Sonntag, 27. September 2015

Ein Provinzei in Paris - Fotos 2


Diesmal ein paar Ansichten von Spaziergängen durch die Stadt.


Hier musste ich gleich an das Buch "Der Maulkorb" denken: 



DAS nenn' ich mal eine Buchhandlung:


Lippenstifte mal anders präsentiert (schaut euch die Schwanzfedern genauer an):


Für die schlanke Linie:



Der "Passe-muraille", nach dem Buch von Marcel Aymé. In Deutschland besser bekannt als "Ein Mann geht durch die Wand" - eine Komödie mit Heinz Rühmann. Das Buch ist weniger lustig und hat auch kein Happy-End:





Paris en miniature:




Der Mantel war noch recht "preiswert". Im Laden nebenan gab es ein nettes Kleid für nur etwas mehr als € 11.000,- 


Samstag, 26. September 2015

Ein Provinzei in Paris - Fotos 1

Wenn man das Glück hat, zu den "Journées du Patrimoine" (Heritage Days) in Paris zu sein, erlaubt die Bank von Frankreich Einblicke, die sonst verschlossen bleiben.


Eine Modell-Bank:




Innenhof:


Die Galérie Dorée:











Die ärmlichen Räumlichkeiten unterbezahlter Banker:








An die Goldreserven ließ man uns leider nicht heran. Aber ich kenne ja jetzt das Innere der Bank - und Paris ist nicht weit. ;-)

Dienstag, 15. September 2015

Wie böse ist es, für das Leben zu sein? - Begriffsverwirrungen

Eine überflüssige Frage. Eigentlich. Denn wäre ich nicht für das Leben, müsste ich jetzt den Computer abschalten und den Kopf in den Backofen legen. Was allerdings auch widersinnig wäre, denn der läuft elektrisch.

Naja, Spaß beiseite.

In Berlin findet am kommenden Samstag (19. September) erneut der "Marsch für das Leben" statt. Über diese Veranstaltung hatte ich schon im letzten Jahr in einem die Vorzeichen ein wenig verkehrenden Blogbeitrag geschrieben.

Ich frage mich heute, was denn so schrecklich ist an einer friedlichen Demonstration, die sich "Marsch für das Leben" nennt. Immerhin hat sich die Berliner Mit-Regierungspartei "Die Linke" entschlossen, ganz "demokratisch" auf ihrer Homepage dazu aufzurufen, sich einer ordnungsgemäß angemeldeten und genehmigten Demonstration "in den Weg zu stellen" und diese zu stören. Wie so etwas bei den Linken aussieht, weiß man. Friedlich bleiben da wohl nur die bösen "Lebensschützer".

Und da sind wir schon mittendrin, in der Begriffsverwirrung.

Leben schützen zu wollen - gut.
Ungeborenes Leben schützen zu wollen - schlecht.

Ein guter Mensch zu sein - gut.
Ein Gutmensch zu sein - schlecht.

Mittelalter spielen auf Ritterfesten und -märkten - gut.
Mittelalterlich zu sein - schlecht.

So weit, so seltsam.

Noch interessanter wird es, wenn die eine Seite von sich behauptet, etwas bestimmtes erreichen zu wollen, und es in Wirklichkeit die andere - "gegnerische" - Seite ist, die dieses "etwas" anstrebt.

Die Eiferer gegen den "Marsch für das Leben" sagen von sich, sie seien "pro-choice". Das heißt, sie verlangen, dass sich jede Frau frei für oder gegen eine Abtreibung entscheiden kann. 

Doch ganz so stimmt das nicht:
Dieses Verlangen jedenfalls müsste hinter dem Begriff "pro-choice" stehen - also der Möglichkeit einer freien Wahl zwischen mindestens zwei Optionen.
Ihr tatsächliches Motto lautet aber "pro-abortion", denn in Wirklich geht es ihnen nur darum, dass der Zellhaufen mit dem schon schlagenden Herzen möglichst zügig und ohne großes Nachdenken entsorgt werden kann.

Jene Menschen aber, die sich in Berlin zum "Marsch für das Leben" einfinden, die bösen "Lebensschützer" also, die im Mittelalter steckengebliebenen Erzkonservativen - sie sind es, die tatsächlich "pro-choice" sind! Das muss erklärt werden:

Wie oben schon gesagt, bedeutet "pro-choice" per definitionem nichts anderes als den Wunsch nach einer tatsächlichen Wahlfreiheit zwischen mindestens zwei Möglichkeiten. Einer schwangeren Frau, die eine Abtreibung erwägt, müssen also Voraussetzungen anhand gegeben werden, die ihr eine Entscheidung in beide Richtungen ermöglichen.

Sie benötigt Informationen:
Und zwar nicht nur darüber, wie eine Abtreibung technisch vor sich geht, und "Am nächsten Tag ist alles wieder gut."-Aussagen. Sondern auch darüber, was bei einer Abtreibung alles NICHT gutgehen kann. Auch muss sie erfahren, was eine Abtreibung tatsächlich heißt, und was es mit dem Entwicklungsstand des "Zellhaufens" schon in den wenigen ersten Wochen ihrer Schwangerschaft wirklich auf sich hat.

Sie benötigt noch weitere Informationen:
Welche Hilfe und/oder Unterstützung (finanziell u.a.) stünden ihr zu, falls sie sich doch für das Kind entscheidet?

Und weiter:
Falls sie das Kind wirklich auf keinen Fall behalten möchte - hat sie schon einmal über eine Adoption nachgedacht? Weiß sie, wie so etwas vor sich geht bzw. welche verschiedenen Möglichkeiten es hier gibt?

Und noch immer weiter:
Hat man ihr jemals dabei geholfen, sich selbst die richtigen Fragen zu stellen? Z.B., ob sie mit ihrem derzeitigen Freund wirklich gut "bedient" ist, der von ihrer "Partnerschaft" sagt "Wir genießen unser Sexleben in vollen Zügen." (Originalzitat) und sie im Falle einer Schwangerschaft zur Abtreibung anmeldet, worauf man sich vorher für den "Ernstfall" geeinigt hatte, so dass man(n) anschließend erneut "in vollen Zügen" genießen kann?

Und so ganz nebenbei möchte ich das für mich noch einen Tick weiterführen:
Wie schön wäre es, wenn unsere Regierung ebenso wie alle VerfechterInnen von Frauenrechten damit aufhörten, sich wegen einer Frauenquote in den Führungsetagen auf die eigene Schulter zu klopfen, die nicht nur gerade mal 0,irgendwas % der weiblichen Bevölkerung des Landes dient, sondern die von einem Teil eben dieser 0,irgendwas % sogar abgelehnt wird? Und wie viel schöner wäre es, wenn stattdessen Geld flösse - von der Regierung, und innerhalb der Unternehmen - um den Frauen eine "Kinderpause" ohne Karriereknick zu ermöglichen, oder ihnen zu erlauben, einige Jahre lang ihren Beruf mit "Mutter" zu benennen, ohne später deswegen in die Rentenarmut zu rutschen. DAS würde "pro-choice" jeder werdenden Mutter entgegenkommen.

Und noch einen kleinen Tick weitergehen möchte ich, was die Informationen und Überlegungen für die werdende Mutter angehen:
Was ist das denn eigentlich, diese "sexuelle Selbstbestimmung der Frau", die hier von den Gegnern der "selbsternannten Lebensschützer"™ gegen diese ins Feld geführt wird? Soll ja wohl heißen:
"Wir sind dafür, und ihr seid dagegen."

Hm.... was hat "sexuelle Selbstbestimmung" mit Abtreibung zu tun? Ernsthaft mal jetzt? Sagen wir mal so:

Ich glaube nicht, dass es auf dem "Marsch für das Leben" jemanden außerhalb des "1/100-Rahmens" (s.u.*) geben wird, der befürwortet, dass ein anderer als die Frau selbst die Wahl trifft, wann und wo und wie und mit wem sie "in die Kiste springt".

"Sexuelle Selbstbestimmung" hört (u.a.) da auf, wo Prostitution anfängt - auch, wenn dies die Linke natürlich etwas anders sieht, und sich damit in guter Gesellschaft mit Amnesty International befindet, wo man auf eine Legalisierung von Prostitution pocht. Ein interessanter Twist dieser Geschichte ist übrigens der Fakt, dass der erste Bericht, auf dem dieses Ansinnen beruht, von einem Herrn namens Douglas Fox (mit)-verfasst wurde (Quelle) - der in England einen der größten *räusper* "Escort-Services" betreibt. Na, was Wunder, sage ich da nur.

Ob sich wohl unter den "selbsternannten Lebensschützern"™ jemand finden wird, der Prostitution legalisiert sehen möchte? Ich denke nicht.

Aber zurück zu unserer schwangeren Frau und "pro-choice":

Die Frage, wer ihr denn nun eine größere Hilfe sein kann, die muss jeder für sich selbst beantworten:

Sind es jene, die ihr einreden wollen, zur "sexuellen Selbstbestimmung" gehöre es eben auch, die dabei gelegentlich entstehenden "Unfälle" rasch und straffrei "wegmachen" zu lassen, und die letztlich damit weiterhin alle körperlichen und seelischen Spätfolgen des "Wie genießen unser Sexleben..." in die Ecke der Frau schieben, während man(n) tatsächlich unbeschwert genießen kann (wo da die Emanzipation bleibt, werde ich sicher nie verstehen)?

Oder sind es jene, die wollen, dass ihr in ihrer Situation beratend und helfend zur Seite gestanden wird, so dass sie wirklich eine informierte und freie Entscheidung treffen kann - und die dabei hoffen und beten werden, dass es eine Entscheidung FÜR das Kind sein wird?

Hört doch auf, möchte man rufen, euch von eurem selbstgerechten Thron herab über die "Lebensschützer" lustig zu machen und sie als "ewig Gestrige" oder "Erzkonservative" zu verunglimpfen!

Diese Menschen, die dort auf die Straße gehen - sie haben tausendmal mehr Menschlichkeit in sich, und ehrliches Mitgefühl, als ihr es je im Leben haben werdet!

Diese Menschen gehen nicht auf die Straße, weil sie sich als hochmoralisch einstufen, oder weil sie noch im Mittelalter leben, oder weil sie Frauen zurück zu Heim und Herd wünschen.

Diese Menschen gehen auf die Straße, weil sie leiden, und mit ihrem "Marsch" geben sie diesem Leid Ausdruck:

Sie leiden mit jeder Frau, die sich entscheidet, ihr Kind abzutreiben.

Und sie leiden wegen jedes Kindes, das getötet wird, noch ehe es auch nur einen Blick auf unsere verrückte Welt tun konnte.

Und dieses Leid ist so groß, dass sie nicht schweigen können, sondern es auf die Straße tragen.

Wenn ihr schon nicht ihrer Meinung seid, so habt wenigstens Achtung vor ihnen.


Fußnote:
* Mit dem Ausdruck "1/100-Rahmen" bezog ich mich auf die Tatsache, dass es unter einer einer Ansammlung von 100 Menschen immer auch den einen Spinner geben wird. Bei "Marsch für das Leben" werden das wie im letzten Jahr jene Leute sein, die sich Formate wie die "Heute-Show" gezielt aus dem Pulk heraussuchen, um sie mit einigen dummen Fragen zu noch dümmeren Antworten zu verleiten, die man anschließend unter selbstgefälligem Lächeln dem Publikum als repräsentativ für die Einfalt der "im Mittelalter steckengebliebenen"™, "erzkonservativen"™ "selbsternannten"™ "Lebensschützer"™ darstellt.

Freitag, 11. September 2015

Mit Verlaub, Herr Kelle,

aber DAS war kein Meisterstück.

Ich kenne Herrn Kelle nicht, bin auch auf Facebook nicht mit ihm befreundet, aber gelegentlich verlinkt der eine oder andere meiner Freunde den einen oder anderen Beitrag Herrn Kelles zu dem ein oder anderen Thema.

Nun fragt er in seinem Beitrag
"Wo sind all die Hilfsbereiten eigentlich vorher gewesen?"
und stellt fest
"Hundertausende Flüchtlinge strömen derzeit in dieses Land. Und es funktioniert auf einmal alles."
um sich letztendlich die Frage zu stellen
"Warum hat diese Gesellschaft, warum haben Staat und Kirche früher nicht mit gleicher Hilfsbereitschaft auf unsere Landsleute in Not reagiert? Warum hat man Menschen, denen vielleicht nach einer Scheidung oder Pleite das Leben völlig entglitten ist, nicht ebenso geholfen? Wenn ich jetzt die Bilder von jubelnden Menschen mit "refugeeswelcome"-Schildern sehe, frage ich mich unwillkürlich: Wo wart ihr eigentlich bisher?"
Ich frage mich nach dem Lesen dieses Blogbeitrages auch so einiges. Vor allem frage ich mich jedoch:

Leben wir wirklich im gleichen Deutschland, Herr Kelle und ich?

Es funktioniert "auf einmal" alles? Ach so... ja... das heißt also, es gibt im Grunde in Deutschland überhaupt kein Flüchtlings"problem", weil wir alles bestens im Griff haben? Kann das unserer Regierung und auch den Kommunen bitte mal jemand sagen? Ich glaube, die wissen das noch gar nicht.

Ja, aber wo waren sie denn nun in der Vergangenheit, der "Staat" und die "Kirche", nach denen Herr Kelle fragt, und auch die vielen privaten Helfer?

Haben wir im Staate Deutschland denn keine funktionierenden Sozialsysteme? Sicher, sie sind nicht perfekt, und auszusetzen findet man genug. Aber ehrlich und nüchtern betrachtet, müssen wir doch für Deutschland folgendes zugeben:

Niemand muss verhungern.
Niemand muss auf der Straße schlafen.
Niemandem wird die lebensrettende Operation versagt, weil ihm das Geld fehlt, diese zu bezahlen.

Ich könnte das noch sehr viel weiter ausführen, von freier Schulbildung bis hin zur Krankenversicherung für alle. Und ich könnte (und müsste dann) natürlich auch ausführen, wo und was es hier und überall zu bemängeln gäbe, was verbesserungswürdig wäre etc. Aber die Behauptung, der Staat habe auf unsere "Landsleute in Not" in der Vergangenheit nicht in vielfacher Weise eben durch das gebeutelte Sozialsystem reagiert, ist schon eine arg steile These.

Die Kirche. Ja, was soll ich dazu sagen? Ach so, Moment mal, jetzt hab' ich das wohl verstanden: Die ganze Kirchensteuer, die man uns seit Jahren abzieht, sie war nur dazu da, goldene Badewannen und Protzbauten zu zahlen. Alle karitativen Einrichtungen der Kirche wurden dagegen erst in den letzten Wochen, und dann auch eben nur für die Flüchtlinge gegründet.

Und dann - nicht zuletzt - der einzelne private Helfer. Hat er/sie wirklich vor der Flüchtlingskrise nur auf dem Sofa gesessen und Popcorn gegessen und ist ansonsten an den Hilfsbedürftigen des Landes geschlossenen Auges vorübergegangen?

Was ist mit den vielen, vielen Ehrenamtlichen, ohne die Einrichtungen wie z.B. "Die Tafel" undenkbar wäre? Ehrenamtliche, die schwachen (deutschen) Schülern unentgeltlich Hausaufgabenhilfe erteilen? Ehrenamtliche, die in Krankenhäusern Besuchsdienste leisten bei Patienten, die keine Familie haben, die sich kümmert? Ehrenamtliche Helfer für Behinderte? Ehrenamtler beim THW? Um nur einige wenige zu nennen.

Und was ist mit dem ganz einfachen Menschen von nebenan? Der für die ältere Nachbarin die Einkäufe erledigt? Der dem Bettler auf der Straße trotzdem den Euro zusteckt, obwohl er immer wieder hört "Rausgeworfenes Geld - der kauft ja doch nur Alkohol für dein Geld!". Oder der sich schützend vor das Prügelopfer stellt - und dafür womöglich selber Schläge einsteckt?

Natürlich erleben wir gerade eine enorme öffentliche Welle der Hilfsbereitschaft. Aber genau das ist der Punkt: Der Flüchtlingswelle, wie wir sie heute erleben, erhält verständlicherweise eine riesige mediale Aufmerksamkeit. Und im gleichen Scheinwerferlicht finden sich auch die nun anlaufenden Hilfen wieder - ebenso wie die "Jubeldeutschen" mit ihren "welcome"-Schildern.

Man darf dabei wohl derzeit gerne mal übersehen, dass es auch vorher schon Hilfe und Helfer für (deutsche) Menschen in Not gab.

Aber ihnen gleich die Existenz abzusprechen - so weit sollte man sich nicht versteigen.

Sonntag, 6. September 2015

Perfide!

Es gibt ein Foto von einem kleinen, toten syrischen Jungen am Strand.

Das Foto hat aufgerüttelt und viele Menschen schockiert.

Das problematische an einem solchen Foto ist - jedenfalls für gewisse Kreise - dass es keine Möglichkeit gibt, die Bestürzung und das Mitleid der Menschen über den Tod eines Kindes in ihr Gegenteil zu pervertieren, ohne dabei selbst schlecht auszusehen.

Ein totes Kind... wer will sich schon so weit verrennen, auch hier seine sonst übliche Gülle auszuschütten?

Naja, vielleicht nicht über das Kind.... aber nehmen wir uns doch halt den Vater vor, so denken sich da einige! Also den Mann, der bei der Überfahrt nach Europa seine Frau und seine beiden Kinder verloren hat.

"Geht nicht!", glaubt ihr?

Geht doch!

Indem man die folgenden steilen Behauptungen aufstellt:
"Der Vater hat nur deshalb das Leben seiner Familie aufs Spiel gesetzt, weil er sich in Europa billig neue Zähne machen lassen wollte! 
und
"Der lebte nämlich mit seiner Familie schon seit 3 Jahren in der Türkei und war gar kein Flüchtling."
Ja, ja, diese Behauptungen machen auf gewissen Websites derzeit die Runde (darunter eine, deren Logo bei genauerem Hinsehen ein in zwei Teile zerlegtes Hakenkreuz ist - muss ich mehr sagen?). Und leider wird dieses "Wissen" inzwischen auch von solchen Leuten im Netz in Diskussionen eingestreut, denen ich bisher wenigstens noch ein kleines, restliches Quäntchen Verstand zugetraut hätte.

Lassen wir mal die Logik beiseite, die uns fragen lässt: "Man kann sich in Deutschland oder Österreich billig die Zähne machen lassen?", sondern konzentrieren wir uns auf die "Weisheit" als solches, die hier verbreitet wird.

Also, dann wollen wir uns doch mal ansehen, wie und womit man uns diesen Schwachfug beweisen möchte:

Es gibt ein Interview, welches die in Kanada lebende Schwester des Vaters gegeben hat. Dieses Interview (gegeben bei Sky News) wurde soweit verändert, dass man ihm den Titel
"Syrian boy drowned because his Father wanted new teeth"
vorangestellt hat, Dass dieser Titel nicht von Sky News stammt, versteht sich von selbst.

In diesem Interview erzählt die Schwester von ihren Versuchen, die Familie zu sich nach Kanada zu holen. Man habe kein Geld von Kanada gewollt; nur die Einreiseerlaubnis. Zuerst hatte sie die Anträge jedoch für ihren anderen Bruder und dessen Familie gestellt - es ist immer nur ein "Sponsoring" erlaubt. Sie erzählt davon, wie sie ihrem anderen Bruder Geld schickte, damit er stattdessen die Schlepper für sich und seine Familie Richtung Europa bezahlen konnte. Und sie erwähnt - nebenbei - ihr Bruder habe keine Zähne mehr gehabt, und auch darum habe man sich (finanziell) kümmern wollen, sobald die Familie in Sicherheit sei, aber das, so sagt sie, sei eine andere Geschichte.

Warum sagt man so etwas in einem Interview? Man sagt es genauso, wie auch wir reden würden, wenn uns geliebte Menschen genommen werden - es ist das typische "wir hatten doch noch so vieles vor", das uns in solchen Momenten durch den Kopf geht.

Aber bleiben wir beim Thema - und räumen wir ein für allemal auf mit den Dämlichkeiten.

Hier sind zwei Artikel der BBC, in denen auch Teile des Sky-News-Interviews eingebettet sind:
http://www.bbc.com/news/world-europe-34141716
http://www.bbc.com/news/world-us-canada-34142695

Und hier noch verlinkt ein weiteres Interview mit der Schwester, diesmal geführt von der BBC:
http://www.bbc.com/news/world-europe-34149755

Und ich mache mir jetzt mal den "Spaß", die (für unser Thema) relevanten Informationen der BBC hier auf Deutsch zusammenzufassen:

Als syrische Kurden waren die Chancen der Familie Kurdi auf Asyl in Kanada in dem Moment durchkreuzt, als sie sich auf den Weg in die Türkei machten. Syrien hat seiner kurdischen Bevölkerung seit Jahren die Staatsbürgerschaft verweigert, und Kurden wurden von den Behörden demnach als staatenlos angesehen. Per Anordnung von 2011 wurde ihnen zwar erlaubt, die Staatsbürgerschaft zu beantragen, aber viele konnten die geforderten Bedingungen nicht erfüllen, und viele andere waren zur Flucht gezwungen, ehe sie einen solchen Antrag auch nur hätten einreichen können.

2014 flohen die Kurdis aus Kobane in Richtung Türkei. (Anm.: Ich gehe davon aus, es ist noch im allgemeinen Gedächtnis verhaftet, wie das Schicksal der Kurden in Kobane 2014 aussah?) Dort durften sie zwar bleiben, aber sie erhielten keinen offiziellen Flüchtlingsstatus. Nur Flüchtlinge mit Pass erhielten eine auf ein Jahr begrenzte Aufenthaltserlaubnis und die Erlaubnis, sich im Land frei zu bewegen. Jene ohne Pass mussten in den "Camps" bleiben oder sich als "Illegale" im Land aufhalten. So wie die Kurdis.

Solche Menschen befinden sich in der Türkei in einer Zwickmühle: Sie erhalten keine Ausreisegenehmigung aus der Türkei, weil sie keinen Pass haben. Und sie erhalten nirgends Asyl, weil sie keine Ausreisegenehmigung aus der Türkei haben.

Das ist die Situation, in der auch der andere Bruder mit seiner Familie sich befand - weshalb der Asylantrag, den seine Schwester für ihn gestellt hatte, abgelehnt wurde. So wusste man also, wie die Aussichten für den zweiten Bruder sein würden.

Und so begab sich die Familie stattdessen in die Hände von Schleppern, Richtung Europa, finanziert von der Schwester.


Auch schreibt die BBC hier, der Vater sei vor der Flucht in Syrien, in Kobane, vom IS gefoltert worden, und dabei habe man ihm alle Zähne ausgeschlagen. Kann man das glauben? Nun ja, einerseits weiß ich, dass diese Art Folter bei der IS recht beliebt zu sein scheint - auch christliche Priester kamen dort schon in den Genuss einer solchen "Zahnbehandlung". Andererseits verweise ich auf alles Bild-, Video- und anderes Material, das uns (leider) inzwischen über die Methoden der IS-Tiere vorliegen - gibt es wirklich jemanden, der allen Ernstes noch behaupten würde "sowas tun die nicht!"?

Mit einem Wort zusammengefasst, ist das, was hier gerade abläuft, nur so zu beschreiben:

PERFIDE!

Schämt euch, ihr Volksverhetzer!

Sonntag, 23. August 2015

Tierliebe. Ein rotes Tuch.

Wie kann es sein, dass ich Tierliebe momentan als "rotes Tuch" empfinde? Habe ich etwas gegen Tierschützer? Hasse ich etwa Tiere? Beides kann ich verneinen.

Also, was ist los mit mir?

Täglich treffe ich in den Medien - hauptsächlich online, aber auch anderswo - auf kleine und große Meldungen über ausgesetzte und/oder misshandelte Hunde, Katzen und andere Tiere. Das ist schlimm, keine Frage. Die Reaktionen auf solche Meldungen sind immer gleich: Ein Sturm der Empörung, es regnet Kommentare noch und noch:
"Wie kann man nur?"
"Wer sowas tut, dem sollte man... "
"Was sind das nur für Menschen?"
"Wenn ich den in die Finger bekäme..."
"Das ist soooo traurig, der/die/das arme kleine Ding."
Betroffenheit und Empörung, und der Wille, dem Bösewicht mal so richtig in den... naja, ihr wisst schon.

Menschliche Reaktion. Völlig normal, und irgendwie auch gut so. Man nennt es Mitleid.

Immer häufiger aber frage ich mich:

Wie viele eben dieser Kommentatoren lesen von den Flüchtlingsschicksalen, ausgelöst durch die Greueltaten der IS und anderer islamistischer Terrorbanden - und bleiben ungerührt?

Wie viele von ihnen lesen von brennenden Asylantenheimen - und zucken die Achseln?

Wie viele von ihnen lesen von Morden, Entführungen, Folterungen, Vergewaltigungen, Enthauptungen, die in jenen Ländern gang und gäbe sind, aus denen viele der Flüchtlinge jetzt zu uns kommen - und denken sich dabei... nichts?

Natürlich beschränken sich meine Fragen nicht nur auf diese Menschen. Aber es ist auffällig:

Eine mitleiderregende und/oder empörende Meldung über ein süßes Kätzchen, einen armen Hund oder meinetwegen auch einen vormals stolzen Löwen - und die Zahl der Kommentare steigt binnen weniger Stunden in die Tausende.

Eine mitleiderregende und/oder empörende Meldung über ein Flüchtlingsschicksal oder weitere Untaten der IS-Schlächter - und die Reaktionen beschränken sich auf wenige und immer gleiche "Verdächtige".

Jemand meinte dazu kürzlich, naja, man könne sich doch nicht ständig aufs Neue empören und in Tränen auflösen. Hm... In der Tierliebe scheint das aber sehr wohl zu funktionieren.

Stumpfen wir also nur menschlichem Leid gegenüber ab?

Aber vielleicht sind ja auch nur die meisten der Ansicht "selber schuld":

Selber schuld, wenn Menschen von der IS verfolgt und enthauptet werden - ihre politische Einstellung wird danach gewesen sein.

Selber schuld, wenn der IS und andere Terrorgangs in den Ländern wüten - wenn auch niemand im Lande etwas gegen sie unternimmt und stattdessen alle die Beine gen reicher Westen in die Hand nehmen, die es sich leisten können.

Selber schuld, wenn der reiche syrische Apotheker vor dem IS fliehen muss - wenn er sich auch vorher im eigenen Lande nie um die Armen geschert hat.

Ich rede Blödsinn? Nö, genau diese Weisheiten wurden mir vor 10 Minuten um die Ohren geschlagen.

Mitleid? Ja, gerne. Aber bitte nur für süße Kätzchen und kleine Hunde.

Dienstag, 4. August 2015

Cecils Geschichte.

Cecil war ein irakischer Student. Eines Tages sprengten islamistische Terroristen einen Bus voller christlicher Studenten in die Luft. Nun ist Cecil nicht mehr.

Cecil war ein 5jähriger Junge, der mit seinen Eltern vor dem IS aus Syrien floh. Das Schiff sank, noch ehe das europäische Festland erreicht war. Nun ist Cecil nicht mehr.

Cecil war ein Dorfbewohner irgendwo in Nigeria. Eines Tages überfielen die Terroristen der Boko Haram das Dorf und schnitten allen Männern die Kehle durch. Nun ist Cecil nicht mehr.

Cecil war ein Christ in Pakistan. Einige neidische Nachbarn zeigten ihn wegen "Beleidigung des Koran" an und er wurde unter dem dubiosen Blasphemiegesetz zum Tode verurteilt. Nun ist Cecil nicht mehr.

Cecil war Student in Kenia. Die Terroristen von Al-Shabaab stürmten seine Universität und ermordeten 148 Menschen. Nun ist Cecil nicht mehr.

Cecil war ein Löwe in Zimbabwe. Ein Zahnarzt hat ihn erschossen. Nun ist Cecil nicht mehr.

Welchem Cecil gilt die allgemeine Empörung in den weltweiten Medien?

Welchem Cecil gelten die Betroffenheitsbekundungen in jeder geselligen Runde weit und breit?

Der Mörder welchen Cecils muss um sein Leben fürchten?

Das Bild welchen Cecils wurde gerade als tränenschwere Reminiszenz auf die Fassade des Empire State Buildings projiziert?

Für welchen Cecil werden derzeit Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht, um den Tod weiterer Cecils zu verhindern?

Wir leben in einer traurigen Welt mit kranken Werteverschiebungen