz erwarten darf, um den eigenen Sarkasmus nicht als Perlen vor... naja, ihr wisst schon.

Aber was wären wir, ohne unsere Probleme? Langweiler. Denn wovon sollten wir ohne sie stundenlang und haarklein berichten, und worüber uns bei Facebook aufregen, oder womit unseren Blog füllen?

Und darum erkläre ich den heutigen Tag hiermit zum
TAG DER PROBLEME
Sie leben hoch! Hoch! HOCH! DREIMAL HOCH!  

Ach, und es gibt solch feine Probleme, mit denen Mensch und Menschin sich so herumschlagen:
  • Die Tierchen, Kalorien genannt, die nachts die Kleidung enger nähen. 
  • Das Wetter.
  • Freunde, von denen man/frau eines Tages feststellt, dass sie eigentlich nur Freunde sind, wenn man/frau gebraucht wird.
  • Das Wetter.
  • Zu erfahren, dass es lt. Deutscher Wirtschaftsnachrichten derzeit 386.000 Millionäre in Deutschland ist - und zu wissen, dass man/frau nie dazugehören wird.
  • Das Wetter.
  • Das Wissen "alles was ich mag, ist ungesund - alles was gesund ist, mag ich nicht" verinnerlicht zu haben.
  • Das Wetter.
  • Der gelegentlich auftauchende Gedanke "Wenn ich all das hätte, was ich eigentlich haben müsste, weil es mir zustünde, es zu haben, dann ginge es mir gut".
  • Die Firma...  der Chef...  das Wetter.
 Bestechend ist sie, die Vielfalt der Probleme. Und wer nun fragt, warum ich solche Dinge wie Erkältungen u.a. auslasse, dem sei erklärt: Frauen ignorieren sowas, Männer leiden daran. Bei beiden fällt es also nicht unter die Kategorie "Probleme".

Glücklich ist, wer einen Tag erwischt hat, an dem er seinen Problemen entgegenlachen kann wie alten Freunden, die zwar gelegentlich nerven, aber eben zum eigenen Leben dazugehören wie das Rülpsen zur Cola. Glücklicher noch, wer dies zur Grundhaltung gemacht hat.

Für alle anderen, und mir selbst, empfehle ich den Perspektivwechsel. Mir hat z.B. gestern der Blick auf ein Einzelschicksal geholfen:

Es wurde berichtet, dass ein pakistanisches Gericht das Todesurteil bestätigt hat, für eine seit 2010 (!!!) im Gefängnis sitzende Christin, Mutter von 4 Kindern, angezeigt von lieben (muslimischen) Nachbarinnen, gemäß eines in Pakistan geltenden Blasphemiegesetzes, nach dem sie Allah gelästert habe. Das Urteil wurde von im Gerichtssaal anwesenden islamischen "Geistlichen" mit Jubel aufgenommenen. Zugrunde liegt der Anzeige übrigens in Wirklichkeit ein Nachbarsstreit. Aber als Christ in islamischen Ländern bekommt das alte Sprichwort vom Frommsten,  der nicht in Frieden leben kenn, wenn es dem (muslimischen) Nachbarn nicht gefällt,  eine ganz andere "Qualität".

So, ihr Lieben, nachdem ihr mit dem Lesen des obigen Berichtes - so wie ich - eure Probleme wieder in die rechten Proportionen gesetzt habt, bleibt mir nur noch eins:

Bitte unterschreibt die Petition zur Freilassung von Asia Bibi und verhindert, dass ihre Kinder zu Waisen werden! Danke.

Freitag, 3. Oktober 2014

Demut? Ja. Aber anders..

Es wird ja in letzter Zeit viel über Demut gesprochen und, vor allem, geschrieben. Oft im Zusammenhang mit der "neuen Bescheidenheit". Aber mir spukt dazu etwas anderes im Kopf herum, etwas, das nichts mit roten Schuhen oder alten Autos zu tun hat.

Man kann ja nun nicht anders, denn als Kathole so dann und wann mit anderen Katholen zusammenzutreffen. Real. Im Internet. In Foren. Wo auch immer. Das kann schön sein, und im besten Sinne bereichernd. Und das kann Zweifel wecken. Selbstzweifel. Weil "die anderen" so zweifels-frei erscheinen.

Da sind Katholen bzw. Christen, die so fest in ihrem Glauben verankert sind, dass Zweifel unmöglich erscheinen. Diskutiert und "gestritten" (auch hier wieder: im besten Sinne) wird über alles, was mit "Gott und Welt" zu tun hat, und diese Gespräche sind großartig, und anspruchsvoll, und spirituell, und... und... und...

...und man selber wird dabei immer kleiner.

Jetzt grinse ich vor mich hin, denn ich denke an ein Gespräch, das ich vor längerer Zeit über genau dieses Thema hatte. Beim Italiener. Bei Pasta und Rotwein. Wo und wie auch sonst? Nach einer Weile kam ich drucksend darauf zu sprechen, ich käme mir wie ein Heuchler unter ihnen vor - sie seien sich ihres Glaubens alle so sicher, während ich immer wieder von Fragen und Leeren aller Art geplagt wäre und oft nicht einmal wüsste, was ich damit bei ihnen überhaupt zu suchen hätte.

Dann fragte mein Gegenüber: "Woher weißt du denn, dass es bei uns nicht ganz genauso ist?"
Ich: "Aber keiner von euch hat je so etwas erwähnt."
Antwort: "Hast du es denn erwähnt?"
Ich: "Vor euch allen? Natürlich nicht!"

Okay, ich gebs zu: Die Leitung war schon sehr lang, und es müssen gleich an mehreren Stellen Leute draufgestanden sein. Aber als ich mich das sagen hörte, ist der Groschen letztendlich doch gefallen: Natürlich haben auch alle diese "Vorzeigechristen" (nicht böse sein - es ist auch nicht böse gemeint) ihre Zeiten des Zweifels und ihre dunklen Momente. Und natürlich haben sie - genau wie ich selbst - dies nicht in großer Gruppe breitgetreten.

Es war tatsächlich eine Erleichterung, als mir das klar wurde.

Jetzt muss man fragen:
1. Warum kramt sie das jetzt heraus?
2. Warum macht sie es - nach allem, was sie gerade erklärt hat, von wegen "nicht in großer Gruppe" - eben doch hier öffentlich?

Mir ging in letzter Zeit dieses Gespräch von damals immer mal wieder im Kopf herum. Wobei ich mich fragte: Wenn diese falsche Vorstellung bei mir dieses "ich passe da nicht hin"-Gefühl ausgelöst hatte, ergeht es dann anderen vielleicht genauso?

Wirke ich abschreckend auf Suchende, auf Zweifler, auf Menschen, die sich gerade erst an den Glauben herantasten, wenn ich mich aus Selbstschutz nach außen so sicher gebe, während ich meine Zweifel und meine dunklen Zeiten (fast) nur mit mir selber ausmache?

Was wäre, wenn ich stattdessen einfach mal offen zugebe:
Ja, es gibt Zeiten, in denen ich zweifle.

Oder:
Ja, es gibt Zeiten, in denen ich in einer Kirche sitze und nur Leere empfinde, Stille und Dunkelheit.

Oder:
Ja, es gibt Zeiten, in denen ich mich frage, ob mein ganzer Glaube nicht einfach nur Wunschdenken ist, und ob mit dem Tod nicht einfach doch nur einer das Licht ausmacht, und das war es dann eben.

Wenn ich es dabei belasse, ist es sicher nicht hilfreich. Aber vielleicht indem ich zugebe, dass ich beides erfahre? Die Zeiten, wenn ich Gott in meinem Leben deutlich wahrnehme und mich dadurch unendlich reich und glücklich fühle,  ebenso wie die Zeiten,  in denen alles dunkel, kalt und leer ist,  so dass nicht mal Erinnerungen die Wand aus Zweifeln und Verlassensein überwinden können,  und in denen einem nur bleibt, weiterzumachen,  es zu durchleben, und das Vertrauen nicht zu verlieren, dass auch in der Leere ein Sinn liegt.

Ist es Demut, das zuzugeben? Sicher gibt es da eine Menge Widerspruch, und vielleicht mit Recht. Wenn ich allerdings feststelle, wie schwer es mir fällt,  dies hier aufzuschreiben, und wie viel schwerer, gleich auf "Veröffentlichen" zu klicken, dann scheint mir zumindest für meiner Einer aber doch was dran zu sein.

Ich mach' das jetzt.