Samstag, 7. Mai 2016

"Auf Behindertentoiletten geh' ich nicht."

Da bin ich nun am frühen Samstagmorgen auf dem Weg zum Friseur und mache, weil noch Zeit ist, einen Abstecher durchs Einkaufscenter, in dem es noch angenehm leer ist. Die Toiletten werden gerade gereinigt.

Einem Mann wird die Behindertentoilette empfohlen, die schon fertig sei.

"Nee, auf Behindertentoiletten geh' ich nicht.", ist seine Antwort. Da ginge er lieber ins andere Stockwerk.

Ist Behindertsein ansteckend?

Oder ist eine Behindertentoilette sogar nach der Reinigung irgendwie "schmutziger" als "normale" Toiletten?

Oder hatte er Angst, jemand, der ihn dort sähe, könnte womöglich ihn für behindert halten?

Fragen, auf die ich keine Antwort habe, außer der, dass es mit unserer Akzeptanz von Behinderung nicht weit her ist.


Kommentare:

  1. Also ich kann es durchaus nachvollziehen. Nicht als generelle Verneinung, aber bislang bin ich auch immer recht ungern auf Behindertentoiletten gegangen. Wer das so gar nicht nachvollziehen kann, war vielleicht selbst noch nicht auf einer. Die Kloschüssel hängt oftmals deutlich höher, die Hilfseinrichtungen, um den Behinderten ggf. das aufstehen zu erleichtern, sind auch nicht jedermanns Sache, der nicht darauf angewiesen ist, die Toilettenspülung ist nicht überall so einfach zu erreichen...

    Ich denke, die Mehrheit der Bevölkerung würde selbstredend von sich behaupten und nach aussen hin in Diskussionen dafür eintreten, dass Behinderte selbstredend akzeptiert werden. Aber RÜCKSICHT kann ich aus Erfahrung sagen, nehmen die wenigsten auf uns. Wobei ein normaler Umgang/Anstand vielfach schon ausreichend wäre bzw eine meilenweite Verbesserung zum aktuellen Status quo. Im Sinne von: wenn ich schon verbotenerweise mit Fahrrad/Motarrad/AUTO! auf dem Bürgersteig fahre, erwarte ich nicht vom Gehbehinderten, dass der den Weg frei macht - weil er ja schließlich der langsamere ist. Mal so als ein von vielen Beispielen.

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  2. "Wie gut, dass ich kein Mädchen bin!" sang ein junger Mann, als der frohgemut an einer langen Reihe Menschen des anderen Geschlechts vorbeitänzelte, die gerade aus dem Bus an einer Autobahnraststätte ausgestiegen waren. An die Frequention der Behindertentoilette dort erinnere ich mich nicht.

    Ich selber bevorzuge Behinderten-WC's. Hier stört es mich auch nicht, das es Unisex-Klos sind. Sie sind meist sauberer, weil weniger benutzt, geräumiger und haben Kleiderhaken.Schlange stehen dort habe ich auch noch nicht erlebt. Und wenn wirklich einmal ein Behinderter warten müsste, bis ich ausgepikelt habe, machte mir das auch kein schlechtes Gewissen. Besonders gerne benutze ich ein solches WC einschließlich Dusche in unserem Solebad als Umkleidekabine für den 2. trockenen Badeanzug.

    Mir fällt auf:Offenbar habe ich zu jedem Scheiß einen Kommentar auf Lager.

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