Sonntag, 5. Juni 2016

Können wir nicht einfach alle katholisch sein?

Nein, die Frage richtet sich natürlich nicht an die "Evangelen", oder an überhaupt andere Religionen. Sie ist ausschließlich an uns "Katholen" gerichtet.

Nun mag man sich wundern: Kann denn ein "Kathole" anders sein als katholisch?

Ach.

Manchmal könnte man verzweifeln.

Da gibt es solche, die jede Äußerung des Papstes zum Anlass nehmen, um sich - im besten Falle - über ihn lustig zu machen. In ihren Augen kann der arme Mann nichts richtig machen. Sie geifern und posten und verachten und posten und lästern und posten, dass es eine reine "Freude" ist. Es sind ja nur die dummen, einfachen Massen, die sich für ihn erwärmen. Sie selbst wissen es besser.

Da gibt es andere, denen sogar dieser Papst eine Enttäuschung ist, in ihrem Wunsch nach einem Katholizismus, der gleich jeden Laien zum Priester und jeden Priester zum Laien machen möchte.

Da gibt es jene, die nur einen Katholizmus als "wahr" erkennen, der alle Wahrheiten fahren lässt und sich nicht mehr in der Bewahrung und Weitergabe des "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben" versteht.

Da gibt es die einen, für die wöchentliche Beichte das einzig echte Katholischsein bedeutet, und die anderen, welche die Beichte gleich ganz abschaffen wollen, weil sie diese als Anmaßung der Kirche sehen.

Da gibt es die Anhänger der "alten" oder der "neuen" Messe, von denen einige gerne die jeweils andere Gruppe mit Spott und Häme belegen, statt sich zu freuen, wenn ein Mensch sich in einer Messfeier "zu Hause" fühlt, egal, in welcher.

Und da gibt es Menschen, deren Ansichten darüber, was "wahrhaft katholisch" ist, einen sprachlos werden lassen. Heute z.B. schrieb eine Frau zum Thema Frauenpriestertum, es sei eine Folge der Emanzipation, wenn Frauen sich heutzutage nicht mehr in ihre Rolle einfügen wollten, die da wäre - wie eine andere zuvor erklärt hatte - sich dem Mann unterzuordnen und in der Gemeinde zu schweigen. Selbstverständlich sei es ihr Verlobter, dem es letztendlich zukäme, die Entscheidungen zu treffen.

Ich gebe zu, dass ich darauf die wenig sensible Frage stellte, was man ihr am Morgen in den Kaffee gäbe, und ob es nicht Zeit wäre, im 21. Jahrhundert anzukommen. Ich sehe ein, dass dies für eine Diskussion... nun ja... wenig zuträglich ist. Man mag mir nachsehen, dass meine Fassungslosigkeit und auch das Fremdschämen hier kurz die Oberhand hatten.

Darauf hingewiesen zu werden, hätte ich mittragen können. Oder eine Bitte um mehr Sachlichkeit. Doch die erste Antwort - diesmal eines Mannes - war, es möge doch still sein, wer keine Ahnung hat.

Hier liegt das eigentliche Problem. Nicht, dass es so viele Arten des Katholischseins gibt, wie es Katholen gibt. Das muss man (er)tragen. Aber eine Diskussion findet nicht statt. Eine andere Ansicht will nicht gehört werden. Sie wird zum Schweigen aufgefordert. Denn: Die Wahrheit habe immer nur ich selber. Und der andere ist der Dumme, der Feind, der Irrende.

Und so sprechen wir einander das Katholischsein ab.

Öffentlich. Lautstark. Oftmals hahnebüchen.

Oh, es gibt auch andere. Menschen, mit denen es eine Freude ist, über verschiedene Meinungen zu diskutieren. Die es im Verlaufe einer solchen Diskussion vielleicht sogar schaffen, MEINE Ansicht über etwas zu ändern. Weil wir einander zuhören.

Aber es sind die Schreier, die Rechtgläubigen, die Leichtgläubigen, die alles und gar nichts-Gläubigen, die sich auf der großen Bühne lautstark ihres Publikums versichern.

Und ich sitze irgendwo ganz unten, auf dem Sperrsitz, das Gesicht in den Händen verborgen, und möchte verzweifeln.

"Seht, wie sie einander lieben."

Ach.

Kommentare:

  1. Zustimmung!
    Ich habe gerade auf diesen Artikel verlinkt:

    http://kreuzknappe.blogspot.de/2016/06/so-liebe-zank-katholiken-nun-gebt-euch_5.html

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  2. Das hier skizzierte Multikulti innerhalb des Katholischen entspricht und entspringt vermutlich dem Motto von so manchem Rheinländer, der meint „Levve und levve losse!“ sei das Beste.

    Der Rest der katholischen Welt steht staunend mit offenem Mund davor und schüttelt den Kopf.

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  3. Genauso empfinde ich es auch. Ich sitze mit dir auf dem Sperrsitz. :)

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