Sonntag, 14. Juli 2019

Logik - ein Requiem

Dieser Tage habe ich zu einem Mann gesagt
"Sie sind ein sehr dämlicher Mensch."
Zugegeben, diplomatisch war das nicht. Aber die Wahrheit. Und zum Diplomaten habe ich ohnhin nie getaugt.

Meist sage ich nichts mehr dazu, wenn sich im Zug mit den Schuhen auf den Sitzen gelümmelt wird. Diesmal rutschte mir aber doch ein resigniertes
"Muss das sein?"
heraus. Die Antwort war interessant:
"Muss das sein, dass der Zug 15 Minuten Verspätung hat?"
Die Logik dahinter wäre demnach: Als Fahrgast lege ich eine Ratio fest zwischen der Höhe einer Zugverspätung und dem Absenken meines Benehmens.

Wir diskutierten dies - in völlig ruhigem Tonfall - noch eine halbe Minute, wobei er zwischenzeitlich sogar seine Schuhe auszog - nicht, um sie mir an den Kopf zu werfen, wie ich einen Moment befürchtete, sondern um mir die Schuhsohlen als Beweis entgegenzuhalten, dass sie viel zu sauber seien, um die Sitze zu verschmutzen.

(Ich denke mir das nicht aus.)

Der Versuch, eine gemeinsame logische Basis zu finden, endete in meiner obigen Aussage sowie dem Vorschlag meines Gesprächspartners, ich möge mich doch um meinen eigenen Scheiß kümmern.

Ich beließ es dabei. Am Endbahnhof angekommen, preschte unser Ausbund an Logik davon, nicht ohne sich dabei rücksichtslos durch die Massen zu drängen. Offensichtlich erlaubt eine Zugverspätung ab einer gewissen Höhe, das eigene Benehmen auch außerhalb des schuldhaften Zugabteils dauerhaft abzusenken.

Ich wurde nachdenklich. Wie war es denn so bestellt um die Logik in meiner Umgebung?

Einige Beispiele habe ich hier gesammelt:

  • Morgens im Einkaufscenter. Ein Alarm - eine Durchsage forderte Personal und Besucher auf, das Gebäude umgehend zu verlassen. Ich hatte gerade eine Zeitung kaufen wollen, ließ diese liegen und ging durch den Kassenbereich nach draußen. Dort lagen Waren auf dem Kassenband, und daneben standen Kunden, die forderten, doch noch schnell ihre Waren bezahlen und mitnehmen zu können.

    Eine völlig logische Handlungsweise, denn selbstverständlich wird ein potentielles Feuer jeden verschonen, der eigentlich schon vor dem Gebäude stünde, würde er nicht gerade noch Toastbrot und Nutella einpacken.
  • Auf einem Bücherflohmarkt hatten sich zwei Fernsehverächterinnen gefunden. Das klang dann so:
"...wenn man theoretisch das Fernsehen einschalten würde..."
"...eh alles manipulativ, geht gar nicht..."
"...und die Privaten mit ihrer ganzen Werbung, das geht ja noch weniger..."

Nein, ich weiß nicht, wie man einen Fernseher nur theoretisch einschaltet, oder wie ein Weniger von Garnicht aussehen könnte.

Eine erzählte dann noch, dass sie es mit Büchern halten würde wie mit Kleidungsstücken: Für jedes neu gekaufte müsste ein altes weg.

Mich schauderte. Ich packte meine eigenen bis dahin gefundenen Buchschätze fester und ging schnell davon. Zu Hause versicherte ich ihnen, dass es ihnen bei mir gut ergehen würde, zumindest bis an mein - hoffentlich - seliges Ende.
  • Beim Bio-Bäcker verlangte ein älterer Herr ein Emmerbrot. Oh, die seien leider schon verkauft, ob es denn vielleicht ein Brot aus Kamutmehl sein dürfte? Der Mann zögerte. Es müsse halt auf jeden Fall aus einem alten Getreide sein, sagte er dann.

    Ach was.

    (Ich hätte gefragt "Mit Schimmel oder ohne?")

  • Zucker gibt es im Bioladen ebenso wie im normalen Supermarkt zu kaufen. Im Bioladen im Plastikbeutel, im normalen Supermarkt in Papierverpackung.

  • Supermärkte retten die Welt, indem sie Biokaffee in Alu-Portionskapseln packen und Einkaufsnetze statt Plastiktüten für bereits in Plastik vorverpacktes Obst und Gemüse verkaufen. 

  • Dass ein anderer Supermarkt Kaffeepulver mit Schwarzwälderkirschtorten-Aroma anbietet, erwähne ich hier außer Konkurrenz - das hat nichts mehr mit mangelnder Logik zu tun, sondern ist schlicht ein Verbrechen. 

  • Auf der Straße redet eine Teenagerin heftig auf eine andere ein. Ich höre
"...egal, was er tut, noch mal komme ich nicht zurückgekrochen!"

Ein lobenswerter Entschluss. Allerdings frage ich mich, was um Himmelswillen sie denn beim ersten (und hoffentlich einzigen) Mal bewogen haben mag, zu ihrem Typen "zurückzukriechen".

  • "Deutsche fangen Mücken für die Wissenschaft."

    Nicht plattgeschlagen, sondern heil unter einem Glas eingefangen, zur Tötung mitsamt Glas eingefroren, sind die Mücken bitte anschließend in bruchsicheren Gefäßen und mit korrektem Adressaufkleber auf eigene Rechnung an das
    Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.V.zu verschicken, um sich anschließend in die "Karte der Sammler" eintragen zu dürfen.

    Wirklich interessant wird es aber erst, schaut man sich die Rubrik
    "Häufig gestellte Fragen"
    einmal näher an:

    "Wie erkenne ich eine Stechmücke?"

    An den juckenden, roten Quaddeln auf Beinen und Armen, der vorher durchwachten Nacht, und an ihrem diabolischen Grinsen?

    "Kann ich bereits tote Mücken einsenden?"
    Schätzelein, mit lebendigen würde das verdammt schwierig, aber lass dich vom Versuch nicht abhalten.

    "Muss ich zu jedem Tier ein Formular ausfüllen?"

    Ja, sicher, einzureichen mit Passkopie inklusive Transitvisum, Farbfoto, Einladungsschreiben, konsularischer Legalisierung, und alles bitte in dreifacher Ausfertigung.

    Und zum Ende mein Favorit:

    "Muss die Mücke eingefroren bleiben?"


    Sicher, Liebchen. Versand bitte nur per Kühltransporter.

Die Logik ist tot. Lang lebe der Wahnsinn!

Samstag, 22. Juni 2019

AfD - Begegnung in der Kirche

In der Messe saß eine Frau - Mittelalter, Jeans, schwarzes Shirt. Auf dem Shirt war eine Plakette befestigt, genau auf Brustmitte.

Ehe ich mich darüber weiter wundern konnte, setzte die Gemeinde zum ersten Lied an. Ich zuckte zusammen. Noch nie hatte ich einen Menschen so selbstbewusst laut derart falsch singen hören. Es zog einem fast die Schuhe aus.

Ich beugte mich nach vorne - jetzt wollte ich wissen, was auf dieser Plakette stand. Vielleicht war die Dame hörgeschädigt und auf der Plakette stand ein entsprechender Hinweis?

Es war eine Plakette der AfD.

Offensichtlich hat man in dieser Partei verinnerlicht, dass es gleichgültig ist, ob die wahren Töne getroffen werden - Hauptsache, man ist nur laut genug, alle anderen zu übertönen.

Mit Maria hatte die Dame ebenfalls ein Problem. An jeder Gebetsstelle, an der von der "Jungfrau Maria" die Rede war, betete unsere AFDlerin ostentativ von der "jungen Frau Maria".

Na gut, da steht sie nicht alleine - die Jungfräulichkeit sprechen Maria heutzutage ja viele ab. Weil man das ja nicht glauben könne.

Bei einem Atheisten lasse ich mir das sogar gefallen: Wenn man nicht an Gott glaubt, wie soll man da an Wunder glauben? Das ist verständlich.

Bei einem gläubigen Menschen sieht das anders aus:

Wir reden von Gott, oder? Dem Schöpfer von Universum, Milchstraße und Froschlaich, richtig? Aber zur Jungfrauengeburt sagen wir: "Och, nööööö, das wäre ja ein Wunder."

Genau. Und dass der Schöpfer von Universum, Milchstraße und Froschlaich ein Wunder wirken könnte, das ist natürlich kaum zu glauben.

Inzwischen waren wir beim Abschlusslied der Messe angelangt. Zum ersten Mal sang die AfD-Dame nicht mit. Ein Kind der Schwarzen Madonna wollte sie dann wohl doch nicht sein.

Freitag, 10. Mai 2019

Ostern in Rom

Es gibt ja noch eine Menge Bilder von Rom zu zeigen, und hier jetzt einmal jene aus der Karwoche und zum Osterfest:

Mittwoch der Karwoche, Generalaudienz auf dem Petersplatz:











Greta war auch eingeladen:








Karfreitag, Kreuzwegandacht am Kolosseum:











Ostersonntag - nach der Messe am Campo Santo Teutonico auf dem Vatikangelände schon mal einen Blick auf das noch vereinsamte Papamobil:



Petersplatz an Ostersonntag:











Neue Gesten der Anbetung:






 

Blumenschmuck zu Ostern:















Samstag, 27. April 2019

Rom - ein Regentag

Ja, ein Regentag in Rom. Das gibt es - und niemand sollte bedauern, ihn zu erleben: Regentage in Rom haben - genau wie in Paris - ihren eigenen Charme.

Statt des Wetterberichtes sollte man übrigens immer ein Auge auf die Straßenverkäufer haben. Wenn sie statt "Selfie"-Stäben plötzlich Regenschirme anbieten, ist der Regen so sicher wie das Amen in der Kirche:




Na, dann sehen wir uns einmal Rom im Regen an:

















Man kann den Regen natürlich auch einfach aussitzen:





DAS ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben: