Samstag, 15. September 2018

Erfurt - Fotos und mehr




Ein erster Blick auf Erfurt, mit Dom und Severikirche, ehe wir uns auf den Weg machen...

Ich möchte euch die Krämerbrücke vorstellen - die längste durchgehend bebaute und bewohnte Brücke Deutschlands. Erst eine reine Holzbrücke, mit Verkaufsständen, die immer weiter ausgebaut wurden, bis sie ihren jeweiligen Besitzern Wohnstatt wurden. Nach mehreren Bränden wurde sie 1325 aus Stein errichtet und die heutigen Häuser wurden darauf gebaut, die übrigens in den oberen Stockwerken auch heute noch bewohnt sind.

Doch schauen wir erst einmal kurz auf die Rückseite, denn sobald man sich auf der Brücke selbst befindet, ist von Unterbau und Wasser gar nichts mehr zu sehen:




Und jetzt machen wir uns auf den Weg über die Krämerbrücke und vorbei an den Geschäften:


Das "Erfurter Blau" hatte die Stadt einst reich gemacht: Ein aus der "Waid" genannten Pflanze gewonnener Farbstoff wurde im ganzen Stadtbereich hergestellt. Da der tiefdunkelblaue Farbstoff mittels Zugabe von Urin aus der Pflanze gelöst wurde, wurde Erfurt sozusagen "stink-reich", denn man kann sich vorstellen, wie es aus den Waidspeichern "duftete". Übrigens war es mit dem Reichtum vorbei, als man begann, das wesentlich billigere Indigo aus Indien zu importieren. Wie jemand sagte: "Billigimporte aus Asien, welche die heimische Wirtschaft zerstören, sind gar nicht so neu, wie man denkt."


Ist es Kunst, oder kann das weg?













Im "Haus der Stiftungen" konnte man das Obergeschoss erkunden:


Wir haben aber beim Aufstieg nur das Bild des Bewohners gesehen:


Die gute Stube:


"Goldhelm Schokolade" - ich wurde gewarnt: Nur betreten, wenn man kein Geld bei sich hat. Oder einen vollen Magen. Nebenan hat der findige Besitzer einen Eisverkauf eröffnet, in dem er seine Schokoladenkreationen zu Eisträumen werden lässt.



Ein Blick zurück auf die Krämerbrücke:


Die Erfurter sind übrigens ein sehr bestrickendes Völkchen:





Baustellen gibt es auch, so dass man sich gleich wie zu Hause fühlen kann:



Die Fassade hängt ein wenig durch, was dem Charme keinen Abbruch tut:


Gut, dass es "Zum GOLDENEN Strahl" heißt...


Ich liebe einfach die herrlichen Hausfaden in der Erfurter Altstadt:


Übrigens habe ich etwas gelernt: Häusernamen wie z.B. hier "Zum breiten Herd" kennen wir ja alle - in allen Städten kennen wir ja Hotels und Gaststätten, die in alten Gebäuden oft Namen wie "Zum Goldenen Lamm" oder "Zum Roten Mond" tragen. Man denkt sich nichts dabei, aber diese Namen dienten einst dem gleich Zweck wie heute unsere Hausnummern: Damit der DHL-Bote wusste, wohin er das Amazon-Paket zustellen musste.







Und hier sehen wir nun Till Eulenspiegel, der in Erfurt einen Esel das Lesen lehrte!
Dazu gibt es eine Geschichte, die ihr hier nachlesen könnt (es lohnt sich!):
Ich mag den letzten Satz aus der Geschichte: "...und Eulenspiegel verließ seinen Schüler. Er ließ ihn als Esel gehen, wie ihm von Natur bestimmt war."
Bei vielen Schülern hat sich daran bis heute nichts geändert.



Erfurt ist übrigens von diversen Armen und Ärmchen der Gera durchzogen:





Ein Ursulinenkloster mitten in der City:





Doch bleiben wir lieber ein wenig abseits vom Trubel:




Mit dem folgenden Bild schauen wir auf eine "Burse" - heute würde man "Studentenwohnheim" sagen. In einer solchen Erfurter Burse soll auch ein junger Student namens M. Luther gewohnt haben, der später noch für eine Menge Ärger und Unruhe im Lande sorgen sollte. 
Allerdings ging es in den damaligen "Bursen" wohl nicht so besonders lustig wie in heutigen Studentenbuden zu: Es herrschten strenge Regeln, über deren Einhaltung peinlich gewacht wurde. 

Wir haben uns gefragt, woher wohl das Wort "Burse" stammte, und ich habe ein wenig gegooglet. Zwar hatte mich das Wort gleich an die "Börse" erinnert, aber wo sollte da die Verbindung sein? Ganz einfach: 
Eine Gemeinschaft, die im gleichen Gebäude und aus einer einzigen Kasse (= Börse) lebte, wurde als "Burse" bezeichnet, abstammend vom lateinischen "Bursa", der Tasche oder Börse. Nicht umsonst kennen wir außer der mit Aktien handelnden Börse ja auch bis heute noch die Geldbörse.






Häuser, die an einem Flussfer mit solchen "Überhängen" gebaut wurden, findet man einige in Erfurt.
Der Grund: 
Alle m², die sich nicht auf dem Land befanden - also in der Luft hingen - waren und sind kein Grundbesitz, mussten also weder erworben noch versteuert werden!
Pfiffig!


Schaut euch einmal diesen Eingang an. Seht ihr das kleine, runde Loch rechts über der Pforte?
Das ist ein "Bierloch". 
Ihr werdet es an vielen alten Häusern Erfurts finden. 
Fortsetzung weiter unten...


Wenn aus einem solchen Bierloch wie hier als Dekoration nachgestellt ein Büschel Getreide ragte, dann hieß das:
"Kommt rein, Leute, hier wird gerade Bier gebraut!"
Denn, so habe ich jetzt gelernt:
Bier konnte vor den Zeiten der Flaschenabfüllung nur einen Tag gelagert werden - es musste also nach dem Brauen sofort getrunken werden.


Ja, Bierlöcher gibt es haufenweise in Erfurt. Was zum Teil auch mit dem Erfurter Blau zusammenhängt: Wie oben erklärt, brauchte es zur Herstellung des Farbstoffs außer der Waidpflanze auch eine große Menge Urins. Und da es um den damaligen Reichtum der Stadt ging, hat natürlich jeder gerne das Seine getan.











Nachfolgendes Bild:

Beim Abriss eines direkt angrenzenden Hauses (man sieht den Umriss an der Hauswand noch) kam sie in den 1990er Jahre wieder ans Licht und in die Erinnerung zurück: Eine alte Synagoge.

Aber es ist mehr als nur EINE alte Synagoge - wie man heute weiß, handelt es sich um die 
älteste erhaltene Synagoge Europas.
Sie wurde vor über 900 Jahren erbaut. 

1349 brach die Pest in Erfurt aus. 
Und an der musste natürlich jemand die Schuld haben.  
Wer könnte da die bessere Wahl sein als die jüdische Gemeinde?

Das war das Ende der Synagoge. Sie wurde anschließend gut 500 Jahre lang als Lagerhaus genutzt, was man insofern als Glück bezeichnen darf, als diese Nutzung letztlich dafür sorgte, dass die Synagoge über die Jahrhunderte unverändert erhalten blieb.

Heute ist sie ein Museum.



Und jetzt auf zur Festung auf dem Petersberg:


Die Festung wurde übrigens im 17. Jhd. nicht zum Schutz Erfurts erbaut, sondern tatsächlich gegen die Stadt, denn das protestantische Erfurt stand unter (katholischer) Mainzer Herrschaft und es sollten ihm keine weiteren Aufstände in den Sinn kommen. Die sternenförmig angelegte und als uneinnehmbar geltende Festung sollte dies verhindern:




Hier schaut das Wappen des Erbauers, des Mainzer Erzbischofs Johan Philipp v. Schönborn, vom Berg seiner Zitadelle auf die Erfurter hinab.






Ein Portrait v. Schönborns. 
Und wir wollen ihm nicht völlig Unrecht tun: 
Immerhin erlaubte er im protestantischen Erfurt die Religionsfreiheit - und dies zu einer Zeit, als es durchaus normal war, dass der jeweilige Herrscher einer Stadt oder Region auch über die Religionszugehörigkeit seiner Einwohner bestimmte. 




Und hier geht es hinab in die Horchgänge:
Gänge tief unter der Festung, die angelegt wurden... ja, zum Horchen!
Auch für eine scheinbar uneinnehmbare Festung bestand die Gefahr eines heimlich gegrabenen unterirdischen Zugangs - die Horchgänge sollten solche heimlichen Minenarbeiten aufspüren.



Luftschächte:


Und noch ein letzter Blick bei einer Tasse Kaffee auf Dom und Severikirche:


Sonntag, 2. September 2018

Eine Freundschaft schleicht sich aus

Der Begriff des "Ausschleichens" stammt aus der Medizin - er bedeutet, eine Arznei in immer kleineren Dosen zu nehmen, bis man sie letztlich ganz absetzt.

Aber eine Freundschaft, die sich ausschleicht? Wenn eine Freundschaft endet, geschieht das nicht eher plötzlich, im Streit? Aber ein Streit ist nicht zwingend das Ende einer Freundschaft - nicht einmal dann, wenn beide Parteien der Meinung sind "Mit dem/der rede ich nie wieder ein einziges Wort!".

Gleichgültigkeit streitet nicht

In jedem Streit, und sogar im darauffolgenden langen Schweigen, liegt immer ein unterschwelliges "Du bist mir wichtig". Ohne Interesse am anderen wäre ein Streit nicht möglich. Eine Freundschaft, die im Streit endet, stirbt nicht wirklich, denn sie kann wiederbelebt werden, auch wenn man das zur Zeit des Streites im Leben nicht würde zugeben wollen.

Gleichgültigkeit dagegen streitet nicht, denn Gleichgültigkeit sagt "Mir ist alles andere wichtiger als du" und "Deine Meinung, dein Leben, alles was du mir zu sagen hättest - es interessiert mich nicht.".

Daher ist der wirkliche Tod einer Freundschaft ein stetiger und so langsamer Prozess, dass man ihn erst wahrnimmt, wenn man eines Tages erschrocken vor der Leiche steht:

Gleichgültigkeit mordet

An einem Nachmittag in dieser Woche saß ich in einem Straßencafé in der Innenstadt, als auf der anderen Straßenseite eine alte Freundin aus einem Laden trat und ohne mich zu sehen die Straße hinaufging. Kurz darauf sah ich sie wieder hinunterkommen. Ich beobachtete, wie sie vorbeiging und kurz darauf verschwand.

Da saß ich, zutiefst erschrocken darüber, dass ich nicht den leistesten Impuls hatte, sie zu rufen oder zu ihr hinüberzulaufen. Ihre Gleichgültigkeit war zu meiner Gleichgültigkeit geworden - und da war sie: Die Leiche unserer Freundschaft.

Vor gut 2 Jahren hatten wir uns zuletzt gesehen. Dazwischen ihre Anrufe, immer von unterwegs, immer gleich ablaufend:
"Alles gut bei dir keine Zeit wie immer bin unterwegs zur Kundin wir müssen uns unbedingt mal wieder sehen bist du heute Abend zu Hause ich rufe ich nachher mal an dann reden wir tschüß."
Eine Weile habe ich auf die Rückrufe noch ernsthaft gewartet, aber sie kamen nie. Dazwischen ein paar geplatzte Termine und Anfragen, wann wir uns mal wieder sehen, aber ohne Antworten auf mein "Gerne, sag mir einfach, wann es dir passt.".

Einmal eine lange Mail von mir, als mir aufgrund einiger Dinge endgültig der Kragen platzte - im Grunde war es die Frage, weshalb sie überhaupt weiter anriefe, wenn sie doch klar an unserer Freundschaft nicht interessiert sei, sowie die Feststellung, wie sehr es mich verletzt hatte, nach langem Schweigen nur dann kontaktiert worden zu sein, weil ich als Notnagel dienen sollte.

Kurzlebige Einsichten

Danach eingeschnapptes Schweigen, bis zu einem Anruf, der auf einen Todesfall in ihrer Familie folgte: Ihr ständiger "Zeitmangel" hatte dazu geführt, dass sie die Schwerkranke nicht mehr rechtzeitig vor ihrem Tod besucht hatte, und sie habe nun (wieder einmal) verstanden, wie viel wichtiger Familie und Freunde doch seien als die Arbeit, und sobald sie von der Beerdigung zurück kämen
"...müssen wir uns sehen und wir machen jetzt sofort einen Termin aus und dann machen wir uns einen schönen Tag und halt bloß das Datum fest und ich freu' mich schon bis bald!"
Drei Tage vor dem Termin der Anruf, dass sie wahrscheinlich bis dahin krank sein würde. Dem war dann auch so. Ihre Kundinnen konnte sie am gleichen Tag trotz eigener ansteckender Krankheit allerdings betreuen. Ich dachte mir, und denke es heute noch, dass wohl schlicht die Verkaufszahlen wieder die Oberhand über neu gewonne Einsichten gewonnen hatten.

Der Mensch neigt dazu - und hier schließe ich mich nicht aus - auch die weisesten Einsichten wieder zu vergessen, sobald sie nicht dem eigenen Nutzen zu dienen scheinen.

"Keine Zeit" - nur die Ausrede für die eigene Gleichgültigkeit?

Liegt es wirklich an der mangelnden Zeit? Ich habe es lange als Entschuldigung durchgehen lassen. Wenn ich aber heute auf meine anderen Freunde sehe, dann wird mir klar:

Da ist die Freundin mit Mann und drei kleinen Kindern, die trotzdem alle paar Wochen Zeit findet, abends 1-2 Stunden mit mir zu telefonieren.

Da ist die Freundin mit Mann und Tochter und hochanstrengendem Job, die trotzdem regelmäßig per Whatsapp schreibt, gelegentlich anruft und mich - sie wohnen weiter weg - vor kurzem zu einem Wochenende zu sich eingeladen hat.

Da ist die Freundin, die ebenfalls einen anstrengenden Job hat und die, solange ich sie kenne, immer einen Terminkalender "wegen Überfüllung geschlossen" unterhält. Da bedeutet es mir viel, wenn ich vor meinem Geburtstag höre
"Den Tag habe ich mir im Kalender extra freigehalten."
und es auch sonst immer mal wieder zu einem gemeinsamen Frühstück mit viel Klatsch und Tratsch reicht.

Da ist die Freundin mit Mann und sage und schreibe 5 Kindern, die es trotzdem erst kürzlich geschafft hat, mich auf einen ausgedehnten Tratsch zu besuchen.

Die Künstlerin der Maske

Ich merke gerade, wie glücklich ich bin, dass ich diese Freundesliste sogar noch fortsetzen könnte. Warum also überhaupt dieser Blogbeitrag?

Wohl, um die Trauer aufzuarbeiten, die ich eben trotzdem beim Anblick der Leiche einer alten Freundschaft empfand. Und um mich selber (und vielleicht einige Leser?) daran zu erinnern, dass nichts so tödlich für eine Freundschaft ist wie die Gleichgültigkeit. Vor allem, weil sie eine Künstlerin der Maske ist, die sich tarnt als:
"...keine Zeit... nicht jetzt ... später... morgen... so viel zu tun... wenn die ganze Arbeit nicht wäre... ich würde ja gerne, aber... ich muss erst noch... nächstes Mal gerne..."

Samstag, 11. August 2018

Paderborn - Libori - Hamburg

Hier ein paar Bilder von einer kleinen Rundreise der letzten Woche:

Nur Eingeweihte werden wissen, wo wir uns hier befinden:


Es ist am Dom zu Paderborn, und ich musste wirklich bis nach Ostwestfalen fahren, um einmal ein "Nightfever" zu erleben:

("Nightfever" - genaue Info findet ihr HIER)





Ein paar Impressionen, was es denn so mit der winzigen Libori-Kirmes auf sich hat, aufgenommen vom Riesenrad:





Kühle Drinks bei großer Hitze:


 Und eine kühle... äh... coole Idee für Schüler:

 
Und dann ging es also weiter nach Hamburg - Blick vom Hotel hinüber zur Außenalster:


Frühstücksbalkon:


Und abends auf dem gleichen Balkon ein Bierchen mit Stil:



 Ich kann nicht anders - der Hamburger Bahnhof reizt mich einfach immer wieder als Motiv:




Vor dem Bahnhof ein Ständchen der besonderen Art:



Und vom Bahnhof aus gehen wir noch ein wenig durch die Stadt:






 Die Binnenalster:




Die Alsterarkaden:



Das Rathaus von den Arkaden aus gesehen:








Eine der schönsten Einkaufspassagen - die Mellin-Passage:




Wenn ihr das Bild zum Vergrößern anklickt, könnt ihr die Artikel lesen - die Auflösung müsste gut genug sein:






Die alte Post:



Abschied: