Samstag, 28. Mai 2016

Gleichmacherei auf die Spitze getrieben

Gestern erfuhr ich in der ZDF-Sendung "aspekte", dass es in Kopenhagen eine Ausstellung gibt:

Märtyrer im Museum

Da werden Märtyrer wie Johanna von Orléans, Martin Luther King, oder Maximilian Kolbe ebenso "ausgstellt", wie der "Märtyrer" Atta (einer der 9/11-Massenmörder), die Brüssel-Attentäter oder IS-Terroristen. Jedem Märtyrer wird ein Relikt zugeordnet. Bei den Brüssel-Attentätern z.B. sind es Nägel. Sie stehen für die Nägel, mit denen sie ihre Bomben gefüllt hatten, um möglichst schwere Verletzungen bei ihren Opfern hervorzurufen.

Gut, kann man machen. Ist zwar Scheiße, aber kann man machen.

Was man da allerdings im TV-Bericht zur Ausstellung hören musste - ich möchte ja vor Wut laut schreien!

Da erklärt uns eine junge Dame
"Gerade für meine Generation, in ihrem sicheren und komfortablen Leben, ist es nicht leicht, zu vestehen, weshalb Menschen für einen höheren Grund kämpfen und sogar bereit sind, sich dafür zu opfern."
Das mag für sie in ihrem kleinen Ländle durchaus gelten, aber sie wäre wohl überrascht, in wie vielen Ländern es "ihrer Generation" da ganz anders ergeht. Wir sehen wieder einmal die Bornierheit unserer westeuropäischen "Wertegemeinschaft", die vergisst, dass sie eben nicht globales Maß aller Dinge ist. Aber sei's drum.

Dann wird weiter dummgeschwatzt:
"Nur vor der historischen Folie lässt sich zeigen, dass Islamisten den Märtyrerkult auf die Spitze treiben.... die Ikonografie, das Sendungsbewusstsein, die Propaganda - kein Märtyrer ohne Publikum."
Falsch. Kein islamistischer "Märtyrer" ohne Publikum, denn das Ziel dieser Terroristen ist es, ihren Terror so medienwirksam wie möglich zu gestalten.

Christliche Märtyrer können wir ebenfalls beim Namen nennen und ihre Geschichten weitergeben. Das ist richtig. Richtig ist aber auch, dass es durch die Jahrhunderte ungezählte christliche Märtyrer gab, die völlig abseits aller Medien oder jeglichen Publikums für ihren Glauben in den Tod gegangen sind.

Der größte Aufreger jedoch kam zum Schluss:
"Märtyrertum ist Ansichtssache. Jede Kultur und jede Zeit hat andere Märtyrer. Am Ende ist es auch eine Art Entscheidungskampf darüber, wer Märtyrer ist, und wer Terrorist."
Ich entschuldige mich vorab für die jetzt folgende Entgleisung:
EUCH HABEN SIE DOCH WOHL INS GEHIRN GESCHISSEN!!!
Gut, dass mir das Herz blutet, bei dem Gedanken, dass es irgendwo einen Ort gibt (es ist übrigens en ehemaliger Schlachthof - sehr passend), an dem Maximilian Kolbe und Mohamed Atta gemeinsam unter dem Titel "Märtyrer" gezeigt werden - das ist mein ganz persönliches Problem.

Und dass es Gruppierungen in einer *hüstel* bestimmten Religion gibt, die Massenmörder als Märtyrer feiern, daran werde ich auch nichts ändern.

Aber Märtyrertum ist ANSICHTSSACHE? Ist also nicht klar definierbar? Ist abhängig von Kultur und Zeit?

Okay, ihr geistigen Tiefflieger, ich erkläre euch das jetzt mal in einfachen Worten, so dass auch ihr es versteht:
Ein wahrer Märtyrer opfert sein Leben, um für seinen Glauben zu sterben.

Ein falscher "Märtyrer" opfert sein Leben, damit viele andere für seinen Glauben sterben
.
So einfach ist das mit dem kleinen Unterschied. Da könnt ihr noch so viel Gleichmacherei betreiben.

Dienstag, 24. Mai 2016

ZdK - lieber leiser leiden

Was macht man, wenn eine Meldung durch die Medien geht, die einen zu einem furiosen Rant provozieren möchte - nachdem man vorher einige Minuten im Rumpelstilzchenstil durch die Wohnung gestampft ist?

Man sitzt die Nachricht erst mal einige Tage lang aus, lässt andere ihre eigenen Rants loswerden und beruhigt sich inzwischen ein wenig.

Und dann setzt man sich an den Computer und... merkt, wie der Wutanfall sich Bahn bricht.

Zum Teufel mit ruhig und sachlich!

Wie es im Artikel in der 'Welt' heißt:
"Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) lehnt eine getrennte Unterbringung von christlichen und muslimischen Flüchtlingen entschieden ab."
Es ist inzwischen eine Tatsache, dass Christen in deutschen Flüchtlingsunterkünften drangsaliert, bedroht, geschlagen und in jeder erdenklichen anderen Weise gemobbt werden, und zwar von muslimischen Mit-Flüchtlingen ebenso wie von muslimischem Sicherheitspersonal. Die Anzahl der Fälle ist unwichtig - Einzelfälle sind es jedenfalls nicht.

Die Rufe werden lauter, diese Menschen besser zu schützen. Dies kann nur geschehen, indem eine getrennte Unterbringung vorangetrieben wird.

Denn es kann nicht sein, dass ausgerechnet jene Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, weil sie dort um ihres Glaubens willen verfolgt und mit dem Tod bedroht wurden, hier das gleiche Schicksal erneut erleiden müssen!

So sollte man jedenfalls meinen.

Das Zentralkomitee meint da anders:
"Der Präsident der katholischen Laienvertretung, Thomas Sternberg, warnte im Gespräch mit der "Welt" vor einem "verheerenden Signal", das damit verbunden wäre. Sternberg argumentiert, wenn man Flüchtlinge hierzulande "nach Religion getrennt unterbrächte, würde man dem Eindruck Vorschub leisten, wir seien nicht fähig zur friedlichen Koexistenz". Man dürfe nicht "den Irrglauben schüren, dass Christen und Muslime nicht gut zusammenleben könnten".
Als Witz richtig gut. Oder auch: Satire pur.

Als ernstgemeinte Aussage eines Menschen, der sich als Vertreter der katholischen Laien Deutschlands versteht, zeugt es von einer derart perfiden Verlogenheit, dass einem das Abendessen hochkommt.

Wie jetzt? Das Leid und die Angst und die Verfolgung gehen für Christen in unseren Flüchtlingsunterkünften weiter? Weil sie dort erneut muslimischem Terror schutzlos ausgeliefert sind?

Och nööööö....

Und da sollen wir nun also... äh... wie war das noch gleich?... ach ja: "dem Eindruck Vorschub leisten, wir seien nicht fähig zur friedlichen Koexistenz"? Das wäre allerdings ein "verheerendes Signal".

Bitte noch mal genau hinhören: Die Betonung in dieser gequirlten braunen Masse liegt auf dem Wort "wir".

Es geht nicht darum, den anderen zu helfen. Jedenfalls dann nicht, wenn "wir" dadurch schlecht aussehen. Weil "wir" eingestehen müssten, dass "wir" nicht zur friedlichen Koexistenz fähig wären.

Man möchte rufen:
"Hallo??!! Jemand zu Hause??!! Verstand an der Türe abgegeben?"
Es geht nicht um uns und unsere Gesellschaft.

Es geht um Menschen, die aus Ländern und Kulturen zu uns gekommen sind, eben WEIL dort eine "friedliche Koexistenz" nicht stattfindet. Und eben diese Menschen werden hier gezwungen, auf engstem Raum zusammenzuleben - und da werden eben die gleichen Ressentiments und der gleiche Hass ausgelebt, wie man es von Kindheit an in der Heimat gelernt hat. Und da Christen in den Flüchtlingsunterkünften nun einmal eine Minderheit stellen, sind sie dieser Situation in besonderem Maße ausgesetzt - und verdienten unseren besonderen Schutz.

Eigentlich.

Aber un-eigentlich würden das ZdK viel lieber in die Flüchtlingsunterkünfte gehen, dort einen Stuhlkreis mit gestalteter Mitte veranstalten, alle Teilnehmer ihre Namen tanzen lassen, und anschließend hätten alle begriffen, dass man jetzt in Deutschland ist, und hier haben wir uns alle ganz doll lieb.

Drauf geschissen!

Sorry, aber das dürfte so ungefähr die Reaktion der Stuhlkreisteilnehmer sein.

Aber wie sagt Sternberg vom ZdK in seiner auf deren Website veröffentlichten Pressemeldung zum Thema doch so schön:
"Für mich ist völlig unstrittig, dass sich in den Einrichtungen alle Bewohner an die Hausordnung unseres Landes zu halten haben, und dass diese Hausordnung auch durchgesetzt werden muss."
Die HAUSORDNUNG!!!! Ja, Scheiße noch mal - dass daran noch keiner gedacht hat! Wir hängen eine HAUSORDNUNG auf!! So in etwa
- 1x die Woche Flur putzen
- Samstags den Müll rausstellen
- keine Besuche nach 20 Uhr
- große Wäsche nur montags und mittwochs
- Christenverfolgung verboten
Das ist es doch! Problem gelöst! Wer würde in Deutschland wagen, sich nicht an die HAUSORDNUNG zu halten!

Aber Sternberg hat noch bessere Ratschläge:
"Ich rufe die christlichen Gruppen vor Ort auf, diese Entwicklung aufmerksam zu verfolgen."
Okaaaaay.... DAS ist doch mal eine Idee! Ich stelle morgen gleich mal einen Antrag in unserer Gemeinde. Der Damen-Filetdeckenhäkelclub hat seit Abschaffung des Adventsbasars sowieso Langeweile. Die schicken wir ins Flüchtlingsheim um die Ecke (ja, wir haben hier tatsächlich eins "um die Ecke"), und dann sollen die dort mal "die Entwicklung aufmerksam verfolgen". Am besten nehmen sie gleich auch die Häkelnadeln mit - wer weiß, ob die Entwicklungen nicht das ein oder andere schnelle Eingreifen erfordern.

Am Ende der Pressemeldung sagt Sternberg:
Zugleich bekräftigte der Präsident die im November 2014 ausgesprochene Solidaritätserklärung des ZdK mit bedrängten und verfolgten Christen weltweit: "Eure Not lässt uns nicht gleichgültig! Euer Leid ist auch unser Leid! Wir beten mit euch für Frieden und Versöhnung!" Daher sollten sich Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen verfolgt werden und Schutz suchen, in Deutschland willkommen fühlen und nach unsäglichem Leid wieder ein menschenwürdiges Leben führen können.
"Euer Leid ist auch unser Leid!"
"Eure Not lässt uns nicht gleichgültig!"

Mag sein. So lange sie nicht in deutschen Flüchtlingsunterkünften das rosafarbene Plüschtroddel-Weltbild trüben.

EUER Leid ist UNSER Leid: Weil EUER Leid UNS verdammt schlecht aussehen lässt, findet das ZdK. Vielleicht könntet ihr einfach ein bisschen leiser leiden?

Ach übrigens, liebes ZdK: MICH vertretet IHR nicht!

Montag, 16. Mai 2016

Wenn einer mal Geburtstag feiert....

...dann kann er fast so viel erzählen, als wie wenn er eine Reise getutet hätte.

Ich habe mir jedenfalls gedacht, ich bedanke mich diesmal auf meinem Blog bei allen, die durch Anrufe, Päckchen, Nachrichten und ihre ganz persönliche Anwesenheit meinen gestrigen Geburtstag zu einem wunderschönen und vor allem fröhlichen Tag gemacht haben!

Hier ein paar Bilder:

Blumen gabs....

...sowie den genialen Einfall, zum Backbuch gleich die passenden Zutaten zu besorgen:


Eine liebe Nachbarin verschaffte mir einen (fast echten) neuen Hausgenossen...

 

Natürlich durfte auch der Ein- und Ausblick auf Vergangenheit und Zukunft nicht fehlen, zuerst als - wenig tränenschwere - Reminiszenz an die Kinderzeit:


und dann als freundlicher Ausblick auf die Zukunft (*grummel*):


Wobei das "Push-Up Serum" schon durchaus interessante Eigenschaften hat, denn ein sozusagen aufgecremter BH, der noch dazu der Schwerkraft Widerstand leistet - das ist doch schon was:


Isso:


Yep, aber vergesst nicht: sowas ist keine Einbahnstraße:


Ob Kaffee(quiz)...


...oder (Erblüh)Tee, die Überraschungen hörten nicht auf:


Was für's Fenster:


Bis hin zu ausgefallenem Geschenkpapier...


...und einer Grußkarte ganz nach meinem Geschmack...


...und einem ganz besonderen Früchtekorb von späten Gästen...


habt ihr alle mir einen wunderschönen Tag bereitet.

Wir haben die Kaffeeindustrie angekurbelt, leckeren Kuchen (hoffe ich jedenfalls, aber es hat keiner geklagt) vernichtet, und vor allem: Wir haben RICHTIG viel Spaß miteinander gehabt. 

Danke an alle, die da waren - ob nun körperlich oder im Geiste.

Wir wiederholen das. Spätestens nächstes Jahr.

Samstag, 7. Mai 2016

Erdogan im Egowahn - alles halb so schlimm

Eigentlich ist er doch ein Guter, der Erdowahn... äh... Erdogan, so als zukünftiger Herrscher eines türkischen Kalifats.

Immerhin könnte alles noch viel schlimmer sein.

Okay, er lässt Journalisten von *hüstel* unabhängigen Gerichten auf ein paar Jahre in den Knast schicken. Das ist kein feiner Zug. Andererseits: Wenn sie denn auch so naiv sind, diese Sache mit der Meinungs- und Pressefreiheit ernstzunehmen! Und immerhin: Sie leben noch. In Russland hätte man dem Steuerzahler die Knastkosten erspart. Also bitte: der Punkt geht klar an Big E.

Ja, gut, unliebsame Regierungsmitglieder zum Abdanken zu zwingen, sobald sie Erdow... äh... gans Alleinherrscherprinzip entgegenstehen, das ist, naja, irgendwie nur halb so gut. Aber auch hier muss man den Möchtergernkalifen in Schutz nehmen: Er hat (noch) keinen unliebsamen Politiker von einem Flakgeschütz hinrichten lassen. Beim nordkoreanischen Michelinmännchen sind davor nicht einmal Mitglieder der eigenen Familie gefeit. Also: ein weiterer Punkt geht an Big E.

Sicher, mit anderen Religionen hat er es nicht so. Er redet zwar gerne der religiösen Gleichstellung seiner türkischen Glaubensbrüder (die Schwestern interessieren eher weniger) im Ausland im Sinne des Minderheitenschutzes das Wort, aber wenn es um Kirchen im eigenen Kalifat geht, reagiert er da doch eher *räusper* ablehnend. Andererseits, allen Gerüchten zum Trotz, die innerhalb von Erdow... äh... gans Verwandtschaft gewisse Unterstützer des IS ausgemacht haben wollen, muss man ihm doch zugute halten: Öffentliche Enthauptungen fanden bis heute nicht statt. Also: Ein weiterer Punkt geht an Big E.

Ja, klar, stimmt schon: Wo wir gerade von Schwestern sprechen, muss man klar zugeben, dass Dinge wie Emanzipation, Frauenrechte, Gleichberechtigung (all das "Gedöns" eben, mit dem sich auch unsere deutschen - männlichen - Politiker ungern abgeben) vom zukünftigen Kalifen strikt abgelehnt werden. Da muss sich eine Journalistin schon mal auf einer Pressekonferenz anhören, sie habe als Frau zu schweigen. Wahrscheinlich hätte er gerne noch hinzugesetzt, sie solle nach Hause gehen und 10 Kinder bekommen.

 (Ob er wohl demnächst noch das Mutterkreuz "erfindet", unser Herr Erdogan? Wie? Was? Kreuz geht nicht? So von wegen christlich, und überhaupt? Stimmt. Naja, dann eben den Mutterhalbmond.)

Trotzdem, man muss ihn doch auch loben, unseren Möchtegernkalifen: Immerhin erlaubt er Frauen das Autofahren. Und eine Vollverschleierung hat er auch (noch) nicht befohlen. Und außerdem: Wer sagt uns denn, dass sich nicht der Großteil der türkischen Frauen freut, ob der Aussicht, bald wieder in die Rolle des rechtlosen Muttchens am Herd zu schlüpfen, mit 6 Kindern am Rockschoß und ihrem ganz eigenen Erdo-Pascha als Familienoberhaupt? Wieder ein Punkt für Big E.

Tja, so oder ähnlich müssen sie wohl denken, unsere Politiker in Deutschland und der EU. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass die Erdogans ihnen ein Ei nach dem anderen legt, und sie trotzdem an ihr... äh... ihm festhalten?

Erst leiert er ihnen die Zusage nach Visafreiheit aus dem Rücken, um ihnen dann ganz frech vor die Füße zu schleudern:
"Aber meine Versprechen breche ich trotzdem! Seht doch zu, mit wem ihr verhandelt."
Eigentlich ein klarer Fall:  Wer eine Zusage unter der Bedingung erhält, bestimmte Auflagen erfüllen zu müssen, dem wird die Zusage wieder aberkannt, wenn er klar feststellt, diese Auflagen nicht einhalten zu wollen.

In der Tagesschau meinte die Sprecherin dazu, das Einhalten der Auflagen sei nicht verhandelbar. Ah, gut - klare Kante also. Wie drückt man eine solche klare Kante aus? Ist doch klar! Genau so:
"Wenn die Bedingungen nicht erfüllt werden, dann kann es auch sein, dass das Abkommen platzt." (SPD)
Dann kann es sein....? D.h., es kann auch sein, dass wir einfach so weitermachen, wie bisher?

Ich habe gerade diese Szene im Supermarkt vor mir. Ihr kennt sie alle:

Mama mit der schreienden Schantalle am Süßigkeitenregal.
"Wääääh, will aber!!!! Will, will, WILL aber!"
"Schantalle! So-fort stehste auf und kommst, oder die Mama geht allein nach Hause."
"Wääääh, will aber!!! Will, will, WILL aber!"
*wälzt sich kreischend auf dem Boden*
"Schantalle! Jetzt kommste aber so-fort, sonst lässt dich die Mama hier und geht."
"Wäääh, will aber!!!! Will, will, WILL aber!"
"Schantalle! Die Mama geht jetzt. Dann kannste gucken, wo de bleibst."
"Wäääh, will aber!!! Will, will, WILL aber!"
"Also, hier haste deinen beschissenen Schokoriegel, und jetzt komm' endlich."
Das ist bei Schantalle keine gute Idee. Und bei Dschäsen... äh... Erdowahn noch viel weniger.

"Auf Behindertentoiletten geh' ich nicht."

Da bin ich nun am frühen Samstagmorgen auf dem Weg zum Friseur und mache, weil noch Zeit ist, einen Abstecher durchs Einkaufscenter, in dem es noch angenehm leer ist. Die Toiletten werden gerade gereinigt.

Einem Mann wird die Behindertentoilette empfohlen, die schon fertig sei.

"Nee, auf Behindertentoiletten geh' ich nicht.", ist seine Antwort. Da ginge er lieber ins andere Stockwerk.

Ist Behindertsein ansteckend?

Oder ist eine Behindertentoilette sogar nach der Reinigung irgendwie "schmutziger" als "normale" Toiletten?

Oder hatte er Angst, jemand, der ihn dort sähe, könnte womöglich ihn für behindert halten?

Fragen, auf die ich keine Antwort habe, außer der, dass es mit unserer Akzeptanz von Behinderung nicht weit her ist.


Dienstag, 26. April 2016

Alles mega, oder was?

Fast möchte ich eine Schweigeminute ausrufen - betrauern wir die Verschiedene; ihr Verfall geschah schleichend, und niemanden hat es gekümmert.

Eben hörte ich, wie eine junge Frau, vielleicht 18, einem Freund von ihrer Reise nach Südafrika erzählte. Sie erzählte von der Fahrt ans Kap, von ihrer Übernachtung in einem Wildtierreservat, von ihrer ersten Begegnung mit Giraffen, von der Landschaft und von vielem mehr.

Alles war mega. Megatoll. Total mega. Megageil. Absolut mega. Ein anderes Adjektiv stand dieser jungen Frau nicht zur Verfügung. Und damit ist sie nicht allein.

Ist es nicht zum Weinen?

Beeindruckend. Wundervoll/wunderbar. Himmlisch. Herrlich. Faszinierend. Bezaubernd/zauberhaft. Außergewöhnlich. Sagenhaft. Fantastisch. Großartig. Atemberaubend. Magisch. Ergreifend. Gigantisch. Traumhaft. Prachtvoll.

Und das sind nur jene Adjektive, die mir gerade spontan und ohne großes Nachdenken in den Sinn kommen.

Mir ist gerade danach, unsere Sprache - oder das, was noch davon übrig ist - zu betrauern.


Samstag, 23. April 2016

Erdogan und die Knickeier

"Richtig Eier haben" - das bedeutet nicht etwa, die nötigen Zutaten für ein gutes Omelett zu besitzen, sondern es will sagen, dass da jemand ist, dem es nicht an Selbstvertrauen fehlt. Die deutsche Politik hat im Hinblick auf Erdogan auch Eier gezeigt. Knickeier.

Als im Fall Böhmermann (sein Vortrag des "Schmähgedichts" ist übrigens online derzeit noch hier abrufbar)  über die Anwendung eines Uralt-Pagagraphen entschieden wurde, war ich  sicher: Damit kommt der Typ vom Bosporus hier in Deutschland nicht durch. Er hat seine private Strafanzeige gestellt. Das darf er. Und gut is. Weit gefehlt - die deutsche Gerichtsbarkeit wurde ermächtigt, den Paragraphen aus der Kaiserzeit zur Anwendung zu bringen; einen Paragraphen, von dem gleichzeitig gesagt wird, man wolle ihn baldmöglichst wegen "Entbehrlichkeit" abschaffen. Nun ja, wer Logik sucht, sollte bei der Mathematik bleiben und sich nicht mit Politik beschäftigen.

Ein Politiker der Piratenpartei hat übrigens heute vor der türkischen Botschaft für Presse- und Meinungsfreiheit demonstriert und dabei eine Passage von Böhmermanns Gedicht zitiert. Die Demonstration wurde aufgelöst, gegen den Politiker Strafanzeige erstattet. Unter dem gleichen, wegen Entbehrlichkeit abzuschaffenden Paragraphen der Majestätsbeleidigung. ( Quelle )

Vorausgegangen war Böhmermanns Gedicht übrigens ein Lied mit dem Titel "Erdowie, Erdowo, Erdogan", das ich hier verlinke. (Wenn man sich schon beim türkischen Maharadscha und seinen willigen deutschen Gefolgsleuten unbeliebt macht, dann richtig, daher möchte ich hier nichts auslassen.)

Na gut, man hatte Erdogan also ein wenig Zucker in den Arsch geblasen (im übertragenen Wortsinne natürlich nur; ich möchte ja niemanden beleidigen), und nun sind wir wenigstens alle wieder Freunde, und die Flüchtlinge haben wir auch vom Hals. Vielleicht war das die Sache ja wert? Und vielleicht würde Erdogan ja den Wert einer funktionierenden Demokratie einschließlich Presse- und Redefreiheit aufgrund engerer Zusammenarbeit mit Deutschland doch endlich noch annehmen und gutheißen?

Nun, zuerst einmal lernt Deutschland von Erdogan:

Ein ARD-Korrespondent wird bei der Einreise in die Türkei aus "Sicherheitsgründen" festgesetzt und anschließend wieder nach Ägypten zurückgeschickt, woher er gekommen war. ( Quelle )

Das kann man verstehen. Wenn man im eigenen Land eine so gute Presse hat wie Erdogan, möchte man unliebsame ausländische Schreiberlinge lieber fernhalten. Gute Presse? Erdogan? Aber ja: die "schlechte" Presse sitzt inzwischen entweder im Knast oder ist zu eingeschüchtert, noch groß das Maul aufzumachen. Wer doch demonstriert und protestiert, wird durch leichte - oder auch stärkere - Schläge auf den Hinterkopf zur (Staats-)Räson gebracht.

Aber auf der anderen Seite ist es trotzdem unverständlich, was man sich da geleistet hat. Einen DEUTSCHEN Journalisten an der Einreise hindern! Warum? Der türkische Maulkorb sitzt doch bereits perfekt; da ist doch nichts mehr zu befürchten.

Ein Verlag bringt ein Buch heraus. Mit dem Titel "Emanzipation im Islam". Ein Gericht beschließt, das Buch dürfe nur mit geschwärzten Textpassagen herausgegeben werden. ( Quelle ) Es ist Erdogans Anwalt, der zusammen mit der unter Islamismusverdacht stehenden Organisation Milli Görüs vor einem deutschen Gericht gegen einen deutschen Verlag die Buchschwärzung bei einer deutschen Autorin (mit marokkanischen Wurzeln) durchsetzt. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen.

Jetzt gerade will Erdogan im Ego-Wahn ein Projekt der deutschen Sinfoniker stoppen. Weil die das Thema des Völkermordes an den Armeniern thematisieren. Das darf man nicht. Heute jedenfalls nicht mehr. Weil Erdogan das nicht schön findet. Das sagt er auch der EU. Weil die den Desdnern den Geldhahn zudrehen soll. ( Quelle )

Zusammen mit der Aufgabe unserer Presse- und Redefreiheit opfern wir - also, nicht nur wir Deutschen, sondern die ganze EU, wobei, wenn es ans Zahlen geht... okay, ich korrigiere mich: wir Deutschen opfern Erdogan also abseits unserer Presse- und Redefreiheit auch noch einige Milliärdchen Euros. Allerdings sei das Geld nicht für die Türkei bestimmt, belehrt man uns, sondern es werde der Türkei nur zur Verfügung gestellt. Für die Flüchtlingshilfe eben. Jene Flüchtlinge, die wir hier nicht mehr haben wollen. Wenigstens gut soll es ihnen ja gehen, in der Türkei. Darum hat unsere Kanzlerin heute auch ein solches Flüchtlingscamp besucht. Ich bin sicher, dass der besenreine Zustand des Vorzeigecamps symptomatisch dafür ist, wie es den Flüchtlingen heute in der Türkei ergeht.

Nicht.

Ich darf einmal hinweisen auf einen Artikel mit dem vielsagenden Titel
Dieses Elend bleibt Merkel verborgen - Zweifel an Verwendung der EU-Milliarden in der Türkei ( Quelle )
Es werden die Zustände in- und außerhalb der anderen Camps geschildert. Zu den EU-Milliarden heißt es:
Und werden die sechs Milliarden Euro aus Europa an der Situation dieser Menschen etwas ändern? Die Syrer in der Gruppe wollen sich nicht festlegen, umso entschlossener sind die Türken in der Gruppe. "Die Regierung wird das Geld dafür verwenden, die eigenen Gefolgsleute zu beschenken", sagen sie. "Ein Unternehmer wird den Auftrag bekommen, ein Camp für diese Menschen zu errichten, ein anderer wird eine Straße dahin bauen, alles im Namen der Flüchtlingshilfe." [...]
Was denkt er darüber, ob die Milliardenhilfe aus Europa den Flüchtlingen zugutekommen wird? "Ich will das nicht ausschließen. Aber dieser Staat hat es in über zwei Jahren nur einmal geschafft, an diese Menschen ein paar Kilo Kartoffeln und Mehl zu verteilen – und das nur, weil Unternehmer in Torbali Druck ausgeübt und die Lieferung spendiert haben", antwortet Kacmaz. "Und im letzten Winter haben die Behörden Holzkohle verteilt, obwohl ihnen alle gesagt haben, dass es lebensgefährlich ist, wenn diese Leute in ihren Zelten Holzkohle verbrennen. Die Säcke mit Kohle stapeln sich noch überall." [...]
Was die Gelder aus Europa anbetrifft, ist er sicher: "Wenn die Behörden und lokale Verwaltung sich mit zivilen Hilfsorganisationen, Bürgerinitiativen, Unternehmerverbänden, Berufskammern und so weiter zusammensetzen würden, könnten alle zusammen überlegen, was gebraucht wird. Aber wenn das alles vom Zentralstaat entschieden wird, dann werden von diesem Geld viele Leute profitieren, aber am wenigsten die Flüchtlinge."
Tja, und angesichts all dessen wundert man sich nun:
Was zum Teufel ist eigentlich mit unserer Regierung los?
Da haben wir nun, so denke ich, mehrere Antwortmöglichkeiten:

a) Dummheit

Das würde dann bedeuten:
Unsere Politiker sind schlicht dumm und bemerken nicht, wie sehr Erdogan im Ego-Wahn sie austrickst. Und sie sind zudem blind genug, nicht die verheerende Außenwirkung zu sehen (auch und vor allem in der Türkei selbst), die ein solches staatliches Einknicken vor einem Prügelpotentaten hat.

Ich halte unsere Politiker nicht für dumm. Okay, Ausnahmen gibt es immer. Aber in der Regel... nö.

b) Machtliebe

Das hieße:
Unsere Politiker kleben derart an ihren Machtpöstchen, dass sie alles tun, um ihr Volk bis zu den nächsten Wahlen bei Laune zu halten - und wenn das nur über Erdogan machbar ist, der Deutschland die Flüchtlinge vom Hals zu halten versprochen hat, nun ja, so sei es.

Eine gewisse Liebe zur Macht - und deren Erhalt - darf man einem Politiker generell wohl unterstellen. Sonst wäre er nicht in der Politik aufgestiegen, sondern säße im Vorstand von VW.... äh... nein, das ist eine andere Geschichte. Aber ich verweise auf a) : Unsere Politik ist nicht dumm. Dass ein derartiger Serien-Kotau, wie man ihn jetzt vor Erdogan erlebt, auch massig Stimmen im Wählervolk kosten wird, wird ihnen bewusst sein. Ein Nicht- Einknicken vor Erdogan hätte da bedeutend weniger Stimmen gekostet.

c) Erdogan hat unsere Regierung wesentlich weitgehender in der Tasche, als wir es uns derzeit vorstellen können.

Und DAS ist ein Denkansatz, der mir seit einigen Tagen erhebliche Sorgen bereitet.

Wann wird der erste Blog geschlossen?