Freitag, 9. Oktober 2015

Heute-Show - dumm, dümmer, dämlich

Eigentlich war ich müde und wollte schlafen gehen, doch dann bekam ich gerade noch einen Beitrag in der ZDF "Heute-Show" mit, und nun bin ich sauer. Sauer vor allem deswegen, weil die strohdumme Falschinformation Marke "Heute-Show" wahrscheinlich wieder mal von 99% der Zuschauer ungeprüft als "Ja, so sind sie, die Katholen" angenommen werden wird.

Ein launiger Beitrag, der darin gipfelte, dass Herr Welke die steile Behauptung aufstellte:

Der Papst hat den Priestern erlaubt, Abtreibung zu vergeben. Aber nur im Heiligen Jahr. Also sozusagen mit Verfallsdatum. Nach Ablauf des Heiligen Jahres, also ab dem 20. November 2016, ist es wieder Sünde und kann nicht vergeben werden.

Das ganze natürlich in einem bissigen Satire-Sketch verpackt. Lacher und Applaus aus dem Publikum. Schenkelklopfer vor dem Bildschirm. Die spinnen, die Katholen.

Okay, und jetzt mal die Wahrheit hinter der Dummheit, in gaaaanz einfachen Worten und zum Mitschreiben:

In der katholischen Kirche gibt es so ein Ding, das nennt man Beichte. Da bekennt man einem Priester seine Sünden - wichtig ist übrigens, dass man sie auch ehrlich bereut und verspricht, sich bessern zu wollen - und dann spendet der Priester eine "Absolution", das ist so eine Art Vergebung von ganz oben.

Soweit klar? Gut. Also weiter:

Eine Abtreibung aber ist eine so schwere Sünde, dass sie automatisch für alle daran Beteiligten die Exkommunikation (z.B. übrigens auch den durchführenden Arzt!) zur Folge hat. Du bist also, sozusagen, gerade aus der Kirche geflogen, und damit dürfen dir auch keinerlei Sakramente mehr gespendet werden.

Ach so: "Sakramente" - das sind so Dinge wie "Ehe" oder "Kommunion" oder eben - ja, nun kommt's: Die Beichte!

Mitgekriegt? Ein Priester DARF keine Absolution erteilen, wenn jemand eine Abtreibung beichtet - weil derjenige exkommunziert ist.

Und nun stellen wir uns mal ganz dumm und fragen: Heißt das, egal, wie viel Reue ein Mensch wegen einer Abtreibung auch empfinden mag, die böse kath. Kirche hat ihn bisher unwiderruflich verdammt?

Nein, das heißt es nicht. Es heißt aber, dass ZUERST die Exkommunkation aufgehoben werden muss. Und das kann nur ein BISCHOF tun, aber kein einfacher Priester.

Erst wenn also die Exkommunikation eines Menschen durch einen Bischof aufgehoben wurde, darf ein Priester diesem Menschen wieder die Beichte abnehmen und die Absolution erteilen.

So, und jetzt schauen wir uns noch mal an, was denn nun der Papst für die Zeit des Heiligen Jahres WIRKLICH geändert hat:

Er hat das oben beschriebene Gesetz für die Dauer des Heiligen Jahres als Zeichen der Barmherzigkeit der Kirche aufgehoben und es damit Priestern erlaubt, während dieses Zeitraumes auch jenen Menschen die Absolution zu erteilen, die um Vergebung für eine Abtreibung ersuchen, ohne dass diese vorher den "Umweg" über einen Bischof gehen müssten.

Unterschied verstanden, Herr Welke?

Wobei ich Herrn Welke genug Intelligenz unterstelle, diesen Unterschied auch ohne meine Erklärung bereits verstanden zu haben. Aber für den schnellen Lacher muss eben auch mal die Wahrheit verdreht werden oder gleich ganz auf der Strecke bleiben.



Kommentare:

  1. Spott muss man sich auch verdienen und in dieser Kategorie ist die katholische Kirche nicht schlecht. Oder können Sie mir vielleicht erklären warum einer Frau, die sich nach einer Vergewaltigung für eine Abtreibung entscheidet die Tatstrafe der Exkommunikation droht, einem SS-Mann, der hunderte Juden in die Gaskammer treibt allerdings nicht?

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    1. Es ist schwierig, auf Ihren Einwand zu antworten, Herr Ebner, weil er sich auf den ersten Blick so logisch und richtig darstellt. Ich möchte einen Freund zitieren, der vielleicht ein wenig Licht in die Sache bringen kann:

      "Die Exkommunikation ist eine Beugestrafe, die dem Betreffenden die Schwere seines Tuns und die Dringlichkeit seiner Umkehr verdeutlichen soll. Es geht nicht um einen Maßstab für die Schwere eines Vergehens, sondern zum Beispiel auch um die sakramentale Dimension eines Vergehens. In einer weltlichen Perspektive ist es nicht vermittelbar, daß Mord nicht mit der Exkommunikation belegt wird, die unerlaubte Weihe von Bischöfen, die Profanierung der Eucharistischen Gestalten, der Bruch des Beichtgeheimnisses jedoch schon.

      Die Kirche hätte es demnach nicht mit der Bewertung von Straftaten, sondern setzt ein Vergehen, das im weltlichen Sinne keine Straftat wäre (oder ein straffreies Vergehen) in Relation zum Wort Christi und zum Glauben.

      Was wäre das auch für eine Strafe, die durch Reue und die Annahme durch den Bischof getilgt wäre?"

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  2. Endlich sieht auch der Pabst langsam ein, dass Abtreibung nichts anderes ist, als konsequent durchgeführte Verhütung. Es kann doch nicht sein, dass die Frauen bei einer Verhütungspanne dazu gezwungen werden, das ungewollte Kind gebären zu müssen. (Gebärzwang)

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    1. Ich habe Ihren dummdreisten Kommentar veröffentlicht, liebe Sahra, weil schon Ihre Orthographie Sie als große Kennerin der Aussagen des "Pabstes" ausweist.

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  3. Nun, der Gebärzwang ergibt sich aus einem ganz einfachen Sachverhalt. Ein menschliches Kind ist nach neun Monaten einfach zu groß, um weiter im Uterus zu verweilen.
    Also übt so ein grausames Balg doch glatt einen Gebärzwang auf die Mami aus. Wie fies aber auch ...


    Klar, man könnte es vorher pränatal abmurksen.

    Angesichts solch zynischer Aussagen, wie dem obigen Kommentar Sahra, pränatale Tötung von Kleinstkindern sei nichts anders als konsequent fortgeführte Verhütung, bliebt mir nichts als Verachtung und Sarkasmus für den Sachverhalt und tiefstes Mitleid für einen Menschen der so abgestumpft ist.

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  4. Liebe Heike, man kann für oder gegen Abtreibung sein. Tatsache ist, dass sie einem Bedürfnis von uns Frauen entspricht. Die mehr als 100'000 Eingriffe in Deutschland pro Jahr sind dafür der beste Beweis.

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    1. Derzeit rund 1.3 Mio. Tote weltweit durch Krieg und Terror.
      Ihrer abstrusen Logik folgend, leite ich davon ab, dass es weltweit ein hohes Bedürfnis nach Krieg und Terror gibt.
      (Schade übrigens, dass Sie die bisherigen Antworten auf Ihren ersten Kommentar keiner Antwort für würdig erachten und stattdessen unreflektiert wie zuvor ihren @#&@* verbreiten.)

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  5. Mehr als 100000 Abtreibungen pro Jahr sind ein Beweis für ein völliges Versagen des Staates und der Gesellschaft.
    Die (Spät-)Folgen der Abtreibung betreffen alle Ebenen, ausgehend von der persönlichen (Postabortionssyndrom) bis zur gesamtgesellschaftlichen (demografische Katastrophe).
    Nichts, wirklich nichts, ist gut an einer Abtreibung.
    Es ist und bleibt Fakt, daß bei jeder Abtreibung ein Mensch gewaltsam stirbt.
    Es ist und bleibt Fakt, daß bei jeder Abtreibung eine Frau einen schweren psychischen Schaden in Form einer Traumatisierung nimmt, die sich oft erst nach vielen Jahren manifestiert.
    Es ist und bleibt Fakt, daß eine Abtreibung auch am sozialen Umfeld der Frau und es ungeboren getöteten Kindes nicht spurlos vorbei geht. Geschwisterkinder von abgetriebenen Kindern leiden oft unter ungeklärte psychischen Störungen (z.B. Angststörungen), die sich bei genauerer Unstersuchung tatsächlich auf eine von der Mutter vorgenommene Abtreibung zurück führen lassen.

    Es mir schlicht unmöglich, zu verstehen, wie man einen solchen Grad an Abstumpfung erlangen kann, der die Tötung eines kleinen unschuldigen Menschen zu einem Bedürfnis umdefiniert.

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    1. Keine Frau wird gezwungen abzutreiben, jene, die wie ich viel und unbeschwerten haben Sex wollen, aber kein Kind, sollen es tun dürfen, wenn das Verhütungsmittel versagt hat.
      Ich habe bereits einmal mit der Absaugmethode abtreiben lassen, der Eingriff war kurz und fast schmerzlos und belastete mich auch psychisch in keiner Art und Weise, sondern ich war erleichtert.

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    2. Weißt du, Sahra, fast hoffe ich, dass hinter deinem Namen in Wirklichkeit nur ein Troll steckt, der versucht, die Mitleser ein wenig "aufzumischen", denn wenn du wirklich so kalt sein kannst gegenüber der Tötung eines hilflosen Menschen, dann tust du mir von Herzen leid. Dann verwechselst du Lust beim "unbeschwerten Sex" mit Liebe, die deinem Wesen bis heute offensichtlich völlig fremd ist, ebenso wie Mitgefühl oder auch nur Scham. Du bist ein sehr armer Mensch.

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    3. Liebe Heike, danke für Dein Mitleid, das völlig unnötig ist, mir geht es sehr gut. Du bist strikte gegen Abtreibung und hast entsprechend Erbarmen mit den wehrlosen Geschöpfen, die dem Eingriff zum Opfer fallen. Aus Deiner Sicht ist das verständlich. Aber eigentlich müsstest Du auch gegen jede Art von Verhütungsmitteln sein, die verhindern ja die Entstehung einen Menschen und das nur, damit wir den Sex ohne unerwünschten Kindersegen genießen können. Was ich nicht verstehen kann - und das ist auch der Grund meiner Einträge- weshalb versucht ihr Abtreibungsgegner immer, Frauen, welche abgetrieben haben, als Mörderinnen darzustellen?
      Kein Wunder, leiden schwache und leicht beeinflussbare Frauen unnötig unter den Folgen ihrer Abtreibung.

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    4. Nur dumme Menschen stellen Frauen, die abgetrieben haben als Mörderinnen dar. Mord ist eine juristische Umschreibung einer Tat. Die Definition für Mord kann man nachlesen. Um jemanden als Mörder zu bezeichen, bedarf es einer rechtskräftigen Verurteilung durch ein ordentliches Gericht nach §211 StGB.

      Nun konnte man auf Grund Ihrer Einlassungen schon ahnen, daß es in der eigenen Biografie oder im nahen Umfeld eine vorgeburtliche Tötung eines Kindes gegeben hat. Das ist sehr schlimm.
      Und leider kann ich Ihnen nicht glauben, daß es Ihnen wirklich gut geht. Sicher kann es sein, daß oberflächlich alles in Ordnung ist, dennoch sind Sie Mutter eines toten Kindes. Eines Kindes, das durch einen Gewaltakt umgekommen ist. Einer Gewalttat, wie sie scheußlicher nicht sein kann, denn der Körper des Kindes ist zerrissen worden. Sie umschrieben das mit Absaugmehtode, das ist ein netter Begriff, so als würde man ein paar Krümel vom Sofa saugen. Doch die Wirklichkeit ist leider eine andere.
      Ein solcher Tod ist in etwa vergleichbar mit einem Tod durch eine direkt neben einem explodierenden Sprenggranate. Physikalisch gesehen sind die Wirkungen von starkem Überdruck und starkem Unterdruck auf einen Menschlichen Körper äquivalent. In den ersten Sekunden gibt es schwerste Verletzungen, starke Blutungen, abgerissene Gliedmaßen, die davon treiben und am Ende der Tod durch irreparabele Beschädigung lebenswichtiger Organe.
      Es widerspricht allen Erkenntnissen der modernen Psychologie, daß ein solches Geschehen spurlos an einem Menschen vorüber gehen kann, in dessen Nähe sich eine solche Gewalttat ereignet. Erst recht nicht, wenn sie im eigenen Körper und am eigenen Kind passiert.

      Kennen Sie den Namen Ihres Kindes?

      Vielleicht können Sie es ja nicht glauben, aber ganz sicher hat Ihr Kind einen Namen. Jeder Mensch, der gelebt hat, hat einen Namen. Der Name eines Menschen und die Erinnerung verbleiben, auch wenn der Mensch gestorben ist. Als Christen glauben wir, daß sogar der Mensch selber bleibt, auch wenn er stirbt.
      Letztendlich ist Ihr Kind nicht weg.

      Es wäre gut, wenn Sie den Namen Ihres Kindes wüßten, denn dann wäre es wenigsten keine namenlose Erinnerung mehr. Einen Menschen seines Names zu berauben, das wissen wir ja hinlänglich aus der ferneren und jüngeren Geschichte, ist nämlich immer der Versuch, den Menschen zu verdinglichen, ihn seiner Identität, ja und am Ende seiner Existenz zu berauben.

      Einen Namen für ein totes Kind zu haben, hilft heilen, was verwundet ist.

      Die Libido wird im höheren Alter nachlassen. Das ist Biologie. Die können wir ein wenig austricksen, aber nich auf Dauer.
      Sex um Sex zu haben, ist langfristig keine Erfüllung sondern eine Sucht. Das wird hohl und leer, am Ende stirbt jedes Gefühl.
      Spätestens dann wird das Echo kommen und das trifft, das sei Ihnen aus Erfahrung versichert, auch die ganz toughen und coolen Frauen. Gerade die trifft es oft genug besonders hart, weil man dann nämlich nichts mehr "machen" kann.

      Es ist gut, spätestens dann eine Beziehung zu seinem toten Kind aufzubauen, denn das ist der Anfang der Heilung. Und bitte, das Leiden unter dem Trauma einer Abtreibung hat mit Schwäche überhaupt nichts zu tun. Ein Trauma ist ein Trauma, dagegen hilft keine persönliche Stärke und persönliche Schwäche vermag es nur wenig schlimmer zu machen.

      Und wenn Sie wirklich ernsthaft der Ansicht sind, daß es Ihnen derzeit sehr gut geht, dann will ich das nicht in Abrede stellen. Lesen Sie einfach nach, was ich hier geschrieben habe, wenn es Ihnen mal nicht mehr so gut geht. Das kann morgen, in fünf, in zehn oder sogar erst in zwanzig Jahren sein. Man das nie vorhersagen.

      Mit diesem Kommentar schließe ich für mich diesen Thread, denn ich kann nicht ausschließen, dauerhaft so nüchtern und emotional zurückhaltend zu reagieren. Wenn man das sehen kann, ist schweigen oft genug die bessere Lösung.
      Was ich zu sagen hatte, habe ich gesagt. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen.
      Für Sie hoffe ich auf Umkehr und Heilung, sowie auf gute Begleiter dabei.

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    5. @ Cicero Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Auch ich habe gesagt, was ich zum Thema Abtreibung sagen wollte. Einig würden wir uns wohl nie, zu verschieden sind unsere Ansichten, darum äußere auch ich mich nicht weiter. Alles Gute wünsche ich Dir.

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