Mittwoch, 18. Februar 2015

Fastenzeit, das Missverständnis?

Heute beginnt sie also, die Fastenzeit vor Ostern. Vielen ist das herzlich gleichgültig.  Andere wieder versuchen, einander in Selbstkasteiungsoutings geradezu zu übertreffen. Und wieder andere machen das still mit sich selber aus. 

Aber die Frage taucht eben doch gerne immer wieder auf: "Und wie fastet ihr?" Und da wir nunmal in einer Zeit der Umfragen und Persönlichkeitstests leben, hagelt es auch gleich Antworten. Das geht dann hin bis zum Streit darüber,  ob denn nun ein Fasten, das gleichzeitig ein paar Pfunde purzeln lässt,  überhaupt Fasten ist, oder ob man, um ein guter Faster zu sein, nicht gleich ganz zu Wasser und Brot übergehen sollte.

Ich mag solche Diskussionen nicht. Über die Fastenzeit soll gesprochen werden, ja. Um sie in Erinnerung zu bringen, und um ihren Sinn nahezubringen. Aber sollten wir wirklich unser eigenes Fasten schildern und womöglich am Fasten anderer messen? Ich sehe da die Gefahr, mein Fasten von seiner Sinnhaftigkeit her nichtig zu machen. Ob ich das erklären kann? Vielleicht. 

Klar, beim christlichen Fasten fallen uns zuerst Fleisch, Alkohol und Süßigkeiten ein. Aber was steckt hinter diesem oder einem anderen Verzicht? Das Opfer, das ich bringe. Dieses Opfer will ich Gott in und aus Liebe darbringen:

Ich habe Lust auf die Tüte Chips, die im Schrank liegt. Ich möchte sie seeeehr gerne essen. In diesem Moment denke ich daran, dass ich Gott versprochen habe, während der Fastenzeit auf das Zeug zu verzichten. Und lasse die Chips im Schrank liegen. Indem ich an mein aus Liebe gegebenes Versprechen denke und es halte (ebenfalls aus Liebe, und nicht etwa aus Pflichtgefühl), habe ich an Gott gedacht. Genauer: ich habe gebetet. So kann mir jeder noch so kleine Verzicht zum Gebet werden.

Wenn ich nun nach dem Verzicht oder nach der erfolgreich "durchgestandenen" Fastenzeit stolz auf mich bin, habe ich alles zunichte gemacht. Ein Opfer aus Liebe kann nie stolz machen, denn Liebe macht nicht stolz auf die eigene Person, sie ist nicht auf das eigene Ich bezogen, sondern auf den geliebten Menschen, oder eben auf Gott. Ein Opfer aber, das dem eigenen Ego dient, ist sinnfrei.

Und wenn ich mich nun mit anderen über meine Weise des Fastens austausche, schwingt dann nicht doch auch wieder ein wenig mein Stolz mit? Warum sonst sollte ich mein eigenes Fasten mit dem anderer vergleichen wollen? 

Wenn mich jemand fragte, wie ich es denn mit Fasten hielte, dann würde ich mit der Erklärung antworten, warum der Kirche das Fasten wichtig ist. Und damit, was es mir bedeutet. Aber nicht mit einer Aufzählung dessen, was man wann und zu welcher Zeit und in welcher Menge "darf", oder eben nicht. Das führt mich selber auf den Holzweg, und den Frager in seiner Sinnsuche nicht weiter.

Und was ist, wenn einer gar nicht fasten will? Dann steht mir kein Urteil zu, sondern ich kann mich auch hier nur wie oben getan erklären. Solange er es nicht aus dem richtigen Verständnis heraus tut, ist es sowieso sinnfrei. Und vielleicht ist derjenige ja auch Gott im Gebet bereits so eng verbunden, dass er derzeit des Fastens als Kontaktaufnahme zu Gott gar nicht bedarf?

Kommentare:

  1. Ich halte es für einen Irrtum, eine legitime Freude über etwas, was man geschafft hat, mit der Sünde der Hoffart zu verwechseln, nur weil das eine wie das andere zufällig auf deutsch "stolz" genannt wird.

    >>vielleicht ist derjenige ja auch Gott im Gebet bereits so eng verbunden, dass er derzeit des Fastens als Kontaktaufnahme zu Gott gar nicht bedarf?

    An und für sich mag das sehr gut so sein. Das Fasten mit Abstinenz am Aschermittwoch und Karfreitag und (für Deutschland) ein irgendwie geartetes Freitagsopfer sind aber nunmal von der Kirche so vorgeschrieben.

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    1. Selten wurde ich so gekonnt missverstanden. Es ist absolut nichts gegen den Stolz über Erreichtes einzuwenden. Sich überwunden zu haben, oder sich etwas hart erarbeitet zu haben, darauf darf man stolz sein. Warum auch nicht?

      In Verbindung mit dem Fastenopfer aber sehe ich das anders: Wenn ich Gott ein Fastenopfer darbringe, dann "muss" es aus Liebe geschehen. Liebe aber will sich nicht selbst erhöhen, und bei etwas, das man aus Liebe tut (oder lässt) geht es nicht darum, etwas zu "schaffen" bzw. etwas zu leisten und darauf stolz zu sein.

      Zu Ihrem zweiten Abschnitt: Ich schrieb zur FastenZEIT - nicht zu den beiden vorgeschriebenen FastenTAGEN.

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    2. Und wieso sollte man diesen legitimen Stolz, den man sonst in jedem Zusammenhang haben darf (denn von dem anderen reden wir nicht), ausgerechnet bei religiösen Leistungen (nennen wir sie mal so) nicht auch haben dürfen?

      Daß er vielleicht ein bißchen nicht ideal, vielleicht ein bißchen verdienstmindernd ist, dagegen hätte ich ja gar nicht argumentiert, aber daß er ein sonst gutes Werk in ein schlechtes verwandeln sollte?

      Ad 2: Okay. Wobei das prinzipielle Begehen der Fastenzeit als Bußzeit, naja vielleicht nicht vorgeschrieben ist, aber... doch irgendwie... wenn Sie verstehen.

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    3. Es ist Fastenzeit, und in der soll man Opfer bringen. Nach langem inneren Hin und Her entscheide ich mich dafür, dass mein heutiges Opfer darin besteht, den schon im Vorhinein zum Scheitern verurteilten Versuch zu unternehmen, diese fruchtlose Diskussion fortzusetzen.

      Stolz hat in einem Fasten"opfer" nichts zu suchen. Das hat nichts mit "dürfen" oder "verboten sein" zu tun. Niemand verbietet Ihnen, auf Ihre Fastenopfer mit Stolz zurückzublicken. Dass Sie damit allerdings am eigentlichen Sinn des Fastenopfers vorbeidenken und -agieren - das ist Ihr Verlust, nicht meiner. Bei einem Fastenopfer geht es um Gott, Imrahil. Beim gesamten Fasten soll Gott für mich im Mittelpunkt stehen. Beim Stolz (auf welche "Leistungen" auch immer) rückt jedoch meine eigene Person in den Vordergrund. Es geht um mich. Mit dem Stolz auf die erbrachte Leistung - das Opfer - habe ich den Blick auf den eigentlichen Sinn des Fastenopfers bereits verloren, und damit auch jede Sinnhaftigkeit meiner "Leistung".

      Dass Sie an dieser These absolut vorbeidenken, zeigt mir der zweite Abschnitt Ihres Kommentars, in dem Sie Ihren Stolz auf die erbrachte Leistung als "vielleicht ein bißchen verdienstmindernd" sehen. Von welchem Verdienst soll die Rede sein? Sie wollen sich mit Ihrem Fastenopfer also "Verdienstpunkte" bei Gott erarbeiten? Haben Sie wirklich nicht verstanden, dass es in der Fastenzeit einzig um eine Vorbereitung auf das Osterfest geht, um eine Annäherung an Gott in Fasten und Gebet?

      Und um Ihre Frage zu beantworten: Nein, Gott verwandelt ein sonst gutes Werk nicht in ein schlechtes Werk. Das ist Unsinn. Aber ist denn ein Fastenopfer, das dem eigenen Stolz dient, je ein "gutes Werk" gewesen?

      Zum 2. Punkt - nein, ich verstehe nicht, warum Sie nun Wortklauberei betreiben wollen. Die beiden erwähnten Fastentage sind vorgeschrieben, die restliche Fastenzeit ist es nicht.

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